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Buch „Dark Towers“ zum 150. Jubiläum Eine Abrechnung mit der Deutschen Bank – per Buch

„Dark Towers“ heißt das Buch des „New York Times“-Journalisten David Enrich. Es belastet nicht nur das Geldhaus, sondern auch Regulierer und Politiker.
17.02.2020 - 19:45 Uhr Kommentieren
Abrechnung mit der Deutschen Bank – per Buch Quelle: Bloomberg
Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt

Das Geldhaus war in nahezu alle großen Finanzskandale seit der Finanzkrise verstrickt.

(Foto: Bloomberg)

New York, Frankfurt Ein Jahr nach der Finanzkrise in den USA war bei der Deutschen Bank von Vorsicht keine Spur. Auf einer Konferenz in Rom wurde den Risikomanagern des Frankfurter Instituts klargemacht: „Sie müssen den Wertpapierhändlern schon einen gewissen Raum zum Zocken lassen. Andernfalls muss die Bank schrumpfen und bräuchte dann auch weniger Risikomanager.“ So beschreibt New-York-Times Journalist David Enrich in seinem Buch „Dark Towers“ die Haltung der damaligen Topmanager des größten heimischen Geldhauses.

Whistleblower, die vor den Gefahren dieser Strategie warnten, wie der Risikomanager Eric Ben-Artzi, wurden abgesägt. Er hatte sich anfangs noch über den damaligen Chef seiner Abteilung, Hugo Bänziger, gewundert. Der hatte auf die Frage, wie die Bank mit den vielen Nachfragen der Behörden umgeht, „die verfluchten Regulierer“ noch verspottet. Die Bank, die zumindest auf den ersten Blick vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gekommen war, setzte gerade an der Wall Street weiter auf große Wetten und große Gewinne, egal zu welchem Preis.

Das Buch von Enrich liefert passend zum 150. Jubiläum der Deutschen Bank einen schonungslosen Blick auf die Schicksalsjahre der Bank, in der die Investmentbanker und Händler an der Wall Street und in London auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren. 85 Prozent der Gewinne fuhr die Investmentbank damals ein und die Banker ließen sich von keinem Risikomanager und keinem Aufseher bremsen, auch weil der damalige Vorstandschef Josef Ackermann zur großen Profitjagd geblasen hatte.

25 Prozent Rendite auf das Eigenkapital wollte er erzielen, einen Wert, den selbst der frühere Deutschlandchef von Goldman Sachs Alexander Dibelius für völlig überzogen hielt.

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    Egal ob Zinsmanipulationen, Geldwäsche in Russland, milliardenschwere Wetten auf den Immobilienmarkt in den USA und windige Kredite an einen berüchtigten Immobilienunternehmer namens Donald Trump – die Deutsche Bank war in beinahe alle großen Finanzskandale involviert. Entsprechend hoch fielen die Strafen aus, die zu einer immer größeren Bedrohung für die Zukunft der Bank wurden.

    Für sein Buch hat Enrich mit über 200 ehemaligen und aktuellen Deutsch-Bankern gesprochen, und seine Rechercheergebnisse auf 370 Seiten destilliert. Das Ganze als Enthüllungsbuch zu bezeichnen, wäre wohl übertrieben. Doch gerade wenn es um das Verhältnis der Deutschen Bank zu Donald Trump geht, hat er wichtige neue Details aufgearbeitet, die er in den vergangenen Monaten bereits vereinzelt in der „New York Times“ veröffentlicht hatte.

    Wer aber nach einem konzisen Abriss vor allem der jüngeren Geschichte der Deutschen Bank sucht, und wer sich an pikanten Details zu im Großen und Ganzen bereits bekannten Missetaten und Irrtümern erfreut, für den dürfte sich „Dark Towers“ lohnen.

    Spannend ist die Geschichte im bewährten „Fly on the Wall“-Stil allemal aufgeschrieben: Genau wie Andrew Ross Sorkin in seinem Standardwerk „Too big to Fail“ über die Entstehung der Finanzkrise gibt Enrich dem Leser das Gefühl, mit dabei zu sein, wenn die Topmanager in Frankfurt, London oder New York ihre oftmals so verhängnisvollen (Fehl-)Entscheidungen treffen.

    Besonders genau hat Enrich die Umstände eines der finstersten Kapitel in der jüngsten Geschichte der Bank untersucht: Den Selbstmord von Bill Broeksmit, einem Verbündeten von Star-Investmentbanker Edson Mitchell, der zuletzt im Verwaltungsrat der früheren US-Tochter saß, in der sowohl verhängnisvolle Transaktionen mit Russland als auch die umstrittenen Kredite an Donald Trump verbucht wurden. Der Tod des Managers zeigt, welche menschlichen Tragödien die tiefe Krise der Frankfurter Großbank ausgelöst hat.

    Bad Books

    Das am Mittwoch in den USA und Großbritannien erscheinende Buch kommt für das neue Führungsteam um Vorstandschef Christian Sewing zu einer Zeit, in der sich das krisengeschüttelte Institut lieber mit der Zukunft als mit der schwierigen Vergangenheit beschäftigen würde. Zuletzt hatte die Bank eine Reihe von positiven Nachrichten zu vermelden: Der angesehene US-Investor Capital Group stieg als neuer Großaktionär ein.

    Das Investmentbanking hat sich nach großen Umbaumaßnahmen stabilisiert, die Kernkapitalquote ist höher als zunächst angenommen, was die Angst vor einer weiteren Kapitalerhöhung erst einmal zerstreut hat. An der Börse erlebt die Aktie seit Jahresbeginn einen dringend benötigten Höhenflug, auch wenn sie immer noch 90 Prozent von ihrem Allzeithoch entfernt ist.

    Doch „Dark Towers“ wird die Bank gerade in den USA erneut in die Schlagzeilen bringen, und das macht die Bank nervös. „Dark Towers“ ist nicht das einzige Buch, das in den kommenden Wochen auf den Markt kommt. Ein weiteres wurde von einem Historiker geschrieben, der die jüngere Vergangenheit der Bank aufgearbeitet hat. Ein drittes stammt von einem ehemaligen Mitarbeiter.

    Die Bank selbst hat ihre Mitarbeiter in einem internen Memo auf die bevorstehenden Veröffentlichungen vorbereitet und ihnen Argumente an die Hand gegeben, um auf kritische Fragen von Kunden und anderen Interessensgruppen vorbereitet zu sein. „Einige der Bücher könnten über die Fakten hinausgehen in den Bereich extremer Mutmaßungen und Spekulationen“, warnt die Presseabteilung die Mitarbeiter.

    „Dark Towers“ rückt aber nicht nur die Deutsche Bank sondern auch ihre Kontrolleure wie die US-Notenbank Federal Reserve in ein schlechtes Licht. „Jeder in der Fed muss dieses Buch lesen und sich eine simple Frage stellen: Warum wurde diese Bank nicht zugemacht?“, kommentiert der unabhängige Bankenanalyst Chris Whalen. Zumindest das US-Geschäft hätten die Aufseher dicht machen sollen, glaubt er. Doch auch die deutsche Regierung, die europäischen Regulierer und die Aufseher der Bank hätten nach Meinung des Experten mehr tun müssen.

    2013 stieg der Druck auf die Deutsche Bank merklich an. Enrich zitiert aus einem internen Report der Bank, wonach das Geldhaus in diesem Jahr von Januar bis August im Schnitt eine Anfrage pro Stunde von den Regulierern bekommen hatte. „Der Rest des Jahres lässt nicht darauf schließen, dass das Interesse der Regulierer abnehmen wird“, warnte der Bericht. Gerade die Fed hatte ihren Ton verschärft und drängte die Bank, die vielen Mängel zu beheben.

    Vor allem die Verlässlichkeit der Daten sahen die US-Aufseher als Problem, was unter anderem auf die veralteten Systeme der Bank zurückzuführen war. In der Ära Ackermann, der die Bank bis 2012 führte, verzichteten die Frankfurter regelmäßig auf wichtige Investitionen in Technologie und Compliance, um die ehrgeizigen Renditeziele nicht zu gefährden.

    Machtübernahme der Investmentbanker

    Aber die Probleme können nicht Ackermann alleine angelastet werden. Bereits der moralische Übervater der Bank, der von den Terroristen der RAF ermordete frühere Vorstandschef Alfred Herrhausen, hatte den Einstieg ins Investmentbanking vorbereitet, den seine Nachfolger Hilmar Kopper und Rolf Breuer mit den Übernahmen von Morgan Grenfell in London und Bankers Trust in New York vollendeten. Spätestens als der „Regenmacher“ Edson Mitchell mit seinen Getreuen (darunter auch der spätere Vorstandschef Anshu Jain) von Merrill Lynch zur Deutschen Bank wechselte, war die Machtübernahme der Investmentbanker vorgezeichnet.

    Mitchell und seine Kollegen fanden laut Enrich ein Paradies vor: Eine Bank mit einer riesigen Bilanz, die sie für ihre Geschäfte nutzen konnten mit einem naiven bis fahrlässigen Topmanagement, das die neuen Kollegen gewähren ließ, solange die Rendite stimmte.

    Dunkle Kapitel gab es allerdings auch in der älteren Geschichte der Bank. Enrich beschreibt die Naziflaggen bei der Mitarbeiterversammlung 1933 und die Rolle, die das Frankfurter Geldhaus bei der Arisierung der deutschen Wirtschaft spielte. Die Deutsche Bank war an der Finanzierung des Konzentrationslagers Auschwitz beteiligt, auch wenn Enrich einräumt, dass es keine Beweise dafür gibt, dass der damalige Vorstand und spätere Vorstandssprecher Hermann Josef Abs vom Genozid an den Juden wusste. Abs war auch kein Mitglied der NSDAP. Allerdings glaubt der „New York Times“-Journalist, dass es „nicht vorstellbar ist, dass er komplett ahnungslos“ war, was die Gräueltaten der Nazis angeht.

    Risikokunde Donald Trump

    Auch die amerikanischen Politiker werden sich für das neue Buch interessieren. Schließlich gehört US-Präsident Trump schon seit Jahrzehnten zu den Kunden des Frankfurter Instituts und Enrich schildert in vielen Details, wie verschiedene Teile der Bank den Immobilienunternehmer immer wieder mit neuen Krediten versorgten, auch dann noch, als kein anderes Wall-Street-Haus mit ihm Geschäfte machen wollte. Ob die Deutsche Bank Trumps Finanzunterlagen herausgeben muss, wird in den kommenden Monaten vom Obersten Gerichtshof entschieden.

    Das demokratisch geführte Repräsentantenhaus versucht seit über einem Jahr die Bank zur Herausgabe der Daten zu bewegen, doch Trump konnte das bisher durch immer neue Klagen verhindern. Er ist der erste Präsident, der seine Steuerunterlagen nicht veröffentlicht hat. Gleich zwei Ausschüsse wollen daher durch die Unterlagen Informationen über Trumps Geschäfte im Ausland erhalten.

    Besonders pikant: Die Privatbank gewährte Trump 2011 einen 48 Millionen Dollar schweren Kredit, damit er einen anderen Kredit der Investmentbank zurückzahlen konnte. Drei Jahre zuvor hatte Trump die Deutsche Bank verklagt, weil sie die Finanzkrise mit verursacht habe und der Immobilienunternehmer daher seine Kredite nicht zurückzahlen konnte. „Wieso zur Hölle vergeben wir eigentlich Kredite an so einen Typen?“ wird der damalige Chef-Justiziar Dick Walker in dem Buch zitiert.

    Enrich zieht ein düsteres Fazit: „Nach Jahren der Sorglosigkeit, Gier, Hybris, Unsittlichkeit und Kriminalität, die von den dunklen Türmen ausströmten, hat sich die Bank selbst zerstört.“ Es liegt nun an Christian Sewing zu zeigen, dass sie sich davon erholen kann.

    Mehr: Hat der Deutsche-Bank-Vorstand eine variable Vergütung verdient? Diese Frage spaltet Unternehmer und Investoren. Einige fordern Demut, andere zeigen Verständnis.

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