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Morning Briefing Vorteil für „Smiley Joe“

09.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

heute ist der 9. November, ein Geschichtsschreiber-Datum. 1918 Ausruf der deutschen Republik durch Philipp Scheidemann, 1938 Reichs-Pogromnacht der Nazis, 1989 Fall der Mauer. Es wird die ein oder andere Rede zu diesen einschneidenden deutschen Ereignissen geben. Aber dieser 9. November 2020 wird am Ende doch beherrscht werden von den Ereignissen in den USA. Es ist ein Tag weiterer Vorschauen und Nachrufe. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird noch einmal den Wachwechsel auf Joe Biden, den 46. Präsidenten der Un-Vereinigten Staaten von Amerika, hoffnungsvoll begrüßen. Donald Trump, gut erholt nach einem Golf-Sonntag, wird sich erneut nicht geschlagen geben und will es der Welt noch einmal zeigen – in diesem Fall, wie er mit Anwälten die Ergebnisse der Briefwahlen korrigieren kann. Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode. Dieser Spruch von Shakespeare passt im aktuellen amerikanischen Herrscherdrama fast immer.

Quelle: AFP
Nach vier Jahren extremer Polarisierung ist in den USA jene Kunst des politischen „Bargainings“ gefragt, auf die sich Joseph Robinette „Joe“ Boden so gut versteht.
(Foto: AFP)

Nach vier Jahren extremer Polarisierung ist in den USA jene Kunst des politischen „Bargainings“ gefragt, auf die sich Joseph Robinette „Joe“ Biden so gut versteht. Der Demokrat ist ein Künstler des Kompromisses, kein Einpeitscher des Kompromittierens. Was ihn zur Not eben auch Deals mit den Republikanern machen lassen könnte, die im Falle erfolgreicher Nachwahlen in Georgia die Mehrheit im Senat behielten. Hier agiert nicht „Sleepy Joe“, sondern „Smiley Joe“, ein netter Herr Nachbar, zuständig fürs Zuschütten der Gräben. Ein Friedensrichter für vier Jahre, ein Ältestenratgeber von bald 78 Jahren, der vor fünf Dekaden sein erstes politisches Mandat erhielt und dessen vornehmliche Aufgabe es sein müsste, seine Vizepräsidentin Kamala Harris bis 2024 White-House-fähig zu machen.

Außenpolitisch dürfte der Autohändlersohn aus Delaware die USA schon bald in die Tonspur der Vernunft bringen, was die Rückkehr zum Klimaschutzabkommen und zur Weltgesundheitsorganisation WHO einschließt. „Jede Zeit hat ihre Helden“, kommentiert meine Kollegin Nicole Bastian. „Das demonstrative Bestrafen Deutschlands gehört der Vergangenheit an“, schreibt CDU-Politiker Norbert Röttgen im Handelsblatt-Gastkommentar. Das ist aktuell schon viel, historisch aber sehr wenig.

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    Das Trauma im Leben des Donald Trump ist, im Klub der Wichtigen, Reichen und Schönen immer Paria geblieben zu sein. Ein Immobilien-Erbe aus Queens, über den sie schon in Manhattan die Nase rümpften. Ein Hasardeur, der mehrere Male Pleite machte und von keiner großen amerikanischen Bank mehr Geld bekam (dafür gab es ja die Deutsche Bank). Ein Möchtegern-Rockefeller, der seine Trump Towers noch ein bisschen mehr vergoldete. Ein Narzisst, der die Maschen der Eitelkeiten-Industrie im US-Fernsehen zu nutzen wusste, der alle über die „Kunst des Deals“ aufklärte und der die Qualität des Showmasters einfach in die Politik verlängert hat.

    Das machte ihn zum Phänomen, zur Musicalfigur wie Alexander Hamilton, zumal ihm mit Twitter jahrelang eine Propaganda-Plattform erster Güte zur Verfügung stand. Die verzieh Lügen, aber keine Langeweile. Covfefe! Politisch vereinigte Trump das Handwerk der „dirty tricks“ aus der Ära Richard Nixon mit dem Steuersenkungsdogma der Ära Ronald Reagan. Das hat dem Land sowohl moralische als auch finanzielle Schulden eingebracht.

    Anders als Trump hat sein Parteifreund, Ex-Präsident George W. Bush, dem Wahlsieger Biden gratuliert. Auch die Führer der US-Wirtschaft mahnen einen friedvollen Übergang vom „Trumpismus“ zum neuen liberalen Pragmatismus an. „Nun ist die Zeit für Einigkeit“, sagt Jamie Dimon, Chef der Großbank JP Morgan Chase. Der Wille des Wählers sei zu respektieren. Hedgefonds-Milliardär Bill Ackman rät Trump, die Niederlage anzuerkennen (worin er sich offenbar mit Noch-First-Lady Melania Trump einig ist). Er solle an sein Vermächtnis und politisches Erbe denken und daran, was am besten für das Land sei. Das amerikanische Volk habe einen Leader gewählt, der während seiner Kampagne vom „Heilen“ und von politischer Kooperation gesprochen habe, erklärte der Nationale Produzenten-Verband. Amerika will wieder Amerika sein – und nicht das Sorgenkind seiner Alliierten.

    Wer in diesen Soft-Lockdown-Zeiten sein Englisch verbessern sowie Donald Trump gebührend verabschieden will, kommt nicht an John Boltons „The Room Where It Happened: A White House Memoir“ vorbei, unserem Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages. Der Mann mit dem Seehundbart fehlt ja derzeit bei keiner Trump-Albtraumdeutung im deutschen Fernsehen. Im Original-Hörbuch seiner Erinnerungen tritt er neben Haupterzähler Robert Petkoff persönlich im Epilog auf. Der Kurzzeit-Sicherheitsberater porträtiert Trump schlankweg als Eitelkeitsmonster. Der habe mit seinen Spontan-Tweets noch jeden Expertenrat zugemüllt und sei für politische Anführer aller Art zur diplomatischen Schießbudenfigur geworden, der man nur tüchtig einschmeicheln musste.

    Trump habe, so Bolton, immer nur aus Instinkt gehandelt – und bloß seine Wiederwahl sichern wollen. Quod erat demonstrandum.

    Quelle: Paul Langrock/Zenit/laif
    Bis 2050 sollen laut EU „Offshore“-Windparks eine Leistung von 300 Gigawatt bieten, Investitionen von 800 Milliarden Euro sind veranschlagt.
    (Foto: Paul Langrock/Zenit/laif)

    Große Energiepläne hat die Europäische Union. In einem internen Papier, das uns vorliegt, beschreibt sie ihre Strategie für „Offshore“-Windparks weit draußen im Meer, weit weg von der Küste. Bis 2050 sollen solche Anlagen eine Leistung von 300 Gigawatt bieten, Investitionen von 800 Milliarden Euro sind veranschlagt. Sogar eine Leistung von 450 Gigawatt hält der Branchenverband Wind Europe für möglich, was der Kraft von 450 Atomreaktoren oder von 450 großen Kohlekraftwerksblöcken entspricht.

    Für Finanzinvestoren sind solche Szenearien alles andere als Frau-Holle-Märchen. Offshore-Wind biete „die skalierbarste europäische Chance“ beim Ausbau grüner Energien, sagt David Giordano, Globaler Leiter erneuerbare Energien beim Vermögensverwalter Blackrock. Künftig sollen die Offshore-Windparks über Ländergrenzen und Verteilstationen hinweg vernetzt werden, das führe zu Effizienzgewinnen, sagt Tim Meyerjürgens, Chief Operating Officer des holländischen Stromnetzbetreibers Tennet: „Heute sind die Nordsee-Anrainerstatten und sämtliche Akteure der Branche davon überzeugt, dass wir solche Drehkreuze brauchen.“

    Die neue Vision der führenden deutschen Autokonzerne ist Nachhaltigkeit. Auch getrieben von neuen EU-Normen arbeiten deren Chefs mit Hochdruck daran, ihre rollenden Produkte grüner zu machen. Das ist die Quintessenz des Handelsblatt Auto-Gipfels, der diesmal virtuell veranstaltet werden musste. Entsprechend verheißungsvoll klingen die drei Star-Tenöre aus den Zentren der Industrie.

    Daimler-Chef Ola Källenius: „Moderner, nachhaltiger Luxus ist genau das, was unsere Kunden von uns erwarten.“

    Volkswagen-CEO Herbert Diess: „Elektromobilität ist der einzige Weg, die Klimaziele bis 2030 zu erreichen.“

    BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse: „Fehlende Nachhaltigkeit ist ein Nicht-Kaufgrund.“

    Alle drei wissen, dass sie bei Fehlleistungen im eigenen Land vorgeführt werden: durch den brandenburgischen Fabrik-Erbauer Tesla.

    Quelle: Bongarts/Getty Images
    Die Volks- und Raiffeisenbank Bad Salzungen/Schmalkalden engagierte Ex-Profi Stefan Effenberg als Berater für ihr Fußballgeschäft.
    (Foto: Bongarts/Getty Images)

    Und dann ist da noch die Volks- und Raiffeisenbank Bad Salzungen Schmalkalden, die ganz aus dem Rahmen fällt. So besitzen die Thüringer 40 Ökostrom-Kraftwerke, engagierten Ex-Profi Stefan Effenberg als Berater für ihr Fußballgeschäft und melden fast 1,1 Milliarden Euro Bilanzsumme. Da stört nur, dass die Staatsanwaltschaft nach einem Tipp zur Großrazzia geblasen hat und die Finanzaufsichtsbehörde Bafin wegen eines Immobiliendeals aus dem Jahr 2014 den Vorstandschef abberufen und einen anderen Vorstand verwarnen will.

    Die Effenberg-Bank ihrerseits zeigt der Bafin den berühmten „Stinkefinger“ – und bereitet eine Klage vor. Man hat sich auch geärgert, dass die Behörde ohne eigene Checks eine teure Sonderprüfung durch Ernst & Young veranlasst hat, nachdem Ex-Prokurist Frank S. als Whistleblower ausgepackt hatte. Zudem moniert die – im Fall Wirecard so schläfrige – Bafin in Südthüringen aufgekratzt die „Angemessenheit der Fortbildungsmaßnahmen für Herrn Effenberg“, die bei der Akademie Deutscher Genossenschaften 70.000 Euro kosteten. Wie würde Effenberg zu den Erfolgschancen gegen die Behörde philosophieren: „Auch wenn es noch unmöglich ist, ist es möglich.“

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche mit vielen Möglichkeiten, die zu nutzen sind.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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