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Morning BriefingBidens Kraftanstrengung in Kalifornien: Gouverneur Newsom hält sich im Amt

Hans-Jürgen Jakobs 15.09.2021 - 06:39 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zum Stresstest für US-Präsident Joe Biden wurden die Vorgänge in Kalifornien, einer Hochburg seiner Demokraten. Dort endete in der Nacht ein von den Republikanern bewirktes Abwahlverfahren gegen den demokratischen Gouverneur Gavin Newsom.

Nach US-Medienberichten konnte Newsom das Misstrauensvotum abwehren. „Ich bin demütig und dankbar für die Millionen und Abermillionen von Kaliforniern, die von ihrem grundlegenden Wahlrecht Gebrauch gemacht haben“, sagte er in seiner Siegesrede am Dienstagabend in der Bundessstaats-Hauptstadt Sacramento.

Die Ergebnisse hätten möglicherweise auch die Zwischenwahlen im kommenden Jahr beeinflussen, wenn es um die Kontrolle des Kongresses geht. Die Mobilisierung des eigenen Lagers durch Auftritte von Biden, Vorgänger Barack Obama und Vizepräsidentin Kamala Harris war aber offenbar hilfreich.

Die Republikaner hatten argumentiert, der Gouverneur scheitere bei der illegalen Migration und verlange zu hohe Steuern. Als Alternative standen 46 Kandidaten zur Auswahl, darunter auch Radiomoderator Larry Elder: Er hat den menschengemachten Klimawandel bestritten sowie Polizisten verteidigt, die schwarze Amerikaner erschossen haben.

Foto: DEEPOL by plainpicture

In den Zeiten, als die Globalisierung noch ihre Unschuld hatte, war die Erfolgsformel einfach: je globaler, desto billiger, desto besser. Der Brexit, geopolitische Muskelspiele der Supermächte sowie die Pandemie haben jedoch Konzernen und Staaten das Risiko dieses Systems nahegebracht, das einfach die Lehre des alten Freihändlers David Ricardo zu perfektionieren schien. Die aktuelle Folge: Knappheiten bei Materialien und Rohstoffen – ein Wachstumshindernis.

Nun bauen Konzerne mit einer „3R“-Strategie ihre anfällig gewordenen Lieferketten um: mit Redesign, Recycling und Regionalisierung. Daimler zum Beispiel wolle „die künftige Verfügbarkeit von Materialien von Beginn an mitdenken“, sagt uns Vorstand Markus Schäfer. Der Warenhandel werde sich entschleunigen, kommentiert Gabriel Felbermayr, Chef des Instituts für Weltwirtschaft: „Wir erleben eine neue Globalisierung.“

Foto: dpa

Teil eins war das Event. In seiner eindrucksvollen PR-Reihe zwecks Wahlwiederauferstehung hatte Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet am Montag den Bürgern das Hellblaue vom Himmel versprochen.

Die Rakete „Sofortprogramm“ mit Steuererleichterungen wurde gezündet. Teil zwei ist nun das Überreichen der Rechnung. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelt, nüchtern wie Ökonomen so sind, ein Kostenvolumen von zehn Milliarden Euro.

ZEW-Forscher Sebastian Siegloch: „Die Vorschläge der Union kommen Familien zugute. Allerdings sind sie auch kostspielig.“ Wenn die Sprache auf die Finanzierbarkeit solcher Goodies kommt, plant die Union, das im Falle des Wahlsiegs eintreffende Wirtschaftswachstum zu besteuern. Ein höheres Wesen, das wir verehren, muss Parteimitglied sein.

Den Wahlkampfspruch des Tages landete übrigens gestern Abend CDU-Zukunftsteammitglied Friedrich Merz bei „Markus Lanz“: „Annalena Baerbock mag vom Völkerrecht kommen, vom Urheberrecht kommt sie sicher nicht.“ Er tritt heute in Stuttgart mit Laschet auf, der in der Schlussphase des Wahlkampfs auch noch Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel bekommt.

Die Union motiviert sich mit dem Projekt, Umfragefavorit Olaf Scholz doch noch abzufangen. Diese Story wäre für die CDU/CSU in diesem Wahlkampf der kurzen Narrative doch noch ein Happy End.

Von der Vergangenheit der 28-jährigen Journalistin Nemi El-Hassan wusste man bisher nichts. Jetzt weiß man nach einem „Bild“-Bericht, dass sie 2014 an einem israelfeindlichen Al-Quds-Marsch in Berlin teilnahm und ein Jahr später im Video der Bundeszentrale für politische Bildung darüber redete, „Dschihad“ sei zum „Symbol der Missinterpretation“ verkommen. Die Demo-Teilnahme hält sie heute für einen Fehler, die Dschihad-Aussage wiederum sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Der WDR entschloss sich dennoch, El-Hassan erst mal nicht die bekannte Wissenssendung „Quarks“ moderieren zu lassen. „Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer“, erklärt der Sender, „es wiegt aber auch schwer, einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren.“ Nun sei eine „sorgfältige Prüfung“ geboten. Sowohl der WDR als auch die verhinderte Moderatorin erklären, Antisemitismus strikt abzulehnen. Es soll übrigens auch namhafte Springer-Journalisten geben, die in ihrer Jugend bei nicht gerade gewaltarmen Demonstrationen gegen Axel Springer mitmachten und dennoch auf die Payroll kamen.

Foto: dpa

Vor Jahren noch war der FC Barcelona die Elite-Bruderschaft des europäischen Fußballs. Doch nun spielt man in Katalonien nicht mehr den Gegner schwindelig, sondern gerät selbst aus dem Gleichgewicht – sportlich wie ökonomisch. Gestern Abend gingen die Spanier in der Champions League mit 0:3 gegen den FC Bayern München unter, und auch in der Bilanz offenbaren sich große Lücken, wie unsere Analyse zeigt.

Mit dem hohen Verkaufserlös von 220 Millionen Euro für den Stürmer Neymar hatte der Klub das eigene Lohngefüge so sehr inflationiert, dass fast 1,5 Milliarden Euro Schulden aufliefen. Stars wie Messi mussten weg.

Zwar ist der Umsatz mit 708 Millionen noch stark, das Ergebnis von minus 100 Millionen aber ein Debakel. „Sportlicher Erfolg birgt häufig die Gefahr einer erheblichen finanziellen Belastung, weil die Spieler hohe Gehaltszulagen und Boni fordern“, analysiert Ludwig Hierl, Professor für Externes Rechnungswesen in Heilbronn. Immerhin springe nun Goldman Sachs der Traditionsmarke mit einem Großkredit bei – die Aktion Sanierung läuft an.

Foto: RATISBONA

Seine erste Parteispende überhaupt hat der Immobilienchef Sebastian Schels geleistet – 250.000 Euro für die Grünen. Damit ist man in der Wirtschaft Außenseiter. Aber der aus einer traditionsreichen Unternehmerfamilie stammende 40-Jährige traut der Ökopartei am ehesten zu, ökologische Maßnahmen zur Zukunftssicherung zu ergreifen. Auch kontert er den Vorwurf, die Grünen gängelten Firmen: „Ich bin in erster Linie Mensch, in zweiter Linie Unternehmer, in dritter Linie Immobilienunternehmer.“

Momentan rollten mehrere Tsunamis auf uns zu, „eine Naturkatastrophe in Zeitlupe“, sagt er unserer Redaktion. Die Natur zu erhalten sei profitabler, als sie zu zerstören. Auch für die eigene Branche fordert Schels radikales Umdenken, die heutigen „Wegwerf-Immobilien“ würden beweisen: „Wir haben das Bauen in den letzten Jahren verlernt. Unsere Großeltern und Vorfahren haben noch kreislauffähig und für Generationen gebaut.“

Und dann ist da noch US-Milliardär Jared Isaacman, 38, Weltraum-Fan seit Kindertagen, der am Mittwochabend amerikanischer Ortszeit ins All abhebt. Als Pilot steuert er das für schätzungsweise 200 Millionen Dollar gecharterte „Dragon“-Raumschiff.

Mit ihm fliegen eine Arzthelferin, eine Geologieprofessorin und ein zweifacher Vater, der für einen Freund einspringt. Drei Tage lang will das Quartett die Erde umkreisen, das sei die „erste nur mit Laien besetzte Mission in die Erdumlaufbahn“, jubelt die Raumfahrtfirma SpaceX über „Inspiration4“.

Mit dem Himmelfahrtskommando will Ober-Laie Isaacman nach eigenen Angaben Geld für ein Kinderkrankenhaus in Memphis sammeln. Nach Richard Branson und Amazon-Gründer Jeff Bezos ist er der dritte Milliardär, der innerhalb kurzer Zeit als Raumfahrttourist is All fliegt.

Der Erkenntnisgewinn dürfte alles in allem gering sein, denn von Heinrich Heine wissen wir ja: „Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.“

Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Tag, mit oder ohne hochfliegenden Plänen.

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Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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