Wochenend-NewsletterPolitik ist ein Kindergeburtstag, eingeladen sein ist alles

Dabei könnte man das viel erwachsener lösen. Außerdem: Als Paar richtig Finanzen regeln, Tom Hillenbrand und Deutschlands schlimmster Bahnhof – das Handelsblatt-Wochenende.Charlotte Morré 01.11.2024 - 07:22 Uhr

Liebe Leserin,
lieber Leser,

bevor ich Mutter wurde, hatte ich einige vage Ideen, was die Herausforderungen der Elternschaft angeht. Schlafentzug und unvorhersehbare Wutanfälle standen auf meiner Liste, von nervenaufreibenden WhatsApp-Gruppen hatte ich ebenfalls gehört. Völlig verdrängt hatte ich hingegen das Thema Kindergeburtstage.

Die Frage, welche und wie viele Kinder man zu so einer Feier einlädt, ist nämlich politisch. Das Kind muss am Ende mit einem Tornister voller bunter Einladungskarten in die Schule marschieren und sie selektiv verteilen – nur Wählen im Sport ist noch erniedrigender.

Die Regel „So viele Kinder wie Lebensjahre“ hat sich dabei meiner Wahrnehmung nach durchgesetzt. Am Ende muss das Kind wählen. Eventuelle Frustrationen anderer Eltern kann man dann weglächeln mit dem Verweis, es sei ja nicht die eigene Entscheidung gewesen.

Noch mehr überrascht als die Erkenntnis, dass Kindergeburtstage Politik sind, hat mich diese Woche, dass die Politik auch ein Kindergeburtstag ist. So wurde viel darüber berichtet, dass das Kanzleramt zu einem Wirtschaftsgipfel geladen hatte – ohne Wirtschafts- und Finanzminister. Woraufhin das Finanzministerium wiederum einen eigenen Gipfel veranstaltet hat. Zu dem durften dann alle kommen, die bei der anderen Party nicht eingeladen waren – außer der Wirtschaftsminister, der bekam gar keine Einladung.

Ich kann natürlich nachvollziehen, dass es verletzend ist, zu einer wichtigen Party nicht eingeladen worden zu sein. Man hätte den Konflikt aus meiner Sicht besser lösen können, wie ein Erwachsener.

Ich mache das immer so: Ich lade einfach alle ein, mit nicht allzu viel Vorlauf. Ab einem Alter von spätestens 35 löst sich das Problem dann ganz von selbst. Die Hälfte hat erst kommendes Jahr im Sommer einen freien Terminslot, ein Viertel sagt kurzfristig ab wegen Kind krank / selbst krank / Me-Time oder zu viel Arbeit. Mit den wenigen Übriggebliebenen wird es dann meistens aber eine gute Party.

Wenn dann einige Zeit später noch mal jemand nachfragt, wann denn die nächste Feier sei, man habe letztes Mal ja nicht gekonnt, kann man sich zurücklehnen und sagen: Jetzt sind wirklich mal die anderen dran. Der Wirtschaftsminister zum Beispiel.

Zu unseren zehn Text-Empfehlungen sind Sie übrigens alle eingeladen.

Haben Sie ein schönes Wochenende!

Ihre Charlotte Haunhorst

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