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Kommentar Viele Unternehmensführer werden von Treibern zu Getriebenen

Staat und Gesellschaft stellen massive Forderungen an Unternehmen. Manager haben darauf bislang keine Antwort. Es sind neue Typen an der Spitze gefragt.
20.01.2020 - 17:39 Uhr Kommentieren
Der Konzern hält an dem umstrittenen Auftrag aus Australien fest – und zieht damit den Frust von Demonstranten auf sich. Quelle: AFP
Demonstration gegen Siemens in München

Der Konzern hält an dem umstrittenen Auftrag aus Australien fest – und zieht damit den Frust von Demonstranten auf sich.

(Foto: AFP)

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf Donald Trump treffen, ist groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der amerikanische Präsident für das interessiert, was die jungen Damen aus Europa zu sagen haben, ist dagegen sehr klein.

Zu unterschiedlich sind die Welten, in denen Trump und Thunberg leben. Zu gegensätzlich die Meinungen zum Klimawandel. Es dürfte nicht einmal zu einem Händedruck kommen.

Joe Kaeser, Chef des Technologiekonzerns Siemens, hat diesen Händedruck gewagt, allerdings zweifelhaften Ruhm damit erworben. War das Treffen mit Neubauer nun ein gigantischer PR-Flop, weil von vornherein klar sein musste, dass Siemens an dem umstrittenen Auftrag in Australien festhalten, die Aktivistin aber auf Vertragsbruch bestehen würde? Oder war es ein geschickter Schachzug, sich mit Kritikern an einen Tisch zu setzen und guten Willen zu demonstrieren?

Klar ist allenfalls: Unternehmer und Manager wie Kaeser werden künftig immer häufiger in solche Situationen geraten. Staat und Gesellschaft bedrängen sie immer stärker, dieses zu tun, jenes zu lassen. Viele Unternehmensführer haben keine Antworten darauf. Sie werden vom Treiber zum Getriebenen.

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    Gerade erst hatten sie sich daran gewöhnen müssen, dass ihnen die Pensionsfonds, Investoren und Stimmrechtsvertreter im Nacken sitzen. Die fordern mehr Rendite ein, mahnen klare strategische Konzepte an oder verlangen neues Personal.

    Nun melden sich mit Klimaaktivisten auch die anderen Stakeholder, die Vorständen wie Aufsichtsräten bislang meist fremd geblieben sind. Initiativen wie Fridays for Future gehen dabei gezielt und professionell vor. Sie greifen sich – wie im Fall Siemens gesehen – einzelne Firmen heraus und klagen an.

    Gelernt haben sie offenbar von den Shareholder-Aktivisten, den aggressiven Investoren. Die arbeiten schon seit Jahren nach diesem Prinzip: Schwachstelle identifizieren, Mitkämpfer aktivieren, Management attackieren. Funktioniert nicht immer, aber das Zielobjekt ist in der Regel derart überrumpelt, dass es zu spät oder falsch reagiert und sich auf diese Weise in prekäre Situationen manövriert. Wenige Unternehmen sind wirklich gut auf solche Investorenattacken vorbereitet.

    Gesellschaftliche Interessengruppen haben es sogar noch leichter. Denn die von ihnen identifizierten Schwachstellen sind eine Frage der Perspektive. Auch hier liefert Siemens ein Lehrstück. Ein Achtzehn-Millionen-Euro-Auftrag ist nun wirklich nicht essenziell für einen Konzern wie Siemens.

    Und: Ob sich die Münchener nun am Bau der Bahnstrecke beteiligen oder nicht, das würde die umstrittene Kohlemine nicht verhindern. Aber darauf kommt es nicht an. Die Signaltechnik für eine Bahnlinie zum Kohletransport ist Symbol genug, um einen Weltkonzern in seiner Hilflosigkeit vorzuführen.

    Moderatoren sind gefragt

    Dabei gäbe es noch ganz andere Firmen, die aus Sicht eines Klimakämpfers Schwachpunkte hätten, Thyssen-Krupp als Lieferant von Schaufelradbaggern etwa oder Mittelständler, die Untertage-Bergbautechnik herstellen. Auch ein Produzent von Flugzeugsitzen könnte Ziel der nächsten Attacke sein.

    Es sei einfach, Dinge zu fordern, für die Konsequenzen aber keine Verantwortung zu tragen, sagt dazu Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef der gleichnamigen Familienfirma. Das ist richtig. Trotzdem bleibt Unternehmern wie Managern keine Wahl.

    Wer in Zukunft seine Strategie nur an Märkten und Investoren ausrichtet, der dürfte nicht weit kommen. Dritte Säule der Entscheidungsfindung werden ohne Zweifel gesellschaftliche Strömungen sein. Und da steht derzeit der Klimaschutz an erster Stelle.

    Die Kunst wird nun darin bestehen, gesellschaftliche Forderungen und unternehmerische Notwendigkeiten miteinander zu verbinden. Und die alles entscheidende Frage wird sein: Wer im Management beherrscht diese Kunst?

    Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat sich weltweit die Zahl der Vorstandsvorsitzenden mit Finanzhintergrund in 20 Jahren vervierfacht. Das mag Aktionäre beruhigen und dem wachsenden Druck von Finanzinvestoren geschuldet sein.

    Dass Controller und Finanzer allerdings die richtigen Führungskräfte sind, um das wirklich schwierige Verhältnis mit der Öko- oder Menschenrechtslobby auszutarieren, das darf bezweifelt werden. Da gelten andere Gesetze als Renditen und Wachstumsraten. Jetzt sind Moderatoren gefragt.

    Denn die Unternehmen stehen vor einem Umbau, wie sie ihn bislang noch nicht erlebt haben. Es geht nicht mehr nur um Vertriebs- oder Produktionsoptimierung, Kostensenkung oder digitale Steuerung. Es geht um Geschäftsmodelle, die jenseits der Business-Community akzeptiert werden. Dafür werden CEOs gesucht, die ihre Vorstandsetagen verlassen und auch bereit sind, das wirkliche Leben draußen zu treffen. In Davos treffen sie es übrigens nicht.

    Mehr: Umwelt- und Klimaschützer sind zur mächtigen außerparlamentarischen Opposition aufgestiegen. Wie können Unternehmen wie Siemens oder RWE reagieren?

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