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Börse am 5. MaiAcht Punkte, die für Anleger heute wichtig sind

Börsianer richten ihren Blick auf Karlsruhe. Das Bundesverfassungsgericht fällt ein wegweisendes Urteil über ein zentrales Instrument der Krisenpolitik der EZB. Sandra Schuffelen 05.05.2020 - 06:43 Uhr

Blick auf die Anzeige an der Frankfurter Börse.

Foto: dpa

Düsseldorf. Wird der Deutsche Aktienindex seine Talfahrt vom Vortag fortsetzen? Auf außerbörslichen Handelsplattformen notiert der Dax vorbörslich rund 1,4 Prozent im Plus.

Anleger und Börsianer werden heute vor allem nach Karlsruhe schauen, denn das Bundesverfassungsgericht verkündet sein Urteil zu den umstrittenen Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB). Es geht um die Frage, ob die massiven Anleihekäufe zulässig sind.

Die Entscheidung darüber hat möglicherweise gravierende Auswirkungen. Im Extremfall könnte das Bundesverfassungsgericht der Bundesbank Grenzen setzen für deren Beteiligung an den Anleihekaufprogrammen. Für diesen Fall rechnen viele Ökonomen mit starken Verwerfungen an den Märkten.

Außerdem beraten Bundesregierung und die Autobranche am Dienstag bei einem „Autogipfel“ über die schwierige Lage der deutschen Schlüsselindustrie in der Coronakrise. Die „Autoländer“ Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg wollen die schwache Nachfrage mit Kaufprämien für Autos wieder ankurbeln. Auch die Hersteller hoffen auf Hilfe vom Staat.

Speziell für VW-Aktionäre interessant: Im Dieselskandal verhandelt der Bundesgerichtshof am Dienstag erstmals über eine Klage gegen den Autobauer VW.

Bei den Dax-Werten richtet sich der Blick der Anleger unter anderem auf den deutschen Chiphersteller Infineon. Der Konzern erwartet infolge der Coronakrise einen Gewinneinbruch. Infineon macht einen Großteil seines Geschäfts mit der Autobranche, die infolge der Pandemie weltweit erlahmt ist.

1 – Vorgaben aus den USA

Die US-Börsen haben zum Wochenauftakt zugelegt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent fester bei 23.749 Punkten, nachdem er weite Teile des Handels im Minus gelegen und zwischenzeitlich rund 400 Stellen tiefer notiert hatte. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 0,3 Prozent auf 2839 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq um 1,2 Prozent auf 8710 Punkte.

Der Streit zwischen den USA und China über die Herkunft des Coronavirus und kritische Worte des Investors Warren Buffett über die Luftfahrtbranche hatten zunächst die Kurse belastet. Im späten Handel zogen aber Kursgewinne großer Tech-Unternehmen die Indizes ins Plus. Apple, Amazon und Facebook gewannen mehr als ein Prozent, Microsoft rund zwei Prozent.

2 – Vorgabe aus Asien

Die asiatischen Aktienmärkte sind am Dienstag infolge weltweiter Ankündigungen schrittweiser Lockerungsmaßnahmen in der Coronakrise im Plus in den Handel gestartet. „Der Markt kostet die Idee aus, dass sich die Dinge verbessern“, sagte Gene McGillian, Vize-Präsident des Marktforschungsinstitutes Tradition Energy in Connecticut.

Die Börse in Tokio blieb aufgrund eines Feiertags geschlossen. Die Börse in Schanghai lag 1,3 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen gewann 1,2 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 2,8 Prozent.

3 – Verfassungsrichter urteilen über Staatsanleihekäufe der EZB

Das Bundesverfassungsgericht verkündet am Dienstag sein Urteil zu den umstrittenen Staatsanleihekäufen der EZB. Zur Ankurbelung von Konjunktur und Inflation hat die Notenbank seit März 2015 rund 2,6 Billionen Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere gesteckt. In Karlsruhe geht es um das mit Abstand größte Teilprogramm PSPP. Im Raum steht der Verdacht, dass die EZB damit Staatsfinanzierung und Wirtschaftspolitik betreibt. Beides ist ihr verboten.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte das Programm im Dezember 2018 abgesegnet. Damit ist die Sache aber nicht entschieden. Die deutschen Verfassungsrichter, die die Käufe sehr kritisch sehen, könnten sich über das EuGH-Urteil hinwegsetzen. Im äußersten Fall dürfte sich die Deutsche Bundesbank nicht mehr beteiligen.

4 – Spitzentreffen mit der Autoindustrie im Kanzleramt

Politiker, Branchenvertreter und Gewerkschafter wollen bei dem Treffen über die Lage in der Industrie sprechen. Die Branche fordert Kaufprämien, um den Autoherstellern wieder auf die Beine zu helfen.

Erwartet werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Verkehrsminister Andreas Scheuer und Umweltministerin Svenja Schulze. Die Autobranche dringt auf Kaufanreize in der Coronakrise.

5 – Bundesgerichtshof verhandelt erstmals Diesel-Klage gegen VW

Im Dieselskandal verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) erstmals über eine Klage gegen den Autobauer VW. Damit ist der Rechtsstreit über Schadenersatz für manipulierte Dieselfahrzeuge in der höchsten Instanz angekommen.

Im konkreten Fall prüft der 6. Zivilsenat des BGH Forderungen eines Klägers aus Rheinland-Pfalz. Der Mann will seinen 2014 gekauften Gebrauchtwagen an Volkswagen zurückgeben und dafür den vollen Preis von rund 31.500 Euro erstattet haben. (Az. VI ZR 252/19). VW hält die Klage für unbegründet. Aus Sicht des Autobauers ist dem Käufer keinerlei Schaden entstanden.

6 – Lufthansa hält Aktionärstreffen virtuell ab

Bei der Lufthansa beginnt die wohl ungewöhnlichste Hauptversammlung der Geschichte. Statt in der Frankfurter Jahrhunderthalle findet die Veranstaltung im Internet statt. Grund sind Vorkehrungen gegen die Corona-Pandemie, die zuvor bereits das Geschäft des größten Luftverkehrskonzerns Europas nahezu zum Erliegen gebracht hat.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat Aktionäre und Mitarbeiter bereits vorab auf Einschnitte eingestimmt. Während die Eigentümer auf eine Dividende für das eigentlich erfolgreiche Geschäftsjahr 2019 verzichten sollen, droht der Gruppe mit etwa 130.000 Mitarbeitern ein Abbau von rund 10.000 Stellen und 100 Flugzeugen.

In Deutschland wartet das Unternehmen zudem weiterhin auf die präzise Ausgestaltung der geplanten Staatshilfen zwischen stillen Einlagen und direkter Beteiligung. Hier lesen Sie unseren Lufthansa-Bilanzcheck.

7 – Infineon erwartet Gewinneinbruch

Der Halbleiterkonzern Infineon erwartet infolge der Coronakrise einen Gewinneinbruch. Die Umsatzrendite werde in dem bis Ende September laufenden Geschäftsjahr auf zwölf Prozent schrumpfen, erklärte das Unternehmen am Montagabend in einer Pflichtmitteilung.

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Vorstandschef Reinhard Ploss lediglich durch den jüngsten milliardenschweren Zukauf ein leichtes Umsatzwachstum. Der Umsatz der bisherigen Konzernteile dürfte um fünf Prozent auf 7,6 Milliarden Euro zurückgehen. Infineon hatte bereits im März seine Jahresprognose einkassiert.

8 – Beiersdorf präsentiert Geschäftszahlen

Der Nivea-Hersteller ist mit seinen Produkten des täglichen Bedarfs – Cremes, Seife, Duschgel – weniger stark von der Coronakrise betroffen als andere Konzerne. Aber auch Beiersdorf hat bereits Anfang April mit Vorlage der vorläufigen Zahlen für das erste Quartal seine Prognose für 2020 kassiert.

Nun präsentieren die Hamburger endgültige Ergebnisse und Finanzvorständin Dessi Temperley wird mehr Details preisgeben. Es dürfte auch weitere Informationen zu Coronafolgen und Gegenmaßnahmen geben. Bereits auf der virtuellen Hauptversammlung vorige Woche hatte Beiersdorf von einem Sparpaket berichtet. Trotzdem hält Konzernchef Stefan De Loecker weiter Ausschau nach Übernahmekandidaten.

Termine Unternehmen am 5. Mai

  • 7 Uhr CHE: Adecco, Q1-Zahlen
  • 7 Uhr CHE: SIG, Q1-Umsatz
  • 7 Uhr, Deutschland: Fraport, Verkehrszahlen 18. KW
  • 7 Uhr, Deutschland: Hello Fresh, Q1-Zahlen
  • 7:00 Uhr, Deutschland: Grenke, Q1-Zahlen (detailliert) (Call 11.30 Uhr)
  • 7:00 Uhr, Deutschland: Siemens Healthineers, Q2-Zahlen (Call 10.00 Uhr)
  • 7:00 Uhr, Frankreich: BNP Paribas, Q1-Zahlen
  • 7:00 Uhr, Frankreich: Essilor Luxottica, Q1-Umsatz
  • 7:00 Uhr, Deutschland: Vonovia, Q1-Zahlen (Call 10.00 Uhr)
  • 7:00 Uhr, Deutschland: Hamborner Reit, Q1-Zahlen (Call 11.00 Uhr)
  • 7:30 Uhr, Deutschland: Hugo Boss, Q1-Zahlen
  • 7:30 Uhr, Deutschland: Pfeiffer Vacuum, Q1-Zahlen (detailliert)
  • 7:30 Uhr, Deutschland: Beiersdorf, Q1-Zahlen (detailliert) (Call 10.30 Uhr)
  • 8:00 Uhr, Deutschland: LPKF, Q1-Zahlen
  • 8:00 Uhr, Frankreich: Total, Q1-Zahlen
  • 10:00 Uhr, Deutschland: Lufthansa, Hauptversammlung (Online-Veranstaltung)
  • 10:00 Uhr, Deutschland: Comdirect, Hauptversammlung (Online-Veranstaltung)
  • 10:00 Uhr, Deutschland: Fuchs Petrolub, Hauptversammlung (Online-Veranstaltung)
  • 11:30 Uhr, Deutschland: Dussmann, Jahres-Pressekonferenz (online)
  • 12:00 Uhr, USA: Dupont de Nemours, Q1-Zahlen
  • 12:30 Uhr, Spanien: Endesa, Hauptversammlung
  • 13:00 Uhr, Großbritannien: Fiat-Chrysler Automobiles, Q1-Zahlen
  • 17:50 Uhr, Frankreich: Axa, Q1-Umsatz
  • 22:05 Uhr, USA: Walt Disney, Q2-Zahlen
  • 22:05 Uhr, USA: Mattel, Q1-Zahlen

Termine Unternehmen am 5. Mai (ohne Uhrzeit)

  • Deutschland: VDA / VdIK / KBA - Auto-Neuzulassungen 04/20
  • Dänemark: Vestas, Q1-Zahlen
  • Spanien: Repsol, Q1-Zahlen
  • Italien: Intesa Sanpaolo, Q1-Zahlen
  • USA: Activision Blizzard, Q1-Zahlen
  • USA: Electronic Arts, Inc, Q1-Zahlen
  • USA: Pinterest, Q1-Zahlen
  • USA: American Express, Hauptversammlung
  • USA: Beyond Meat, Q1-Zahlen

Termine Konjunktur am 5. Mai

  • 08:30 CHE: Verbraucherpreise 04/20
  • 9:00 Uhr Spanien: Arbeitslosenzahlen 04/20
  • 10:00 Uhr, Deutschland: Bundesverfassungsgericht verkündet Urteil zu milliardenschweren Staatsanleihenkäufen der Europäischen Zentralbank (EZB), Karlsruhe
  • 10:30 Uhr, Großbritannien: PMI Dienste 04/20 (endgültig)
  • 11:00 Uhr, Euro-Zone: Erzeugerpreise 03/20
  • 14:30 Uhr, USA: Handelsbilanz 03/20
  • 15:45 Uhr, USA: Markit PMI Dienste 04/20 (endgültig)
  • 16:00 Uhr, USA: ISM-Index Dienste 04/20
  • 22:30 Uhr, USA: API Ölbericht (Woche)
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Sonstige Termine am 5. Mai

  • 10:00 Uhr, Deutschland: Online-Veranstaltung der Deutschen Bundesbank „Covid-19 und die Auswirkungen auf die Banken in Deutschland“. Unter anderem mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann, dem Präsidenten der Finanzaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, dem Mitglied des EZB-Direktoriums, Yves Mersch, und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies.
  • 10:30 Uhr: Online-Pressekonferenz Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) zur Krise der Luftfahrtindustrie wegen der Corona-Pandemie
  • 11 Uhr: Digitale Jahrespressekonferenz Industrieverband Agrar

Mit Material von dpa und Reuters.

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