Pharmakonzern: Roche will 50 Milliarden Dollar in den USA investieren
Düsseldorf. Der Schweizer Pharmakonzern Roche will in den kommenden fünf Jahren 50 Milliarden Dollar in den USA investieren. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Roche ist damit das vierte Pharmaunternehmen, das nach der Zollandrohung von US-Präsident Donald Trump auf Medikamente angekündigt hat, einen zweistelligen Milliardenbetrag in seine Produktion in den USA zu stecken.
Schon im März hatte der US-Pharmakonzern Eli Lilly bekannt gegeben, 27 Milliarden Dollar in dem Land zu investieren. Johnson & Johnson steckt mehr als 55 Milliarden Dollar in seinen Ausbau der US-Produktion. Und der Schweizer Roche-Konkurrent Novartis plant, dort 23 Milliarden Dollar auszugeben.
Bisher sind Arzneimittel von den US-Zöllen ausgenommen. Seit vergangener Woche läuft aber eine Untersuchung des Weißen Hauses, deren Ziel es ist, Arzneimittel unter einer speziellen Gesetzgebung mit Strafzöllen zu belegen – wie dies bereits mit Autos, Stahl und Aluminium geschehen ist.
Höchste Preise für Medikamente in den USA
Zuvor hatte Trump immer wieder mit Zöllen auf Arzneimittel gedroht, „wie sie die Welt noch nicht gesehen“ habe. In der Branche ist die Verunsicherung nach diesen Aussagen groß. Zuletzt hatten einige Pharmaunternehmen massenhaft Medikamente in die USA geflogen, um vorbereitet zu sein.
In den USA erzielen Pharmaunternehmen die mit Abstand höchsten Preise. Dementsprechend groß ist auch der Umsatzanteil dort: Roche etwa macht mehr als die Hälfte seiner Erlöse dort, Novartis zuletzt 42 Prozent. Auch die deutschen Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, Bayer und Merck sind auf das US-Geschäft angewiesen.
Trump will mit seinen Zöllen dafür sorgen, dass wieder mehr Medikamente in den USA produziert werden. Schaut man auf die Ankündigungen der großen Pharmaunternehmen, zeigt sich, dass das funktionieren könnte.
Novartis etwa könne mit der 23-Milliarden-Dollar-Investition „100 Prozent seiner wichtigsten Medikamente in den USA produzieren“, hieß es vom Unternehmen. Das sei eine deutliche Steigerung gegenüber dem aktuellen Niveau. Roche will mit den neuen und erweiterten Produktionskapazitäten mehr Medikamente aus den USA exportieren als importieren.
„Erhebliche Belastung“ für den Standort Europa
Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) warnte schon im März vor einer „erheblichen Belastung“ für den Standort Europa, wenn Investitionen durch die Zölle verstärkt in die USA gelenkt würden.
Eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte zeigte, dass die Pharmaexporte von Deutschland in die USA im schlimmsten Fall um 53 Prozent einbrechen könnten. Für Deutschland sind die USA der wichtigste Exportmarkt: 2024 ging ein Viertel aller deutschen Pharmaexporte in die USA. In Summe waren das 26 Milliarden Euro.
Zuletzt warnte auch der Bayer-Chef Bill Anderson im Interview mit dem Handelsblatt vor US-Zöllen auf Medikamente. Diese bedrohten die Forschungskraft der Branche. Gleichzeitig seien aber auch die niedrigen Medikamentenpreise in Europa eine Gefahr für den Pharmastandort.
„Die amerikanischen Verbraucher und Unternehmen finanzieren also Fortschritt und Innovation in der Medizin, wovon die ganze Welt profitiert“, sagte Anderson. Trump habe damit in der Zolldebatte um Arzneimittel ein „gewichtiges Argument“.
Auch Roche kritisiert immer wieder die Medikamentenpreissetzung speziell in Deutschland. Gegen ein Gesetz, das die Preise weiter senken soll, hatte Roche 2023 als erstes von vier Pharmaunternehmen Verfassungsbeschwerde eingereicht. „Das hat nichts mit verlässlichen Rahmenbedingungen und Planbarkeit zu tun“, sagte Daniel Steiners, Chef der deutschen Pharmasparte.
Roche schafft 12.000 neue Arbeitsplätze in den USA
Roche investiert die 50 Milliarden Dollar über die kommenden fünf Jahre sowohl in Standorte für die Forschung und Entwicklung, aber auch in den Neubau und die Erweiterung von Produktionsstandorten in den USA. Dazu gehört etwa eine Produktionsstätte für Gentherapien in Pennsylvania und eine für Medikamente gegen Übergewicht.
Insgesamt würden dadurch 12.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, darunter fast 6500 Jobs im Bau, hieß es vom Unternehmen. Der Konzern beschäftige in acht US-Bundesstaaten bereits mehr als 25.000 Mitarbeiter.
Mit Agenturmaterial von Reuters