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  5. US-Börsen setzen Talfahrt ungebremst fort – Anleihenrun setzt Banken zu

Dow Jones, Nasdaq, S&P 500US-Börsen beenden nervenaufreibende Woche mit Verlusten – Anleihenrun belastet Bankaktien

Der Dow kann seine Verluste gegen Ende des Handelstages eindämmen. Doch auch unerwartet gute US-Arbeitsmarktdaten können die Indizes kaum stützen. Vor allem Bank-Aktien geraten unter Druck.Tom Körkemeier, Katharina Kort 06.03.2020 - 23:15 Uhr aktualisiert

New York, Düsseldorf. Die Angst vor einem weltweiten Konjunkturabschwung wegen der Coronavirus-Epidemie hat auch die US-Börsen trotz überraschend starker Arbeitsmarktdaten erneut belastet. „Die Nerven bei den Anlegern liegen blank“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC.

Im späten Handel konnten die wichtigsten Börsenindizes ihre Kursverluste von teilweise um die vier Prozent aber noch etwas eindämmen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss rund ein Prozent tiefer auf 25.864 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 1,9 Prozent auf 8575 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 1,7 Prozent auf 2972 Punkte ein. In Frankfurt schloss der Dax 3,4 Prozent tiefer bei 11.541 Punkten.

Die Aktien von Banken gerieten an der Wall Street unter Druck, während die Rendite der zehnjährigen US-Bonds ein Rekordtief von 0,66 Prozent erreichte. Die Anleihen gelten Investoren als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten. Die Panik halte die Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks immer stärker in Atem, sagte Anleihe-Experte Elmar Völker von der LBBW. „Die Anleger 'hamstern' in dieser Situation alles, was Sicherheit im Falle einer sich weiter verschärfenden Krise verspricht.“

Das wiederum belastete die Titel der Geldhäuser, die an Zinsgeschäften verdienen. Die Papiere der Bank of America, Citigroup und JPMorgan verloren bis zu 5,2 Prozent.

Die unerwartet guten Daten vom US-Arbeitsmarkt konnten die Kurse kaum stabilisieren, da die Zahlen sich nur auf die Zeit bis Mitte Februar bezogen, bevor sich das Coronavirus immer schneller ausbreitete. So wurden im Vormonat 273.000 neue Stellen in den USA registriert. Analysten hatten mit rund 100.000 neuen Arbeitsplätzen weniger gerechnet.

Vor dem Hintergrund der sich rasch ausbreitenden Virus-Epidemie rechnen Börsianer dennoch mit einer weiteren Zinssenkung der Fed bei der regulären Sitzung am 18. März. „Eigentlich sollten solche Daten im Vordergrund stehen, aber heute dominiert die Risikobewertung an den Börsen“, sagte Marktexperte John Doyle vom Vermögensverwalter Tempus. Der Einfluss des Virus auf die Konjunktur werde außerdem frühestens im April wirklich sichtbar werden, ergänzte Rob Mangrelli vom Finanzberater Chatham Financial.

Die überraschend deutliche Zinssenkung der Notenbank Federal Reserve in dieser Woche war an den Märkten verpufft. Der US-Kongress verabschiedete diese Woche ein Gesetz, mit dem 8,3 Milliarden Dollar im Kampf gegen das Virus zur Verfügung gestellt werden sollen. Aber auch diese Maßnahme zeigte an den Börsen bisher keine Wirkung.

Einzelwerte im Fokus

Ungeachtet der Arbeitsmarktdaten warfen viele Investoren ihre US-Aktien aus den Depots. Vor allem Reisekonzerne standen einmal mehr auf den Verkaufslisten: Für die Anteile von Kreuzfahrt-Anbietern wie Royal Caribbean sowie Carnival ging es mit minus 1,2 Prozent und minus 2,6 Prozent spürbar abwärts. Neuen Meldungen zufolge wurden auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Nil zwölf Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Aktien von Fluggesellschaften stabilisierten sich. Nachdem es am Vortag zum Teil prozentual zweistellig bergab ging und Mehrjahrestiefs erreicht wurden, legten die Anteile von United Airlines um ein Prozent zu und die von Delta Air Lines um zwei Prozent.

Unabhängig vom Virus setzten die am Vortag bereits mächtig unter Druck geratenen Aktien von Cypress Semiconductor ihre Talfahrt mit knapp 15 Prozent fort. Die geplante Übernahme durch Infineon könnte auf der Kippe stehen. Insidern zufolge stößt der deutsche Chipkonzern auf Bedenken der Regulierungsbehörde CFIUS. Grund seien Sorgen, dass durch den Deal eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA bestehen könnte.

Am US-Rentenmarkt stiegen richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen um 1 Punkt und 28/32 Punkte auf 107 14/32 Punkte und rentierten mit 0,72 Prozent. Damit hat sich die Rendite der als weltweit wichtigste Schuldtitel geltenden Bonds in gerade einmal zwei Wochen halbiert.

Der Euro gab im US-Handelsverlauf einen Teil seiner Gewinne wieder ab und kostete zum Börsenschluss an der Wall Street 1,1303 US-Dollar. Zeitweise war die Gemeinschaftswährung zuvor bis auf 1,1355 Dollar gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit vergangenen Juli erreicht. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag in Frankfurt auf 1,1336 (Donnerstag: 1,1187) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8821 (0,8939) Euro.

Nervenaufreibende Woche geht zu Ende

Damit endet eine aufregende Woche. Es waren starke Nerven gefragt: Nach einer schlimmen Vorwoche waren die Aktien am Montag in Erwartung der Zinssenkungen rasant nach oben geschossen. Der US-Leitindex Dow Jones hatte am Montag mehr als fünf Prozent zugelegt, der technologielastige Nasdaq stieg um 4,5 Prozent.

Doch als dann die Fed am Dienstag tatsächlich überraschend die Zinsen um einen halben Prozent gesenkt hatte, verpuffte die Wirkung sehr schnell. Die Corona-Angst hatte die Anleger fest im Griff und ließ die Kurse an der Wall Street und an der Nasdaq um knapp drei Prozent nach unten rutschen.

Am Mittwoch ging es dann vor allem dank der demokratischen Vorwahlen wieder kräftig bergauf: Die Investoren waren erleichtert, dass der moderate Kandidat Joe Biden deutlich besser abgeschnittenen hat als der Wall-Street-feindlichere Bernie Sanders. Dow Jones und Nasdaq legten beide um knapp drei Prozent zu.

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Doch die Freude war nur von kurzer Dauer: Am Donnerstag und Freitag dominierte auch wegen der immer mehr werdenden Fälle in den USA die Angst vor einer Epidemie die Börsen. Damit geht eine der volatilsten Wochen zu Ende. Ingesamt schloss der Dow Jones die Woche mit einem ganz kleinen Plus von 250 Punkten ab.

Mit Material von Reuters.

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