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Morning Briefing Europa verabredet Reiselimits

22.01.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die gute Nachricht zuerst: Europas Grenzen sollen für Pendler und Waren offen bleiben, anders als beim ersten Lockdown. Das beschlossen gestern am späten Abend die 27 EU-Länder in einem Videogipfel des Europäischen Rats unter Charles Michel. Dagegen sollen im Kampf gegen die Pandemie und die Virus-Mutanten nicht unbedingt notwendige Reisen strikt eingeschränkt werden.

Eingeführt wird eine Kartographierung mit „dunkelroten Zonen“, in denen Corona sehr verbreitet ist. Wer aus diesen Zonen verreisen will, muss sich womöglich testen lassen sowie nach Ankunft am Reisezielort in Quarantäne gehen. Die versammelten Staats- und Regierungschefs beschlossen auch, die Impfkampagne besser zu fördern und einen EU-Impfpass einzuführen. Der ist vorerst aber nur ein medizinisches Dokument – und kein Bonuspapier für ungehindertes Reisen.

Wenn es Fleißkärtchen für Politiker gäbe, hätte Joe Biden nach seinem ersten Präsidententag in Washington einen Stapel davon auf dem Schreibtisch liegen. Er verabschiedete mehr als ein Dutzend Dekrete, etwa zur Rückkehr zum Pariser Klimaschutzabkommen und zur Weltgesundheitsorganisation WHO. Auf 200 Seiten hat Biden vor allem seine nationale Anti-Corona-Strategie beschrieben. Personen, die in die USA einreisen, will er in Quarantäne nehmen, jeder Amerikaner soll Maske tragen. „Die Dinge werden sich weiter verschlechtern, bevor es besser wird“, sagt er. Für Februar wird erwartet, dass die Zahl der Toten in den USA auf insgesamt eine halbe Million steigen wird. Schließlich will der US-Regierungschef noch den letzten großen atomaren Abrüstungsvertrag mit Russland um fünf Jahre verlängern. In zwei Wochen wäre er ausgelaufen.

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    Quelle: AP
    Angela Merkel versicherte auf ihrer gestrigen Pressekonferenz, bei einer Öffnung zuerst an Kitas und Schulen zu denken.
    (Foto: AP)

    An einem Punkt ist Angela Merkel besonders sensibel. Sie lasse sich nicht vorwerfen, Kinder mit dem Lockdown zu quälen, beschwerte sie sich jüngst intern. Und auf ihrer gestrigen Pressekonferenz, einer Ich-kann-auch-empathisch-Veranstaltung, versicherte sie, bei einer Öffnung zuerst an Kitas und Schulen zu denken. Aus gutem Grund. Die aktuelle Schließung von 40.000 Schulen und 58.000 Kitas bedeutet ökonomisch eine massive Vernichtung von Humankapital.

    Vor allem Schulschließungen führten zu „enormen wirtschaftlichen Schäden, sowohl für die einzelnen Schüler als auch für die gesamte Volkswirtschaft“, erklärt Ludger Wößmann, Bildungsökonom des Ifo-Instituts, unserer Redaktion. Hauptursache: der Rückgang des Lebenseinkommens. Und so rechnet er eine Horrorverlustzahl aus, wenn die Schulen bis Ende März geschlossen bleiben sollten – mehr als vier Billionen Euro.

    In all den Personalspekulationen der CDU im vorigen Jahr war Ralph Brinkhaus immer ein Phantom, ein Vielleicht-Kandidat. Nun profiliert er sich im Handelsblatt-Interview als Wirtschaftsreformer. Im Einzelnen sagt der Unionsfraktionschef über

    • …Sachpolitik im Superwahljahr: „Jetzt ist keine Zeit für Wahlkampf. Wir haben eine schlimme Pandemie zu bekämpfen. Hier müssen wir schneller und besser werden, zum Beispiel im Umgang mit Daten. Wir müssen noch mehr in Forschung und Entwicklung investieren und die Steuern vereinfachen.“
    • das Verhältnis zu den USA: „Wir sollten einen neuen Anlauf für ein Freihandelsabkommen mit Amerika nehmen. Ich bin zutiefst besorgt über die Aktivitäten der Chinesen. Wir können nur gegenhalten, wenn wir zusammen mit den USA Stärke zeigen.“
    • eine neue Föderalismuskommission: „So wie der Staat momentan aufgestellt ist, basiert das noch auf einem Verständnis von 1949. Das passt so nicht mehr in unsere Welt. Wir müssen uns neu organisieren.“

    Man wird den Verdacht nicht los, dass Brinkhaus auf seine Art auch Wahlkampf macht.

    Quelle: Mona Eing & Michael Meissner
    Mr Wirecard Markus Braun: . In Kürze muss entschieden werden, ob der Wirtschaftsinformatiker nach einem halben Jahr weiter in Untersuchungshaft bleiben muss.
    (Foto: Mona Eing & Michael Meissner)

    Börsenwunder gibt es immer wieder, manchmal enden sie wie ein Luftballon, der auf ein Fakir-Bett fällt. So geschah es bei der Medienfirma EM.TV des blendenden Thomas Haffa, so wiederholte es sich 20 Jahre danach bei der inzwischen insolventen Finanzfirma Wirecard des Österreichers Markus Braun. Hieß es bisher, der CEO und Großaktionär sei ein bescheidener Ehrgeizling, Typ Nerd, so taucht in unserem Wochenendreport ein ganz anderer Doktor Braun auf: egoistisch, statusfixiert, in den Luxus verliebt, fast so wie einst Haffa.

    Mr. Wirecard lebte privat offenbar ein „dolce vita“ mit Gründerzeitvilla im Wiener Nobelstadtteil Hietzing, Ferienrefugium in Kitzbühel, Anwesen in Ramatuelle bei St. Tropez. Den Sommer 2017 soll er auf der gemieteten Luxusyacht „Lady S“ verbracht haben. In seiner Heimat trat er in die Denkfabrik „Think Austria“ des heutigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz ein und spendete den liberalen Neos und der ÖVP von Kurz ordentlich Geld. Leider war Brauns Werk kaum werthaltig. In Kürze wird entschieden, ob der Wirtschaftsinformatiker nach einem halben Jahr weiter in Untersuchungshaft bleiben muss.

    In die Abteilung „Spitzbuben und solche, die es sein könnten“ fällt eine Meldung aus dem Vatikan. Dort hat die Justiz erstmals in ihrer knapp 100-jährigen Geschichte im Namen des Papstes eine Gefängnisstrafe wegen eines Finanzdelikts ausgesprochen. Es trifft Angelo Caloia, jahrzehntelang einer der mächtigsten Finanzmanager des Vatikans. Der Verurteilte war von 1989 bis 2009 Präsident der vatikanischen Skandalbank IOR. Er soll sich zusammen mit seinem Anwalt um 59 Millionen Euro bereichert haben. Das Duo hat einfach Immobilien des Vatikans deutlich unter Wert verkauft – an sich selbst. Das Urteil wegen Geldwäsche und Unterschlagung: jeweils acht Jahre und elf Monate Haft. Die Bibel ist an manchen Stellen sehr drastisch: „Reichtum, den man durch Betrug erworben hat, zerrinnt schnell und reißt mit in den Tod.“

    Mein Kulturtipp zum Wochenende: Die Kamala-Harris-Biografie von Dan Morain. Der Autor ist ein gestandener Zeitungsveteran aus Nordkalifornien, der die neue Vizepräsidentin aus ihrer Zeit als Staatsanwältin in San Francisco kennt. Sein detailreiches Porträt hat mir beim Lesen eine erste Annäherung an die Demokratin erlaubt, die indische sowie jamaikanische Wurzeln hat und im Senat in Washington nun mit ihrer Stichstimme den Ausschlag gibt. Harris erscheint als durchaus empathische, resolute, ehrgeizige, hart arbeitende Politikerin mit Überzeugungen, die sie aus taktischen Gründen schon einmal hintenanstellt. Morains Message: „Kamala Harris steht für das, was kommen wird.“ Wer in diesen Tagen ausruft: „It’s Joe time!“ muss wissen, dass auch gilt: „It’s Kamala time!“

    Für den Fußball hat die US-Großbank JP Morgan ein tollkühnes Projekt mit sechs Milliarden Dollar Investment geplant: Eine neue „Superliga“ für die besten europäischen Klubs. Sie soll mittwochs spielen und die bisherige Champions League ersetzen. 15 Klubs wie Real Madrid und Manchester United, offenbar Antreiber in dieser Causa, sollen permanent Mitglied sein und dafür jeweils 350 Millionen Euro erhalten. Fünf Plätze werden jede Saison für Teams freigehalten, die sich qualifizieren.

    Die diskutierte Superliga hat den Weltfußballverband Fifa nachhaltig aufgeschreckt. Hatte sie vorher das Projekt noch als bloßes Gerücht abgetan, so hat die Organisation jetzt verkündet, die vorgeschlagene Liga keinesfalls anzuerkennen. In einem Statement heißt es: „Jedem Klub oder Spieler, der in einen solchen Wettbewerb einbezogen ist, wird als Konsequenz nicht erlaubt, an einem anderen Wettbewerb teilzunehmen, der von der Fifa oder einem ihrer Verbände organisiert wird.“ Für Spitzenspieler wie Toni Kroos von Real Madrid wäre dann eine Fußball-Weltmeisterschaft tabu. Der Kampf ums große Geld geht in die Nachspielzeit.

    Quelle: dpa
    Sabine Töpperwien, die seit mehr als 30 Jahren im Radio Fußballbundesligaspiele kommentiert hört jetzt als Sport-Journalistin beim WDR auf.

    Und dann ist da noch Sabine Töpperwien, die seit mehr als 30 Jahren im Radio Fußballbundesligaspiele kommentiert – und deren Stimme zum Markenzeichen der ARD-Konferenzschaltung wurde. „Toooor in Dooortmuuuund“, heißt es da schon mal. Nun geht die 60-Jährige Ende dieses Monats aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand, teilt der WDR mit. Die Journalistin, die ihre Diplomarbeit über Fußball verfasst hat, war 1989 die erste Frau, die ein Ligaspiel kommentierte. Insgesamt war sie bei mehr als 700 Spielen dabei, blieb aber immer dem Radio treu und wechselte nicht wie viele Kollegen ins Fernsehen. Eine Nerven- und Sehnenentzündung in beiden Armen nach intensiver Computerarbeit habe den Rückzug erzwungen, sagt Töpperwien: „Mein Körper hat die Handbremse gezogen.“

    Ich wünsche Ihnen nach den letzten aufregenden Tagen ein entspanntes Wochenende in bester Gesundheit.
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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