Interview: „Umbauprogramm mit historischer Dimension“: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock wirbt für Industriepakt
Die Bundesvorsitzende der Grünen sagt: „Klimaschutz muss sozial gerecht sein.“
Foto: dpaBerlin. Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, konkretisiert ihre Pläne für die Wirtschaft. Um die Unternehmen bei der Transformation hin zur Klimaneutralität zu unterstützen, plant Baerbock einen „Industriepakt“, wie sie im Interview mit dem Handelsblatt ankündigte. „Es braucht ein gemeinsames Vorgehen von Industrie und Politik, ein Umbauprogramm mit einer historischen Dimension“, sagte die Grünen-Vorsitzende.
Eine Woche vor dem Bundesparteitag der Grünen geht Baerbock damit auf die Industrie zu. „Die Unternehmen müssen beim Umbau hin zur Klimaneutralität deutlich schneller werden“, forderte Baerbock. „Dafür brauchen sie von der Politik die Sicherheit, dass sich ihre Milliardeninvestitionen, vor denen sie jetzt stehen, in Zukunft rechnen.“
Baerbocks Vorschlag sind Klimaverträge, über die der Staat die Mehrkosten für ein Unternehmen ausgleicht, wenn es klimaneutral produziert. Der Staat müsse jetzt für Planungssicherheit sorgen und in Vorleistung gehen, so Baerbock. Wenn sich die Produkte in Zukunft allerdings rechneten, so Baerbock, „geben die Unternehmen den Vorschuss an die Allgemeinheit zurück“.
Vor allem die energieintensive Industrie fordert seit Langem konkrete Strategien und finanzielle Zusagen von der Politik. Teile der Wirtschaft sehen das Wahlprogramm der Grünen kritisch. Baerbock selbst genießt bei vielen Unternehmern aber durchaus einiges an Glaubwürdigkeit. Erst diese Woche warb Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser für die 40-Jährige als Kanzlerin.