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AuktionsvorberichtAnsprechendes Angebot in Köln

Viele langjährige Sammler schichten um. Das ist die Chance für Kunstfreunde mit größerem und kleinerem Budget, bei Lempertz und Van Ham Gebote abzugeben. Vorschau auf die Frühjahrsauktionen am Rhein.Susanne Schreiber 15.05.2024 - 10:47 Uhr

Düsseldorf. Im Mai und Juni fahren nationale und internationale Auktionshäuser auf, was Sammlerinnen und Sammler begehren und gern kaufen – wenn der Preis für sie stimmt. Bei den Frühjahrsauktionen heimischer Häuser 2024 fällt bei Durchsicht der Kataloge zu moderner und zeitgenössischer Kunst auf, dass in größerem Maß hochkarätige Kunstwerke zum Verkauf stehen.

Das dürfte damit zu tun haben, dass etliche Sammlungen altersbedingt verkleinert oder ganz abgestoßen werden. Die große Dichte von Privatsammlern im Rheinland, in Baden-Württemberg, Belgien und den Niederlanden hat schließlich auch Sotheby’s dazu bewogen, sein Deutschlandgeschäft mit einem repräsentativen Firmensitz in Köln zu revitalisieren.

Bei Lempertz stechen in der Versteigerung am 4. Juni 2024 in Köln gleich drei Gemälde heraus, die bei genügend Nachfrage die Millionenschwelle überspringen könnten. Da ist zum einen ein „Liegender Akt“ von Heinrich Campendonk aus dem Jahr 1918. Die großen Farbflächen sind nur noch andeutungsweise prismatisch gebrochen, die Rottöne leuchten intensiv. Mit dem Bild habe der Künstler den Tod seiner im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunde August Macke und Franz Marc verarbeitet, bemerkt der Katalog.

Seit den Fälschungen von Wolfgang Beltracchi achtet die Kunstcommunity besonders auf eine überprüfbare Herkunftsgeschichte bei Campendonk und anderen Künstlern. In diesem Fall ist Skepsis unbegründet, denn das extreme Querformat kommt aus der Familie Campendonk und war 20 Jahre lang in Museen öffentlich ausgestellt. Mit einer Schätzung von 700.000 bis 800.000 Euro ist es das am höchsten dotierte Bild bei Lempertz’ Hauptversteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst.

Mit einer Taxe von 700.000 Euro folgt ihm ein intensiv farbiger „Dahlienstrauß“ von Emil Nolde. Das Blumenbild von 1948 gehörte Jolante Nolde, der zweiten Ehefrau des Malers, die das Werk dem Brücke-Museum in Berlin geliehen hatte.

Für das dritte Spitzenlos, ein prachtvolles „Stillleben mit Pfeife“ von 1917, auf dessen Rückseite Hermann Max Pechstein auch noch einen Reigen von „Südsee“-Mädchen gemalt hat, erwartet Lempertz Gebote zwischen 600.000 und 800.000 Euro. Zuletzt wurden frühere Gemälde Pechsteins richtig teuer. Lempertz erlöste 2023 3,2 Millionen Euro für das kühne „Selbstbildnis liegend“. Und Mitbewerber Grisebach hatte das „Russische Ballett“ in Berlin für 2,4 Millionen Euro versteigern können.

Superstars unter sich: Jagger und Warhol

Aber auch weniger hoch angesetzte Bilder verdienen Aufmerksamkeit: Figurenbilder von Norbert Bisky und Jonas Burgert, Candida Höfers Fotos menschenleerer Räume oder Andy Warhols beliebte Porträts von Mick Jagger. Bei Lempertz wird für die signierte Serigrafie vom Frontmann der Rolling Stones en face, Exemplar 248 aus einer 250er-Auflage, ein Preis zwischen 80.000 und 120.000 Euro erwartet.

Ein anderes Motiv aus Warhols Porträtfotos vom lachenden Rocksänger bietet das gleichfalls in Köln beheimatete Auktionshaus Van Ham am 5. Juni an. Hier soll die unsignierte Farbserigrafie „Mick Jagger“ zwischen 80.000 und 100.000 Euro einspielen.

Van Ham kann in diesem Frühjahr gleich mit drei Nagelwerken von Günther Uecker auftrumpfen. Für die kreisrunde „Lichtscheibe“ von 1988 werden Gebote von 700.000 bis eine Million Euro erwartet. Das Nagelfeld „Weißer Wind“ ordnet das Chaos der für Uecker so charakteristischen Nägel kunstvoll. Es soll 300.000 bis 500.000 Euro bringen. Ein Lichtobjekt von 1966, das sich bewegen kann, wird bei 150.000 Euro aufgerufen.

Klaphecks ironische Maschinenbilder

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Ein anderes Schwergewicht bei Van Ham ist „Die Frau im Mann“, ein Maschinenbild des vor einem Jahr verstorbenen Konrad Klapheck. Das museale Großformat von 1990 stellt unter dem rätselhaften Titel eine Art Fantasie-Schreibmaschine dar. Mit 300.000 bis 500.000 Euro ist das Bild moderat geschätzt. Zuletzt konnte Mitbewerber Ketterer Klaphecks Motorradbild mit dem schönen Titel „Die Jagd nach Glück“ in München für 2,48 Millionen Euro versteigern.

Ein graues Gemälde von Gerhard Richter, allansichtige Stelen aus Edelstahl des Bildhauers Tony Cragg und ungegenständliche Kompositionen des Franzosen Serge Poliakoff warten auf entschlossene Bieter.

Wer über etwas weniger tiefe Taschen und ein fünfstelliges Budget verfügt, sollte den Katalog der Tagauktion am 6. Juni durchscrollen. Hier locken Passagen mit Werken von Otto Modersohn, Ernst Ludwig Kirchner oder die Sammlung des Unternehmers Frank Hense mit bemerkenswerten Arbeiten von Norbert Bisky, Cornelia Schleime und Gil Shachar.

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