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Lkw-HerstellerWarum MAN in Deutschland 2300 Jobs streicht

Bei der Marke aus der VW-Trucksparte sinken die Gewinne. Nun will der Hersteller gegensteuern und den Karosseriebau verlagern. Die Gewerkschaft sieht den Standort München in Gefahr.Markus Fasse, Michael Scheppe 21.11.2025 - 08:35 Uhr Artikel anhören
Produktion bei MAN in München: Schwierige Lkw-Geschäfte. Foto: PR

Düsseldorf, München. Der unter Druck stehende Lastwagen- und Bushersteller MAN Truck will mit Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer und Stellenstreichungen die Kosten drücken. Die Gewerkschaft IG Metall fürchtet, dass der Konzern den gesamten Karosseriebau aus dem Stammwerk in München nach Krakau verlagert.

Damit sei langfristig auch die gesamte Montage in München gefährdet, sagt Sybille Wanke, die für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat von MAN sitzt. „Dann würde der zukünftige Lkw in Polen gebaut.“

MAN plant, 2300 der etwa 15.000 Stellen in Deutschland abzubauen, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Das soll über zehn Jahre hinweg passieren. Die Jobs sollen sozialverträglich abgebaut werden, vorzugsweise über Vorruhestandsregelungen.

Die IG Metall spricht indes von 3100 Arbeitsplätzen; sie wirft dem Unternehmen vor, mehr Stellen abbauen zu wollen als vereinbart. Auch fürchtet sie wegen der Verlagerung nach Polen um Jobs in der Verwaltung sowie im Forschungs- und Entwicklungsbereich. Klar ist, dass vor allem das Werk München betroffen sein wird. Einen Abbau gibt es auch in Salzgitter und Nürnberg. Weltweit hat MAN rund 33.000 Mitarbeiter.

MAN gehört wie Scania zur VW-Nutzfahrzeuge-Holding Traton. Diese ist mit einem Jahresumsatz von 47,5 Milliarden Euro nach Daimler Truck der weltweit zweitgrößte Lkw- und Bushersteller. MAN leidet wie die gesamte Branche unter einer schwachen Nachfrage auf den wichtigen Märkten USA und Europa.

Schwache Nachfrage und eigene Probleme

In Amerika haben die Zollerhöhungen von Präsident Donald Trump bei Spediteuren für Unsicherheit gesorgt, weshalb sie weniger Lkw bestellen. Zusätzlich erhöhen die Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium die Produktionskosten. Zwischen Januar und Oktober wurden in Nordamerika lediglich 159.000 schwere Lkw bestellt – 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen Zahlen des US-Branchenverbands FTR.

Angesichts der schwächelnden Konjunktur ist auch die Nachfrage in Europa gering. In den ersten drei Quartalen zählte der europäische Branchenverband Acea rund 225.000 Lkw-Registrierungen – ein Zehntel weniger als vor Jahresfrist.

Bei MAN kommen eigene Probleme hinzu. In guten Jahren hatte der Volkswagen-Konzern seine Truck-Sparte finanziell unterstützt. Seit Europas größter Autobauer selbst in der Krise ist, muss MAN mit seinen Finanzmitteln zurechtkommen. Und die stehen stark unter Druck: In den ersten neun Monaten sank die bereinigte operative Marge von MAN von 7,1 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 5,6 Prozent.

Damit liegen die Münchner deutlich unter dem firmeninternen Rivalen Scania, der auf 10,6 Prozent kommt, und unter Daimler Truck (8,5 Prozent). MAN-Finanzchefin Inka Koljonen sieht „mittelfristig keine wesentliche Markterholung“, sagte sie Ende Oktober. „Deshalb arbeiten wir weiterhin konsequent daran, unsere Resilienz zu stärken.“

Dazu zählt offenbar eine Verlagerung der Lkw-Produktion. Stadtbusse baut MAN schon in Polen und der Türkei. In Polen sind die Arbeitskosten deutlich geringer, zudem gibt es dort laut IG Metall mehr Fördergelder für Unternehmen. Auch Daimler Truck plant Verlagerungen in ein „Land mit Kostenvorteilen“. Beobachter halten die Türkei für möglich.

MAN sagt, dass die hohen Strom- und Arbeitskosten in Deutschland belastend seien. Zudem gebe es steigenden Druck durch asiatische Konkurrenten. So hat BYD bereits Werke in der Türkei und Ungarn errichtet.

Die Gewerkschaft argumentiert, dass MAN nach zahlreichen Sanierungen profitabel sei. „Es geht dem Unternehmen letztlich darum, den Gewinn zu maximieren“, sagt Betriebsratschefin Karina Schnur.

MAN muss eine Milliarde Euro bis 2028 einsparen

Aus Konzernkreisen verlautet allerdings, dass eine operative Rendite von 5,6 Prozent auf Dauer zu wenig sei, weil dann rote Zahlen drohten. MAN brauche eine Milliarde Euro Einsparungen bis 2028, um genug investieren zu können. Allein die Abgasvorschriften in der EU könnten MAN einen dreistelligen Millionenbetrag kosten, denn der Hersteller verkauft nicht genug Elektrolaster.

Lkw von Daimler Truck: Auch die Konkurrenz muss sparen. Foto: dpa

Die Branche muss vor allem Geld für Elektro-Lkw in die Hand nehmen. Doch da diese deutlich teurer sind als vergleichbare Dieselmodelle, ist die Nachfrage gering. Zudem halten sich viele Kunden wegen fehlender Schnellladesäulen für Schwerlastwagen zurück. In der EU fahren nicht einmal vier Prozent der neuen Lkw vollelektrisch. Zum Vergleich: Bei Pkw sind es 15 Prozent.

MAN hat bereits in den vergangenen Jahren massiv Arbeitsplätze abgebaut. Die Produktion in Salzgitter wurde eingestellt, das Werk im österreichischen Steyr ganz geschlossen. Die Entwicklungsabteilung wurde mehrmals zusammengestrichen und weitgehend mit der von Scania zusammengelegt.

MAN verspricht, dass es eine langfristige Beschäftigungssicherung bis 2035 geben soll. Zudem sollen alle deutschen Produktionsstandorte erhalten bleiben. Der IG Metall reicht das nicht. Um das Werk München zu stärken, habe man etwa angeboten, bis zu zwei Stunden mehr zu arbeiten, Sonderzahlungen auszusetzen und ab 2027 auf Tariferhöhungen zu verzichten. Das wiederum reicht MAN nicht.

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Auch Rivale Daimler Truck muss sparen. „Wir haben eine Kostenstruktur, die nicht mehr wettbewerbsfähig ist“, sagte Konzernchefin Karin Rådström. Die Mercedes-Benz-Abspaltung will bis 2030 ungefähr 5000 ihrer rund 35.500 Stellen in Deutschland streichen – eine ähnliche Quote wie nun bei MAN.

Erstpublikation: 20.11.2025, 16:24 Uhr.

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