Dax aktuell: Dax schließt 1,6 Prozent im Plus – Verfallstag treibt offenbar den Dax nach oben
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt hat sich von dem Kurseinbruch am Donnerstag erholt: Der Dax hat am Freitag 1,6 Prozent auf 12.910 Punkte zugelegt.
Am Donnerstag hatte der Leitindex noch 2,5 Prozent verloren und bei 12.703 Zählern geschlossen. Das Tagestief lag mit 12.600 Zählern mehr als 400 Punkte niedriger als der Vortagesschluss. Das war der stärkste Rückgang seit gut drei Wochen.
Die deutlichen Kursgewinne zur Mittagszeit könnten mit dem kleinen Verfallstag am Freitag zusammenhängen. Dabei enden im Tagesverlauf Optionen auf Indizes und einzelne Aktien.
Gegen 13 Uhr sind die Dax-Optionen verfallen, fünf Minuten später die auf den Nebenwerte-Index MDax. Zu diesem Termin schwanken die Aktienkurse manchmal stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.
Mit einem Abrechnungskurs um die Marke von rund 12.800 Punkten für den deutschen Leitindex waren wohl die meisten Marktteilnehmer zufrieden.
Mehr Einfluss hatte aber der große Verfallstag, umgangssprachlich Hexensabbat genannt, der alle drei Monate stattfindet. Dabei verfallen zusätzlich Optionen auf Terminkontrakte.
Einen positiven Einfluss hatten auch Konjunkturdaten aus den USA. Denn die Konsumlust der Amerikaner hält auch im Juli an. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 1,2 Prozent nach 8,4 Prozent im Vormonat. Zwar hatten Volkswirte mit einem Plus von 1,9 Prozent gerechnet, doch der Dax stieg nach den Daten weiter.
„Die Einzelhandelsumsätze zeigten im Juli Anzeichen einer Verlangsamung, was unsere Besorgnis unterstreicht, dass der Rebound an Momentum verliert“, sagte Diane Swonk, Chefökonomin bei Grant Thornton, in einer Notiz.
„Wir gehen dennoch davon aus, dass die Verbraucherausgaben im dritten Quartal robust ausfallen werden, selbst wenn wir im August etwas an Schwung verlieren“, fügte sie hinzu.
Anleger stellen sich aber die Frage: Wie weit kann diese Korrektur nach den hohen Kursverlusten vom Donnerstag noch gehen? Vom Corona-Hoch, dem höchsten Stand seit dem Crash Mitte März, hat der deutsche Leitindex bislang rund sieben Prozent verloren. Dieses Corona-Hoch markierte die Frankfurter Benchmark Anfang September mit 13.460 Zählern. Laut Markttechnik gelten Verluste von mehr als zehn Prozent als Korrektur, ein Einbruch um mehr als 20 Prozent als Bärenmarkt.
Trotz der deutlichen Verluste von zwischenzeitlich mehr als 400 Punkten wurde am Donnerstag nicht der Tiefpunkt der Korrektur seit Anfang September erreicht. Am 2. Oktober rutschte der Leitindex auf 12.540 Zähler ab. Solange diese Marke nicht unterschritten wird, hat sich an der Lage einer Rally seit Mitte März trotz einer aktuellen Korrektur nichts verändert.
Dennoch ist es fraglich, ob der Leitindex wieder schnell in den Angriffsmodus schaltet und ein neues Corona-Rekordhoch erreicht. Am Freitag war Erholung angesagt. Denn laut einer Anlegerumfrage der Börse Frankfurt herrscht im Bereich von 12.700 sowie 12.750 Punkten wieder Kaufinteresse. Das stützte den Dax zum Ende der Handelswoche.
Corona ist back – so lautete vielfach die Begründung für den Kurseinbruch am Donnerstag. Die Nachricht war wirklich keine Überraschung, doch ein Blick auf einige sogenannte Corona-Verliereraktien ergab kein schönes Bild. So sind die Lufthansa-Aktien bereits unter das Crash-Niveau von Mitte März dieses Jahres gerutscht, auch beim Flughafenbetreiber Fraport sah es nicht viel besser aus.
Doch den Hedgefonds reicht dieser erneute Kurseinbruch des Airline-Papiers auf 6,84 Euro, den der Titel Ende September erreichte, immer noch nicht aus. Sie setzten bei dem Anteilsschein, der zum Börsenschluss mit einem Minus von o,1 Prozent bei 7,556 Euro gehandelt wurde, auf weiter fallende Kurse.
Laut den offiziellen Daten des „Bundesanzeigers“ beträgt die Leerverkaufsquote aktuell (Stand 14. Oktober) immer noch 7,7 Prozent aller frei handelbaren Lufthansa-Papiere, insgesamt 44,18 Millionen Stück. Allerdings wird dort nur eine Quote von mindestens 0,5 Prozent veröffentlicht. Zu Hoch-Zeiten lag dieser Wert bei mehr als zehn Prozent.
Leerverkäufer spekulieren auf fallende Kurse, indem sie sich Aktien eines Unternehmens beispielsweise bei Investmentfonds leihen und dann verkaufen. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist wieder zurückzugeben, müssen sie sie vorher zurückkaufen – natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs.
Blick auf Einzelwerte
Daimler: Der Autobauer hat nach eigenen Angaben eine schnellere Markterholung erlebt als erwartet und insbesondere im September eine starke Geschäftsentwicklung verzeichnet. Dazu wirkten sich die strikte Disziplin bei den Kosten und die übrigen Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz aus. Auch für den Rest des Jahres erwarte man nun positive Effekte – vorausgesetzt, es komme zu keinem weiteren Corona-Lockdown. Nach den deutlichen Verlusten am Vortag führte die Daimler-Aktie am Freitag die Dax-Gewinnerliste mit einem Plus von 5,5 Prozent an.
Siemens Healthineers: Die Aktionäre des US-Medizinkonzerns Varian finden das Angebot der Siemens Healthineers angemessen. Für die Siemens-Tochter nimmt damit die größte Übernahme seit dem Börsengang im Jahr 2018 immer konkretere Formen an. Zustimmen müssen allerdings noch die Kartellbehörden. Die Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals hatten die Märkte zuletzt schlecht aufgenommen. Die Aktie des möglichen Dax-Anwärters stieg um 0,8 Prozent.
Thyssen-Krupp: Der britische Konzern Liberty Steel will sich die schwächelnde Stahlsparte von Thyssen-Krupp schnappen. Die Gewerkschaft geht jedoch gegen einen Verkauf auf die Barrikaden. An der Börse freute man sich über das Angebot: Das Thyssen-Krupp-Papier stieg zur Eröffnung um mehr als 20 Prozent, zum Börsenschluss beträgt das Plus noch elf Prozent. Von der Übernahmefantasie profitierte auch Branchenwettbewerber Salzgitter mit einem Aufschlag von knapp sechs Prozent; für die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co ging es um knapp fünf Prozent nach oben.
Hellofresh: Die Aktien des Kochboxen-Anbieters zogen an und notierten 6,9 Prozent fester. Das Unternehmen stellt für das dritte Quartal einen Umsatz und Betriebsgewinn deutlich über den Markterwartungen in Aussicht und hob seine Prognose für das Gesamtjahr an.
Blick auf andere Assetklassen
Der Anleihemarkt beruhigte sich etwas. Am Donnerstag war die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zeitweise unter minus 0,636 Prozent gesunken und damit auf das niedrigste Niveau seit Mitte März. Im Gegenzug wurden am Donnerstag die Anleihen von südeuropäischen Ländern verkauft.
Am Freitag stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen wieder auf aktuell minus 0,02 Prozent.
Doch die Renditedifferenz (Spread) zu vergleichbaren Staatsanleihen aus südeuropäischen Ländern blieb weiterhin auf dem hohen Niveau vom Donnerstag. Gegenüber Griechenland lag dieser Wert bei 139,9 Basispunkten, gegenüber Italien bei 127,4 Basispunkten.
Die Coronavirus-Sorgen zeigten sich auch am Rohstoffmarkt: Die Verschärfung der Pandemie-Restriktionen mit Ausgangsbeschränkungen könnte die Erdölnachfrage dämpfen, warnt Lachlan Shaw, Chef-Rohstoffanalyst der National Australia Bank. Gleichzeitig komme immer mehr libysches Öl auf den Markt. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich daher um 0,4 Prozent auf 43 Dollar je Barrel.
Was die Charttechnik sagt
Mit dem gestrigen Kursrutsch hat der deutsche Leitindex gleich mehrere Unterstützungen durchbrochen. Unter anderem auch die 55-Tageslinie, die den mittelfristigen Trend vorgibt. Diese Linie liegt aktuell bei 12.907 Zählern. Aus dieser Unterstützung ist nun ein wichtiger Widerstand geworden, den es zu überwinden gilt.
Dazu passt die neue aufgerissene Abwärtskurslücke, deren oberes Ende bei 12.975 Punkten liegt. Solche Abwärtskurslücken entstehen, wenn der tiefste Punkt eines Handelstags über der höchsten Notierung des Folgetags liegt.
Laut Chartanalyse gilt dies als wichtiger Widerstand. Im konkreten Fall wäre dieser überwunden, wenn der Dax über 12.975 Zähler klettern würde.
Anleger sollten aber zunächst Richtung Unterseite blicken. Laut den technischen Analysten der Bank HSBC liegt im Bereich von 12.500 Zählern eine wichtige Unterstützung, bei 12.540 Zählern das Tief dieser Korrektur seit Anfang September.
Würden auch diese beiden Marken durchbrochen, könnte es doch noch zum Test der um 12.160 Punkte verlaufenden 200-Tage-Linie kommen.
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