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Telekommunikation Verkauf, Zukauf, Glasfaser: So richtet CEO Höttges die Deutsche Telekom neu aus

Nach der Fusion mit Sprint in den USA lenkt der Chef den Fokus des Dax-Konzerns auf Europa. In mehreren Ländern gibt es Handlungsbedarf.
17.01.2021 - 16:15 Uhr Kommentieren
Die Baustellen des Telekom-Chefs liegen eher im europäischen Ausland. Quelle: dpa
Tim Höttges

Die Baustellen des Telekom-Chefs liegen eher im europäischen Ausland.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Timotheus Höttges ist buchstäblich an der Spitze angekommen. Der Konzernchef der Deutschen Telekom hält sich an einem Funkmast auf dem Dach der Unternehmenszentrale in Bonn fest und hängt einen Stern in der Firmenfarbe Magenta auf. „In Deutschland sind wir mittlerweile Lichtjahre vor Vodafone im Ausbau von 5G“, sagt Höttges in einem aufwendig inszenierten Telekom-Video zum Jahresende 2020.

Für Höttges und die Telekom war es ein sehr gutes Jahr. Besonderer Treiber war das Geschäft in den USA. „Erstmalig haben wir AT&T und Verizon in Amerika überholt“, schwärmt der CEO (hier das Telekom-Video im Original). Im April hatte die Tochter T-Mobile US die Fusion mit dem Rivalen Sprint vollzogen.

Seitdem ist die Börsenbewertung um mehr als 25 Prozent gestiegen. T-Mobile wird derzeit an den Aktienmärkten mit mehr als 154 Milliarden Dollar (127 Milliarden Euro) bewertet. Die Konzernmutter Deutsche Telekom ist an der Börse aktuell 71 Milliarden Euro wert. Die US-Tochter, an der sie 42 Prozent der Anteile hält, steuert mehr als die Hälfte zum Umsatz des Konzerns bei.

Die Telekom trägt zwar noch das Heimatland im Konzernnamen. Sie hat ihren Fokus aber stark in Richtung der USA verändert. Nun lässt Höttges neue Perspektiven für das Unternehmen in Europa ausloten. Der wichtigste Mann für diese Aufgabe im Konzern ist Vorstand Thorsten Langheim. Zudem hatte Höttges zu November die belgische Telekommunikationsmanagerin Dominique Leroy als neue Europachefin in das Unternehmen geholt.

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    Beide sollen einen Zukunftsplan für die Telekom in Europa entwickeln. Um den aktuellen Stand nachzuvollziehen, hat das Handelsblatt während der vergangenen Wochen mit rund einem halben Dutzend Entscheider innerhalb der Telekom sowie mit Branchenexperten gesprochen.

    Niederlande: Vom Problemfall zum Wachstumsmarkt

    Langheim ist nicht nur der Architekt der Fusion in den USA. Ihm war es auch gelungen, das strauchelnde Geschäft in den Niederlanden in einen Wachstumsmarkt zu verwandeln. Während die Telekom dort noch vor einem Jahrzehnt Kunden aufgrund der miserablen Netzqualität entschädigen musste, wurde das Netz von T-Mobile kürzlich in mehreren Tests als das beste Europas ausgezeichnet.

    Die Niederlande zählen formell zum Vorstandsbereich „USA und Group Development“ von Thorsten Langheim. Die anderen europäischen Landesgesellschaften fallen in den Bereich Dominique Leroys. Dort gibt es einige Baustellen.

    Der erste Problemfall ist die Landesgesellschaft in Rumänien. Seit Jahren entwickelt sich das Geschäft dort für die Telekom nicht gut. Über die Tochter OTE versucht der Dax-Konzern das Festnetzgeschäft in Rumänien an den französischen Netzbetreiber Orange abzustoßen.

    Allerdings ist auch der rumänische Staat am Festnetzgeschäft beteiligt, sodass sich die laufenden Gespräche schwierig gestalten, wie das Handelsblatt erfuhr. Langfristig strebt die Telekom an, sich auch vom Mobilfunkgeschäft in Rumänien zu trennen.

    Für das Firmenvideo zum Jahreswechsel kletterte der CEO auf einen Funkmast auf der Firmenzentrale in Bonn. Quelle: Deutsche Telekom
    Timotheus Höttges

    Für das Firmenvideo zum Jahreswechsel kletterte der CEO auf einen Funkmast auf der Firmenzentrale in Bonn.

    (Foto: Deutsche Telekom)

    Der zweite Problemmarkt ist Polen. Auch dort entwickelt sich das Geschäft schleppend, Besserung ist zunächst nicht in Sicht. Der für seine Kampfpreise bekannte französische Telekommunikationskonzern Iliad des Milliardärs Xavier Niel bekam im Oktober die Erlaubnis der EU-Wettbewerbsbehörden, den polnischen Netzbetreiber für 3,5 Milliarden Euro zu übernehmen.

    Die Aufgabe Dominique Leroys wird es sein, das Geschäft in Europa auszubauen. Gleichzeitig geht es um die Frage, wie sich das Geschäft weiter ausbauen lässt. „Die Telekom verhält sich in vielen Märkten wie ein behäbiger Elefant“, klagt der Telekommunikationsberater John Strand. Lediglich in den Märkten USA und Niederlande trete der Konzern kundenorientiert und angriffslustig auf.

    Bevor die Telekom größere Summen für Fusionen oder Übernahmen in Europa mobilisieren kann, sind jedoch zwei kostenintensive Probleme zu lösen. In Deutschland hat der Konzern lange den Ausbau mit zukunftsweisender Glasfaser hinausgezögert.

    Zwei teure Herausforderungen in Europa und den USA

    Mit einem technisch verbesserten DSL-Breitbandanschluss kann die Telekom zwar Geschwindigkeiten von bis zu 250 Megabit pro Sekunde (Mbps) anbieten. Wettbewerber Vodafone bringt es mit seinem Kabelnetz an vielen Orten aber auf 1000 Mbps. Höttges hatte eine Glasfaser-Initiative angekündigt, und den ehemaligen Europachef Srini Gopalan zum Deutschlandchef und damit zum wichtigsten Mann für den Glasfaserausbau gemacht.

    Offiziell hat der das Ziel ausgegeben, künftig jährlich zwei Millionen Haushalte mit Glasfaser anzuschließen. Intern hat er sogar drei Millionen Haushalte als Zielmarke formuliert. Aufgrund begrenzter Baukapazitäten und langwieriger Genehmigungsverfahren gilt das als große Herausforderung. „Über Jahre hat die Telekom zu wenig in die Infrastruktur in Deutschland investiert. Das rächt sich heute“, sagte Berater John Strand.

    Grafik

    Die zweite, teure Herausforderung ist die Beteiligung in den USA. Das Geschäft für T-Mobile US läuft sehr gut. Aber der Telekom gehören an der Firma seit der Fusion im April nur noch 43 Prozent der Anteile. Aufgrund einer Stimmrechtsvereinbarung mit dem ehemaligen Sprint-Eigner Softbank kann die Telekom über rund 67 Prozent der Anteile die Stimmrechte ausüben.

    Softbank hatte sich zu einem Lock-up verpflichtet, darf sich also für vier Jahre nicht von einem Großteil der Anteile trennen. Für die Telekom läuft demnach die Zeit ab. Sie müsste bis zum Jahr 2024 die Anteile von Softbank kaufen, wenn sie nicht unter eine Schwelle von 51 Prozent rutschen will und damit langfristig die Kontrolle über T-Mobile unterhalten will. Ebenso wie der Glasfaserausbau wird das jedoch viel Geld kosten.

    Dafür könnte die Telekom sich in Europa von Geschäften trennen wollen. Für die Tochter in den Niederlanden erwägt die Telekom derzeit, sich vom gesamten Unternehmen oder nur von Teilen zu trennen. Gleichzeitig hat die Telekom das Geschäft mit ihren Mobilfunkstandorten in der Tochtergesellschaft Deutsche Funkturm zusammengezogen. Hier wird auch ein Börsengang erwogen. Ähnliche Schritte hatten ebenso die Konkurrenten Telefónica und Vodafone vollzogen.

    Mehr: Auf der Telekom-Hauptversammlung sollte die Entscheidung über den künftigen Chefkontrolleur fallen. Aber Favorit Harald Krüger lehnt plötzlich ab. Jetzt beginnt die Suche erneut.

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