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Altersvorsorge „Erwartungen nicht erfüllt“: Wie die Parteien die Riester-Rente ablösen wollen

Die Tage der privaten Zusatzvorsorge nach dem Riester-Modell scheinen gezählt. In ihren Wahlprogrammen lehnen alle Parteien das Konzept ab – und bieten unterschiedliche Alternativen an.
08.07.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Immer weniger setzen auf das Riester-Modell. Quelle: imago images/Westend61
Vorsorge im Alter

Immer weniger setzen auf das Riester-Modell.

(Foto: imago images/Westend61)

Berlin Es ist jetzt gut 20 Jahre her, dass die rot-grüne Rentenreform im Bundestag verabschiedet und die Riester-Rente eingeführt wurde. Es handele sich um „eine der wirklich historischen Reformen in der Sozialversicherung“, sagte der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

20 Jahre später findet kaum noch jemand lobende Worte für die Riester-Rente, die seinerzeit eingeführt wurde, um das sinkende gesetzliche Rentenniveau auszugleichen. „Riester hat die Erwartungen nicht erfüllt“, sagt SPD-Rentenexperte Ralf Kapschack. „Es war ein Fehler zu glauben, Einbußen bei der gesetzlichen Rente könnten dadurch kompensiert werden.“

Das sehen offenbar auch viele Bürger so. Wurden bis 2011 jährlich meist eine Million oder mehr neue Riester-Verträge abgeschlossen, ging die Dynamik in den Folgejahren deutlich zurück. Inzwischen ist die Zahl der Verträge sogar rückläufig und lag zuletzt noch bei knapp 16,4 Millionen. Rund ein Fünftel ist ruhend gestellt, wird also nicht mehr aktiv bespart.

„Die Gründe für diese Entwicklung dürften unter anderem in der bereits seit einigen Jahren andauernden Niedrigzinsphase liegen“, heißt es im Entwurf für den neuen Sozialbericht, den die Regierung einmal pro Wahlperiode herausgibt. Es sei anzunehmen, dass diese „zu einer eher abwartenden Haltung im Hinblick auf entsprechende private Altersvorsorge geführt hat“.

Angesichts der Akzeptanzprobleme sind sich die politischen Parteien in einem Punkt einig: So wie bisher kann es mit der Riester-Rente nicht weitergehen. Das sieht auch eine Allianz aus der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der Bürgerbewegung Finanzwende und dem Bund der Versicherten so, die im Mai in Berlin öffentlichkeitswirksam für einen Neustart geworben hatte.

Grüne wollen einen „Bürgerfonds“

Doch wie der aussehen könnte, darüber gibt es bei den Parteien unterschiedliche Vorstellungen. Die Linke will Riester-Verträge inklusive der staatlichen Förderung auf freiwilliger Basis in die gesetzliche Rente überführen. Den Grünen schwebt der Ersatz durch einen öffentlich verwalteten „Bürgerfonds“ vor, in den alle einzahlen, die nicht ausdrücklich widersprechen (Opt-out).

Die FDP plant, mit einer „Aktienrente“ die erste Säule zu stärken, hält aber zur Lebensstandardsicherung auch an einer geförderten dritten Säule fest: „Die lässt sich aber sicher noch verbraucherfreundlicher gestalten“, sagt ihr sozialpolitischer Sprecher Johannes Vogel. So sollte es staatliche Förderung unabhängig von der Erwerbsform geben, also etwa auch für Selbstständige. Zudem machen sich die Liberalen für Produkte mit einem höheren Aktienanteil stark: „Der Sparer soll selbst über den Chancen-Risiko-Mix entscheiden dürfen“, sagt Vogel. Bisher sind nur Produkte zugelassen, die in der Auszahlungsphase mindestens die eingezahlten Eigenbeiträge und Zulagen garantieren.

Die Pläne der Union umreißt CDU-Sozialexperte Peter Weiß so: „Wir brauchen eine grundlegende Reform: weniger Kosten, eine reine Zulagenrente und mehr Wahlmöglichkeiten bei der Geldanlage, damit die Rendite wieder stimmt. In ihrem Wahlprogramm verspricht die Union, Kriterien für ein einfaches Standardvorsorgeprodukt zu entwickeln, in das alle einzahlen können.
Wie die Grünen bei ihrem „Bürgerfonds sieht aber auch die CDU/CSU eine Opt-out-Option vor. Walter Riester, seinerzeit unter Kanzler Schröder Sozialminister und Namensgeber der Riester-Rente, ist aber überzeugt, dass die private Vorsorge nur erfolgreich sein kann, wenn sie wirklich obligatorisch wird.

Heute gelten die teils hohen Vertriebskosten, eine unübersichtliche Produktpalette und beschränkte Anlageformen mit mindestens Beitragsgarantie als Schwachpunkte der Riester-Rente. Die SPD will wie die Union ebenfalls ein einfaches Standardvorsorgeprodukt einführen, es aber lieber gleich staatlich managen lassen. Schon im Koalitionsvertrag für diese Wahl‧periode hatten Union und Sozialdemokraten versprochen, im Dialog mit der Versicherungswirtschaft ein attraktives standardisiertes Riester-Produkt zu entwickeln, doch daraus wurde nichts.

Hoffen auf die zweite Chance

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hofft nun auf eine zweite Chance nach der Wahl: „Die Riester-Rente ist aus unserer Sicht reformbedürftig, aber sie ist reformierbar“, sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Vor diesem Hintergrund bleiben wir gesprächsbereit mit Blick auf ein einfaches und kostengünstiges Standardprodukt.“
Dazu habe sein Verband bereits konkrete Vorschläge gemacht, etwa eine vereinfachte Förderung und eine Absenkung der Beitragsgarantie, sagt Asmussen. Besonders für Familien mit Kindern und Menschen mit niedrigen Einkommen ist und bleibe die Riester-Rente ein attraktives Produkt der privaten Altersvorsorge.

Auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hatte vor ein paar Tagen davor gewarnt, dass Vertrauen in die dritte Säule zu zerstören: „Was sollen die rund 16 Millionen Besitzer von Riester-Verträgen davon halten, wenn sie jetzt von Politikern hören, dass die Riester-Rente durch ein neues Produkt ersetzt werden müsse“, fragt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Ein Altersvorsorgesystem, bei dem Sparphase und Rentenzeit zusammen oft mehr als ein halbes Jahrhundert ausmachten, dürfe man nicht schon nach 20 Jahren wieder schließen.

Mehr: Staatsfonds für die Rente: Dann fangt halt an!

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1 Kommentar zu "Altersvorsorge: „Erwartungen nicht erfüllt“: Wie die Parteien die Riester-Rente ablösen wollen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich verstehe die Diskussion immer weniger und ich frage mich manchmal, ob die vielen "Experten" wirklich wissen, worüber sie schreiben.

    Zunächst: Riester ist das einzige Altersvororge- bzw. Sparprodukt, mit einer echten sozialen Komponente (Grundzulage, Kinderzulage)

    Bei Riester gibt es mit dem Fondssparen schon von Anfang an eine Variante, die die Beste aller Welten verbindet, nämlich Aktiensparen mit Fondsgarantie. (Natürlich ist ein ETF-Sparplan günstiger und hat mehr Dynamik, aber wir reden hier von einem Garantieprodukt.) Union, Deka und Dt. Bank haben hier von anfang an gute Produkte zu vertretebarn Kosten im Angebot. Ich bin privat von Anfang an bei der Deka-BonusRente dabei und habe bis heute eine Performance von 72 % nach Abzug der Kosten erzielt. Für ein Garantieprodukt ist das für mich in Ordnung.

    Ja, die Komplexität muss abgebaut werden.
    Ja, die RiesterRente muss für alle geöffnet und für alle obligatorisch werden.
    Ja, den Anbietern kann ich für so ein Produkt einen "Kostendeckel" vorschreiben (z.B. max. 1 % pro Jahr)

    Ansonsten: Hört endlich auf, die Riester-Rente schlecht zu machen! Sie wurde von der Finanzindustrie nie gemocht und von der Presse kaputt geschrieben, ansonsten ist alles gut.

    Mit freundlichen Grüßen
    reinermaile(at)yahoo.de

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