Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: Konjunkturhoffnungen geben US-Börsen Auftrieb – Dow Jones schließt 2 Prozent im Plus
Die Ergänzung des Unternehmensanleihen-Kaufprogramms der Federal Reserve soll den Märkten Auftrieb geben.
Foto: AFPDüsseldorf. Die Hoffnung auf eine rasche Belebung der Wirtschaft und ein Erfolg bei der Suche nach einem Medikament gegen die durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 haben US-Anleger am Dienstag aus der Deckung gelockt. Der Dow Jones schloss zwei Prozent höher auf 26.289 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,8 Prozent auf 9895 Punkte vor.
Der breit gefasste S&P 500 legte 1,9 Prozent auf 3124 Punkte zu. „Wir hatten Einzelhandelsdaten, die den Investoren das Zeichen geben, dass die Lage besser ist als zunächst angenommen“, sagte Andre Bakhos, Direktor bei der Fondsgesellschaft New Vines Capital.
Die Erlöse der Einzelhändler schnellten im Mai um 17,7 Prozent nach oben, das ist das bislang stärkste Umsatzplus, weil US-Amerikaner nach der mehrwöchigen Zwangspause in die Läden zurückströmten. Damit ist zwar nur ein Teil der Verluste der Vormonate aufgeholt. Dennoch legten sich Investoren die Aktien von Handelsfirmen in die Depots: Die Titel von Nordstrom, Macy's und Kohl's schnellten um bis zu 12,9 Prozent nach oben.
Die Coronakrise hat den US-Arbeitsmarkt schwer getroffen und Millionen Menschen den Job gekostet. Der Chef der Notenbank Fed, Jerome Powell, zeigte sich vor Abgeordneten aber zuversichtlich, dass das Schlimmste überstanden sei und die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen werden.
Allerdings sei es noch ein langer Weg zur Normalität, und wahrscheinlich seien weitere Konjunkturhilfen von Regierung und Notenbank nötig, sagte er. Einem Bericht zufolge arbeitet die US-Regierung derzeit an einem Infrastrukturpaket mit einem Volumen von fast einer Billion Dollar.
Zudem kauft die Fed Unternehmensanleihen, um die Firmen mit Liquidität zu versorgen. Dazu kommen Hoffnungen auf ein Gegenmittel gegen das Coronavirus: Einer britischen Studie zufolge senkt ein Entzündungshemmer die Sterberate bei schwer erkrankten und beatmeten Covid-19-Patienten. Wissenschaftler sehen das Mittel Dexamethason als „Durchbruch“ an.
Die zuletzt spürbaren Sorgen vor einer zweiten Virus-Infektionswelle gingen jedoch nicht vergessen. So verwiesen Börsianer auf neue Infektionszahlen aus Florida und die in Peking ausgerufene zweithöchste Gefahrenstufe als Grund, warum der Dow unter seinem Tageshoch aus dem Handel ging. In der Spitze hatte er mehr als drei Prozent gewonnen.
Blick auf die Einzelwerte
Bei den Einzelwerten gehörten die Aktien des Pharmakonzerns Eli Lilly zu den Gewinnern: Ein Erfolg des Brustkrebsmittels Verzenio bei einer klinischen Studie kommt bei den Aktionären an. Die Aktien spangen fast 16 Prozent in die Höhe. Das Medikament wird zur Behandlung bestimmter Brustkrebstypen eingesetzt. In der Studie zeigte sich, dass es auch eine Rückkehr des Krebses verhindern kann. „Wenn man davon ausgeht, dass es bei 40 bis 50 Prozent der besonders gefährdeten Patientinnen zur Prävention eingesetzt wird, entspricht das einem Umsatzplus von etwa zwei Milliarden Dollar“, sagte JPMorgan-Analyst Chris Schott.
Die Spekulation über das US-Billionenpaket ließ weltweit die Baustoffwerte steigen – auch in New York, wo die Papiere des Baumaschinenherstellers Caterpillar an der Dow-Spitze um 5,3 Prozent anzogen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf Kreise berichtete, soll dem vorläufigen Entwurf zufolge das meiste Geld in klassische Infrastrukturprojekte wie Straßen oder Brücken fließen.
Im Blick standen außerdem die Apple-Aktien, weil die EU-Kommission den iPhone-Hersteller wegen möglicher Wettbewerbsverzerrungen ins Visier nimmt. Die Aktie bewegte sich aber davon unbeeindruckt mit 2,7 Prozent im Plus.
Dem Marktanstieg hinterher hinkte die 0,4 Prozent höhere Aktie von McDonalds. Die Corona-Pandemie hinterlässt bei dem Fast-Food-Giganten tiefe Spuren, wie ein weltweiter Erlösrückgang in den vergangenen zwei Monaten zeigt. Allerdings macht die jüngste Entwicklung etwas Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden ist.
Ein Verlierer waren die 1,7 Prozent schwächeren Aktien von T-Mobile US. Jüngste Spekulationen bewahrheiteten sich: Der japanische Mischkonzern Softbank kündigte an, seinen Anteil an der US-Tochter der Deutschen Telekom verringern zu wollen.