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Morning Briefing Das dritte Patt in Israel

03.03.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zwei Wochen vor seinem Korruptionsprozess kann Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Wahlerfolg feiern. Seine Likud-Partei schaffte etwa 37 Mandate, Rivale Benny Gantz mit dem Mitte-Bündnis Blau-Weiß kam dagegen nur auf vermutlich 33 Mandate. Der Ministerpräsident erklärte sich flugs zum Sieger. Doch auch bei der dritten Parlamentswahl innerhalb eines Jahres sind keine klaren Verhältnisse geschaffen worden. Dem rechts-religiösen Lager Netanjahus fehlt insgesamt ein Sitz zum Regieren: Selbst eine hohe Wahlbeteiligung ändert nichts am politischen Patt im Staate Israel.

Quelle: AFP
Friedrich Merz: „Wir können Euch hier nicht aufnehmen!“
(Foto: AFP)

Die Abteilung Finanzen der CDU kann sich freuen: Eine langwierige, teure Roadshow der drei Kandidaten für den Parteivorsitz entfällt. Die Volkspartei a.D. hat sich statt für eine Überlandtournee für drei Townhall-Runden mit den Bewerbern entschieden. Via Internet sind die Mitglieder dabei und können auch Fragen stellen. In der Türkei-Flüchtlingsfrage kommt Friedrich Merz dem selbst gemachten Versprechen, von der AfD en masse Wähler abzuziehen, mit seiner Warnung vor Kontrollverlust nach: „Wir können Euch hier nicht aufnehmen!“. Der Mann von Blackrock will das EU-Türkei-Abkommen finanziell nachbessern, Rivale Norbert Röttgen möchte es gleich ganz neu auflegen. Und Armin Laschet, der unerklärte Favorit? Der redet aktuell lieber darüber, dass Migranten nicht für den Antisemitismus in Deutschland verantwortlich seien: Der sei ja nicht eingewandert, „er war immer da“.

Mona Lisa lächelt nicht mehr, jedenfalls nicht für kulturbeflissene Paris-Besucher. Der Louvre bleibt zu. Die anderen Aktualitäten im Casus Coronavirus: Italien und Deutschland melden starke Anstiege der Fallzahlen, auch die Handwerksmesse in München ist abgesagt. Schon lässt die Logik des Moments die EU die SARS-CoV-2-Krise neu bewerten: Sie erblickt nun ein „moderates bis hohes Risiko“. Die OECD wiederum befürchtet eine Halbierung der Wachstumsrate der globalen Weltwirtschaft, in Deutschland sei nur noch ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent zu erwarten, in Italien sogar Stagnation. Von „zerstörten Gewinn-Hoffnungen“ handelt unser Titelkomplex. Man solle die Ereignisse nun mal nicht mit den Augen, sondern mit dem Kopf verfolgen, riet André Kostolany: „Oft ist es sogar an der Börse besser, die Augen zu schließen.“

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    Ungewöhnliche Mangelmeldungen kommen übrigens aus den Baumärkten, dem Selbstverwirklichungsparadies der Deutschen, dem Volk der Schrauber und Schweißer. Mundschutz, Atemmasken, Desinfektionsmittel, Gummistiefel, Ganzkörperanzüge – alles ausverkauft in einzelnen Unternehmen. Wer in diesen Tagen also in einem dieser Do-it-yourself-Zentren auftaucht, muss Mut zur Lücke beweisen. Immerhin ging es gestern an der US-Börse wieder aufwärts, der S&P 500 sprang um 4,6 Prozent – wichtige Notenbanker hatten avisiert, an einer Telefonkonferenz von sieben Finanzministern teilzunehmen. Die Börsianer glauben deshalb an eine Zinssenkung durch die amerikanische Zentralbank Fed.

    Für Handelsblatt-Leser sind alle Berichte über das C-Virus offenbar Pflichtlektüre. Wir merken, wie sehr Sie dieses Thema berührt, wie es in das Leben eingreift. Deshalb wollen wir Ihnen in den kommenden Tagen, jeweils zur Mittagszeit, die neuesten Entwicklungen in einem Handelsblatt-Corona-Newsletter präsentieren. Hier können Sie sich für das kostenlose Briefing anmelden.

    Quelle: Bloomberg/Getty Images
    Die Fischer erhoffen sich vom Brexit eine gerechtere Verteilung der Fangquoten.
    (Foto: Bloomberg/Getty Images)

    Einen Besuch bei den Fischern von Cornwall machte Korrespondent Carsten Volkery. Was er da wieder und wieder hörte war allgemeines Wehklagen über die besser ausgerüsteten französischen Kollegen mit ihren größeren Booten, die sehr nahe an die Küste dürften. Was auch deutlich wurde war die Hoffnung des „kleinen Mannes“ auf Premier Boris Johnson bei den in dieser Woche beginnenden Handelsgesprächen mit der EU. Die durchweg älteren Fischer von Cornwall hoffen auf eine Renaissance ihres Geschäfts. Wenn Johnson nachgäbe, „wäre das eine nationale Schande“, sagte einer. Aber man brauche andererseits auch die offene Grenze zur EU, denn 75 Prozent des britischen Fischs werden auf den Kontinent exportiert: „Die Briten essen nicht so viel Fisch.“

    „Wir schaffen das Unmögliche nicht, weil wir es erst gar nicht versuchen“ – ein Schlüsselsatz des Aachener Produktionsprofessors Günther Schuh. Er hat das Unmögliche mit dem E-Transporter Streetscooter versucht, an dem die Deutsche Post DHL sogar die Mehrheit übernahm – und dessen Produktion der Bonner Konzern nun einstellt. Was Schuh in einem lesenswerten Handelsblatt-Gastkommentar rekapituliert, ist die Null-ouvert-Performance eines Globalkonzerns: „Der externe Vertrieb wurde drei Jahre gestoppt, die Internationalisierung auch, das geplante Re-Engineering-Programm ebenso, normale Beschaffungen wurden verschleppt, das Management wurde rausgeschmissen, Amateure wurden eingesetzt, die Bestellungen der eigenen Post-Flotte minimiert, jegliche Verbesserung wurde verboten.“ Für dieses Amateurwesen gibt es ein einfaches Wort: Missmanagement.

    Ob jemand Idol ist oder „the biggest loser“, hängt von den Launen der Zeit und dem Zeitgeschmack ab. Jack Welch, 20 Jahre CEO-Leuchtgestalt bei General Electric (GE), war mit seiner darwinistischen Shareholder-Logik und einem unermüdlichen Konglomerat-Fimmel der Held einer vergangenen Epoche. Heute zerschlägt man solche Gebilde lieber und preist Stakeholder-Kapitalismus – und der Respekt schwindet automatisch für einen, der Gewinne und Kurse für eine dubiose Finanztochter und Jobkürzungen hochjazzte. Das relativiert auch seine Rekordabfindung von 417 Millionen Dollar von 2001. Welch, der nun im Alter von 84 Jahren an Nierenversagen starb, hinterlässt ein Leben voller Rekordzahlen und Spruchweisheiten, wovon „fix it, close it or sell it“ die bekannteste ist, gefolgt von: „Beherrsche dein eigenes Schicksal oder jemand anderes wird es tun.“

    Quelle: dpa
    Björn Höckes Kandidatur verfolgt einzig allein den Zweck, das Lager der anderen (bürgerlicheren) Parteien aufzumischen.

    Und dann ist da noch Björn Höcke, Thüringer AfD-Hierarch mit extremem Rechtsdrall, den man „Faschist“ nennen darf. Er tritt nun am morgigen Mittwoch in Erfurt gegen den Linken Bodo Ramelow bei der Wahl des Ministerpräsidenten an. Die Kandidatur verfolgt einzig und allein den Zweck, das Lager der anderen (bürgerlicheren) Parteien aufzumischen, weil so das Abstimmungsverhalten offenbar wird. Nach den Thüringer Tollereien spekuliert der rechtsextreme Höcke offenbar darauf, jenseits des AfD-Pulks mit 22 Stimmen auch von FDP oder CDU ein wenig Zuspruch zu bekommen. Wenn Ramelow, der nur eine Minderheitsregierung zur Verfügung hat, im ersten Wahlgang nicht gekürt werden sollte, drohen in Thüringen baldige Neuwahlen – was im Ergebnis sowohl der Linken als auch Höckes Trupp zugutekäme.

    Ich wünsche Ihnen einen schönen Dienstag mit den richtigen Wahlverwandtschaften.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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