Fintech: Pliant sammelt 40 Millionen Dollar ein – für den Weg in die USA
Frankfurt. Das Berliner Finanz-Start-up Pliant sammelt weitere 40 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) von Investoren ein – unter anderem erneut von der Wagniskapitalsparte des US-Onlinebezahldiensts Paypal. Die frischen Mittel will der Spezialist für Firmenkreditkarten dazu nutzen, in die USA zu expandieren.
Firmenchef und Co-Gründer Malte Rau geht davon aus, dass Pliant Ende dieses Jahres die ersten Testtransaktionen in den USA ausführen wird. Dass Pliant trotz des Zollstreits jetzt sein Geschäft in den USA aufbauen will, begründete Rau mit den Wachstumschancen: „Die USA sind der weltweit größte Kreditkartenmarkt. Dieses Potenzial ist weiterhin gegeben“, sagte er dem Handelsblatt.
Der Pliant-Chef führt zwei Gründe für den geplanten US-Start an. „Wir haben zum einen Anfragen europäischer Kunden, ob wir Firmenkreditkarten auch für ihre US-Töchter anbieten können. Zum anderen gibt es Anfragen von US-Unternehmen mit Geschäft in Europa.“
Bisher haben nur wenige junge deutsche Finanztechnologiefirmen (Fintechs) den Sprung in die USA gewagt. Zu den Unternehmen mit US-Geschäft gehört die Einlagen- und Anlageplattform Raisin, vor allem bekannt durch ihre Angebote „Weltsparen“ und „Zinspilot“. Auch der Münchener Softwareanbieter Hawk, der kürzlich gut 50 Millionen Euro eingesammelt hat, will damit unter anderem in den USA weiter wachsen.
Gescheitert mit dem Aufbau des US-Geschäfts ist dagegen die Neobank N26. 2019 war N26 in den USA gestartet und zählte zwischenzeitlich sogar fast 500.000 Kunden. Ende 2021 entschied das Unternehmen, sich aus den USA zurückzuziehen. Die USA seien zwar noch immer ein interessanter Markt, aber es brauche dort „einen ganz klaren Fokus“, man sei dort nicht groß genug, um für Investoren interessant zu sein, hieß es damals.
Pliant strebt Profitabilität für 2027 an
Mit umgerechnet rund 35 Millionen Euro zählt Pliants Finanzierungsrunde zu den größeren in diesem Jahr. Laut dem Analysehaus Barkow Consulting haben 2024 bisher drei deutsche Fintechs mehr Geld eingesammelt – neben Hawk das Gesundheits-Fintech Nelly, das 50 Millionen Euro erhielt, sowie Solaris.
Solaris hatte im Februar 2025 sogar 140 Millionen Euro bekommen. Allerdings musste Solaris eine drastische Abwertung hinnehmen, die den Unternehmenswert von einst 1,6 Milliarden Euro auf unter 100 Millionen Euro einbrechen ließ.
Pliant wurde 2020 gegründet. Das Start-up hat nun insgesamt mehr als 100 Millionen Euro von Investoren erhalten. Zur Bewertung äußert es sich nicht. Die aktuelle Finanzierungsrunde wurde von Illuminate Financial und Speedinvest angeführt. Speedinvest ist unter anderem beim Krypto-Fintech Bitpanda investiert.
Das Fintech gibt Kreditkarten an Unternehmen aus, die deren Beschäftigte dann verwenden können. Dafür nutzt es eine sogenannte E-Geld-Lizenz aus Finnland und arbeitet mit dem US-Finanzkonzern Visa zusammen. Pliant hat rund 3500 Firmenkunden und arbeitet unter anderem für Jung von Matt, BMW und Check24.
Häufig geht es um virtuelle Karten, die auf dem Smartphone hinterlegt oder auch nur für eine Zahlung oder eine Anwendung geschaffen werden. Unter anderem die Commerzbank und die spanische BBVA kooperieren bei der Ausgabe von Kreditkarten für ihre Firmenkunden mit Pliant. Zu den Wettbewerbern gehören der US-Konzern American Express sowie Airplus. Lufthansa verkaufte Airplus im vergangenen Jahr an die schwedische Bank SEB.
In den vergangenen zwei Jahren ist Pliant deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg 2023 auf gut neun Millionen Euro und 2024 auf 22 Millionen Euro, was jeweils einem Plus von rund 140 Prozent entspricht. 2023 betrug der Verlust gut elf Millionen Euro, für das vergangene Jahr macht die Firma noch keine Angaben. Geplant ist Rau zufolge, dass Pliant im Jahr 2027 profitabel sein soll.
Derzeit hat Pliant 190 Angestellte, von denen 60 Prozent in Deutschland sitzen. Ende 2025 werde die Firma rund 250 Beschäftigte haben, wie Rau weiter sagte.
Erstpublikation: 28.04.2025, 04:12 Uhr.