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Abgebranntes Lager Moria Unternehmer fordern Aufnahme von mehr Flüchtlingen aus Lesbos

Wirtschaftsvertreter verlangen schnelle humanitäre Hilfe für die Notleidenden in Moria. Dabei nehmen sie die europäische Politik in die Pflicht.
15.09.2020 - 20:23 Uhr Kommentieren
Deutsche Unternehmer und Manager fordern auf Lesbos ein schnelles Handeln der Politik. Quelle: Daniel Etter/laif
Flüchtlingskind aus Afghanistan am Strand von Lesbos

Deutsche Unternehmer und Manager fordern auf Lesbos ein schnelles Handeln der Politik.

(Foto: Daniel Etter/laif)

Düsseldorf Angesichts der katastrophalen Zustände rund um das abgebrannte Flüchtlingslager Moria fordern deutsche Unternehmer und Manager ein schnelles Handeln der Politik. Dazu gehöre neben humanitären Hilfen auch die Aufnahme einer substanziell größeren Zahl von Flüchtlingen aus dem Lager, unterstrichen sie am Dienstag auf Anfrage des Handelsblatts. Eine tragfähige Lösung sehen viele aber nur in einem Zusammenwirken der EU-Staaten.

„Das Thema hat für mich zwei wesentliche Dimensionen. Angesichts der untragbaren Zustände ist jetzt schnelle Hilfe geboten, um die Not der Menschen zu lindern. Dies steht für mich als Christin außer Frage“, sagte Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Maschinenbauunternehmens Trumpf. „Perspektivisch aber muss die EU die Problematik unbedingt strukturell lösen. Und dabei auch die Interessen von Ländern wie Griechenland stärker als in der Vergangenheit berücksichtigen.“

Klare Forderungen richtet Felix Ahlers, der Chef des Tiefkühlkostproduzenten Frosta, an die deutsche Politik. „Sowohl aus humanitärer Sicht wie auch aus wirtschaftlichem Interesse macht es unbedingt Sinn, mehr Flüchtlinge aufzunehmen“, erläuterte der 54-Jährige. Er verweist auf die guten Erfahrungen des Bremerhavener Unternehmens mit Flüchtlingen im eigenen Betrieb, die sich „ausnahmslos sehr gut integriert haben und motiviert sind“.

Da Deutschland von der Coronakrise weniger hart getroffen sei als andere Länder in Europa und „wir auch zukünftig mehr Arbeitskräfte brauchen, sollten wir durchaus auch überproportional mehr Flüchtlinge aufnehmen“, forderte Ahlers.

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    Mit Blick auf die Katastrophe auf Lesbos dürfe Deutschland nun nicht die Tür vor den Notleidenden zuschlagen, kommentierte der Vorstandschef eines MDax-Unternehmens die aktuelle Situation, der aber nicht mit Namen öffentlich zitiert werden will.
    Auch er hält die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus humanitären Gründen für notwendig. Allerdings müsse zugleich mit aller Macht vermieden werden, dass sich eine katastrophale Situation, wie sie in dem Lager auf Lesbos schon länger herrsche, erneut einstellt. Dies sei Aufgabe und Pflicht der Europäischen Union.

    Earlybird-Mitgründer appelliert an die Solidarität

    Das unterstrich am Dienstag auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI). „Es ist gut, dass Deutschland bereit ist, einen humanitären Beitrag zu leisten und in der EU mit gutem Beispiel voranzugehen. Wichtiger denn je ist ein neuer Anlauf zu einer gemeinsamen EU-Flüchtlingspolitik“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf.

    Hendrik Brandis, Co-Founder und Partner des europäischen Wagniskapitalfonds Earlybird, appelliert an die Solidarität. „Die Bilder von dem Leid der Flüchtlinge in Moria können uns nicht unberührt lassen. Wir haben sowohl die humanitäre Pflicht als auch die Möglichkeit, diesen Menschen in ihrer existenziellen Not zu helfen“, sagt er.

    Brandis wendet sich auch an diejenigen, die eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Lesbos ablehnen. Das Gegenargument, dass damit nur den Schleppern in die Hände gespielt werde, müsse hinter der humanitären Pflicht zurückstehen. Es könnte zudem durch einen effektiveren Schutz der EU-Außengrenzen weiter entkräftet werden.

    Auch der Earlybird-Partner sieht in einem koordinierten Vorgehen der EU die wünschenswerte Lösung, er unterstreicht aber zugleich: „Dieser berechtigte Wunsch darf angesichts der akuten menschlichen Not nicht Grund für zwischenzeitliche Tatenlosigkeit sein.“

    Brandis hält es zudem für einen grundsätzlichen Fehler, Migration nur als die Belastung zu sehen, die sie zunächst für jede aufnehmende Gesellschaft ist. „Mittel- und langfristig birgt Migration große Chancen“, sagt er.

    So gesehen sei die Befreiung von Migranten aus unerträglichen Situationen in Flüchtlingslagern nicht nur humanitär geboten, sondern mittelfristig auch eine sinnvolle Investition. Earlybird unterstützt mit dem „Vision-Lab-Programm“ Migranten dabei, mögliche Start-up-Pläne in Deutschland erfolgreich umzusetzen.

    Am Wochenende hatten bereits Siemens-CEO Joe Kaeser und Volkswagen-Chef Herbert Diess die Politik zum Handeln aufgefordert, sie sprachen sich aber nicht explizit für die Aufnahme einer größeren Zahl von Flüchtlingen in Deutschland aus. Die Reaktion auf Moria sei eine Sache der Humanität, schrieb Kaeser auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

    Die europäischen Regierungschefs seien nun gefordert. „In dieser Situation sehen wir es als unsere humanitäre Verantwortung an, den verzweifelten Menschen, den Erwachsenen und vielen Kindern, schnell und unbürokratisch zu helfen“, sagte Kaeser.

    VW-Chef Diess ergänzte, eine „menschenwürdige Lösung des Flüchtlingsproblems müsse die zentrale Mission einer starken EU sein und ohne weitere Verzögerung gefunden werden. „Ich erwarte, dass die europäischen Politiker dafür die Verantwortung übernehmen.“

    Mehr: Siemens und Volkswagen spenden für das Lager Moria

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