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Bundestagswahl 2021CDU schickt Laschet ins Rennen ums Kanzleramt – wofür der Mann vom Rhein steht

Armin Laschet soll der erste Kanzlerkandidat von CDU und CSU nach der 16-jährigen Merkel-Ära werden. Was das Land von dem CDU-Chef als Kanzler zu erwarten hätte.Daniel Delhaes 13.04.2021 - 03:52 Uhr Artikel anhören

Der CDU-Chef will Kanzler werden.

Foto: dpa

Berlin. Er wollte „um Vertrauen bitten“ – und er erhielt es unmissverständlich und einstimmig: Die Präsidiumsmitglieder der CDU, zu denen auch die Ministerpräsidenten gehören, Landesvorsitzende, Fraktionschef Ralph Brinkhaus, sogar Kanzlerin Angela Merkel sowie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und ohnehin die vier stellvertretenden Parteivorsitzenden waren eigens persönlich nach Berlin angereist, um sich für Armin Laschet als ihren Favoriten als Kanzlerkandidat auszusprechen. Und auch der Vorstand votierte klar für ihn. Der Chef der Senioren-Union, Otto Wulff, habe dem Bergmannssohn Laschet ein „Glück auf“ gewünscht.

Damit steht nach monatelangem Hin und Her fest: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und seit Januar gewählte CDU-Vorsitzende Laschet wird die Union als erster Kandidat nach 16 Jahren Angela Merkel in den Bundestagswahlkampf führen und der Partei auch inhaltlich seinen Stempel aufdrücken. Die CSU mit Markus Söder wird sich wohl fügen müssen.

Doch wofür steht der Mann vom Rhein? Fest steht: Es liegt viel im Argen, zu sehr zeigt sich in der Krise der Reformbedarf im Land. Inhaltliche Pflöcke Richtung Bundestagswahlkampf sind dringend nötig, um dem Umfragetief (nur noch 27 Prozent wollen der Union derzeit ihre Stimme geben) zu entfliehen.

Laschet muss die Volkspartei in der Breite abdecken

Seit 2017 regiert der Aachener Nordrhein-Westfalen und hat sich zur Aufgabe gemacht, das Industrieland in die Zukunft zu führen. Ähnlich wie in Düsseldorf dürfte ein Kanzler Laschet in Berlin vorgehen – angefangen bei dem Plan, auch im Bund ein Digitalministerium zu gründen.

Doch Laschet, der rheinische Kapitalist, verdeutlicht vor allem im Umgang mit Industrieunternehmen wie Thyssen-Krupp, wie er tickt. Der Sohn eines Bergarbeiters weiß, welche Rolle die Stahlindustrie für sein Bundesland Nordrhein-Westfalen spielt, dass sie nicht nur 50.000 Arbeitsplätze sichert, sondern auch mit jeder produzierten Tonne Stahl 1,7 Tonnen Kohlendioxid in die Luft pustet. 2050 sollen es nur noch 0,0 Tonnen sein – CO2, nicht Stahl.

Die Frage nach der Zukunft der Stahlproduktion in Deutschland hält Laschet für die Schlüsselfrage schlechthin. Die Antwort darauf offenbart, was die Deutschen von ihm zu erwarten haben, sollte er tatsächlich der sechste Kanzler der Union und der neunte der Bundesrepublik Deutschland werden: Er wird die Klimaneutralität in der Industrie vorantreiben.

Gefragt nach seiner „großen politischen Idee“ nennt der Rheinländer die Soziale Marktwirtschaft „ergänzt um das Ökologische“ und setzt hinzu: „Klimaschutzziele erreichen, trotzdem Arbeitsplätze und Industrie sichern.“ Für ihn ist es „eine Riesenaufgabe, eine Riesenidee, die in dieser Form zusammengeführt nur die CDU vertritt“.

Er will die industrielle Basis erhalten und setzt dazu auf Hightech. In der Stahlindustrie sieht er „gigantische Chancen bei der Wasserstofftechnologie“.

Klimaschutz und Industriepolitik

Erst kürzlich hatte sich in der Partei die „Klimaunion“ gegründet, die den Klimaschutz stärker als bislang vorantreiben will, aber ebenso mit Industrie und Wirtschaft versöhnen. Es gilt auch in diesem Spektrum Wähler zurückzugewinnen. Laschet nennt den Klimaschutz meist gleich nach Corona.

Notleidenden Unternehmen wie Thyssen-Krupp aber will Laschet auch helfen. Nur wie? Der Staat sei „nicht der bessere Unternehmer“, sagt Laschet. Deshalb hält er auch nichts von Verstaatlichungen. Vielmehr will Laschet den Rahmen dafür schaffen, dass Industrie und Klimaschutz zusammenpassen. Im Land mit den heute schon höchsten Energiepreisen keine einfache Aufgabe.

Wenn er von seiner ökologischen Industriepolitik redet, blitzt jenes Progressive in ihm auf, das ihn in der Vergangenheit bereits begleitet hat: Als junger Bundestagsabgeordnete erwärmte er sich 1994 als einer der Ersten aus der Union für die Grünen. Heute ist er 60 Jahre alt, ein Kind der Krönungs- und Reichsstadt Aachen im Herzen Europas und selbst Vater von drei Kindern.

Er war der erste Integrationsminister des bevölkerungsreichsten Bundeslandes und erhielt den Spitznamen „Türken-Armin“. Was mancher als Schimpfwort sehen mag, beschreibt indes auch seine Fähigkeit, Menschen und Positionen zusammenzubringen. In Zeiten der sich auflösenden Volksparteien keine unwichtige Fähigkeit und ein Plus im Duell mit CSU-Chef Markus Söder.

Insofern trauen ihm viele zu, dass er in der Lage ist, eine neue CDU zu denken, inhaltlich wie personell.

Der Grünen-Politiker gilt als guter Freund Laschets.

Foto: dpa

Auch der Grüne und Freund der Familie Laschet, Cem Özdemir, hat ihn bereits 1994 aufgeschlossen erlebt und schätzt ihn heute noch dafür. „Wir waren eine Art Thinktank“, erinnert sich der Grüne an die Zeit der „Pizza-Connection“, jenes schwarz-grünen Schnupperkurses. Und doch weiß auch Özdemir, dass Laschet deswegen noch kein Grüner ist: „In der Industriepolitik kann man jetzt nicht sagen, dass er ein Öko ist. Wenn Armin kann, dann regiert er mit der FDP.“

Grüne wie Liberale loben Laschet

Und so sind es in der Tat die Liberalen, die den Ministerpräsidenten prägen. Mit ihnen regiert er, wegen ihnen vertrat er als einer der wenigen einen liberalen Kurs in der Coronapolitik, auch wenn es eigentlich ein ureigener Kurs der Union gewesen wäre und dies in diesen Tagen nicht mehr ganz so sicher war angesichts seiner Forderung nach einem „Brücken-Lockdown“. Aber Laschet weiß, um die Bedeutung der Liberalen, deren Einzug in den Bundestag darüber entscheidet, ob es eine linke geben wird – oder eben doch eine bürgerliche Mehrheit im Land möglich ist.

Laschet wirbt wie die Liberalen dafür, das Land grundlegend zu reformieren, zu entbürokratisieren und damit wieder neue Freiheit und Innovationen zu ermöglichen. In Nordrhein-Westfalen nannte er das Vorhaben „Entfesselungspaket“.

Laschet respektiert auch Meinungen abseits der Mehrheit. Wie einst Helmut Kohl gibt er auch kleinen Partnern Raum, um sich zu profilieren – woraus sogar Freundschaften entstehen. „Er ist bei aller Härte des Geschäfts selbst in schwierigen Situationen sehr verbindlich im Umgang“, lobt der Liberale Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Innovationsminister im Kabinett Laschet.

„Volksparteiler durch und durch“

„Er repräsentiert die Partei in der ganzen Breite“, sagen Wegbegleiter. Unternehmer würden sagen, Laschet sei „wirtschaftsfreundlich“, Kirchenvertreter würden sagen, er sei „ein guter Katholik und im besten Wortsinn konservativ“, Gewerkschafter sähen in ihm einen „christlich Sozialen“. Özdemir sagt: „Er ist Volksparteiler durch und durch.“

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Darüber hinaus führt Laschet die Partei ebenso wie einst Kohl: Er gratuliert Kreisvorsitzenden zur Wiederwahl schriftlich mit ein paar privaten Zeilen. Die vergangenen Wochen telefonierte er auf allen Ebenen. Während Merkel es versäumt hat, die Breite der Partei abzudecken, legt Laschet großen Wert darauf.

Er weiß warum: Ohne den Rückhalt der Basis in den 15 Landesverbänden wäre es nicht möglich gewesen, gegen den Chef des lautstarken 16. Landesverbandes, der CSU, gegen deren Chef Markus Söder im Rennen um die Kanzlerkandidatur zu bestehen.

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