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FlüssigerdgasHabecks Plan für die Gasversorgung: Zwei LNG-Terminals gehen noch 2022 in Betrieb

Wirtschaftsminister Robert Habeck ist optimistisch, dass zwei LNG-Terminals noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Zugleich befürwortet er eine Ausweitung der heimischen Gasförderung.Moritz Koch und Klaus Stratmann 05.05.2022 - 08:44 Uhr Artikel anhören

Noch in diesem Jahr sollen in Deutschland zwei der Spezialschiffe in Betrieb gehen.

Foto: Bloomberg

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will erreichen, dass in Deutschland noch in diesem Jahr zwei von insgesamt vier schwimmenden LNG-Terminals in Betrieb gehen. „Natürlich ist das Ziel, dass sie noch in diesem Jahr angeschlossen werden – zum Jahreswechsel“, sagte Habeck am Montagabend vor Journalisten in Brüssel.

Dies ermögliche es, Gas über die deutschen Häfen in das europäische Gasnetz einzuspeisen. Ziel der Bundesregierung ist es, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu reduzieren. Eines der beiden Schiffe komme nach Brunsbüttel, das andere nach Wilhelmshaven, bestätigte Habeck. Die beiden anderen Schiffe sollen nach Habecks Worten „im Mai“ eintreffen.

In der Regel dauere der Bau der erforderlichen Infrastruktur fünf Jahre, sagte der Minister. Nun solle es innerhalb einiger Monate geschehen, quasi „mit Lichtgeschwindigkeit“: „Wir machen hier etwas, das Deutschland lange nicht erlebt hat“, sagte Habeck.

Flüssigerdgas: Neues Gesetz beschleunigt Bau von LNG-Terminals

Möglich werde das durch das vom Bundeswirtschaftsministerium geplante „LNG-Beschleunigungsgesetz“, das dazu diene, die Genehmigungszeiten für den Bau von LNG-Terminals zu verkürzen.

„Das ist das Gesetz, das uns die Hebel in die Hand gibt, in der Genehmigung so schnell zu sein, dass wir die Schiffe noch in diesem Jahr nutzen können.“ Habeck hob den „Pragmatismus und Gestaltungswillen“ der lokalen Behörden hervor, es sei „großartig zu sehen, wie alle mitziehen“.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die Unternehmen RWE und Uniper vor einigen Wochen damit beauftragt, schwimmende LNG-Terminals, im Fachjargon Floating Storage and Regasification Units (FSRU) genannt, zu optimieren.

Dahinter verbergen sich Spezialschiffe, die verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) wieder in gasförmigen Zustand bringen können und es so für das Gasnetz verfügbar machen. FSRU sind somit die mobile, schnell einsetzbare Alternative zu stationären LNG-Terminals.

Stationäre LNG-Terminals für Erdgas frühestens 2026 fertig

Der Bau stationärer Terminals ist ebenfalls geplant, etwa in Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade. An dem stationären Terminal in Brunsbüttel beteiligt sich der Bund über die KfW. Die stationären Anlagen werden aber voraussichtlich frühestens 2026 zur Verfügung stehen.

RWE und Uniper bringen bei der Beschaffung der FSRU ihre Expertise ein. Vorverträge gibt es bereits, am Donnerstag dieser Woche plant Habeck nach Angaben seines Ministeriums die offizielle Vertragsunterzeichnung. Die Bundesregierung wird die FSRU anmieten und für die Nutzung zur Verfügung stellen.

Genehmigung für LNG-Terminals wird bis 2040 befristet

Damit die Installierung der FSRU und auch der Bau stationärer Anlagen sowie der Anbindungsleitungen so schnell wie möglich erfolgen, hat das Wirtschaftsministerium ein LNG-Beschleunigungsgesetz entworfen.

Das Gesetz soll den Genehmigungsbehörden vorübergehend ermöglichen, von bestimmten Verfahrensanforderungen, insbesondere im Bereich der Umweltverträglichkeitsprüfung, abzusehen. Daneben soll Auftraggebern ermöglicht werden, vorübergehend vergaberechtliche Erleichterungen zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge und Konzessionen anzuwenden.

Ziel des Gesetzes ist es, alle Zulassungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Vergabe öffentlicher Aufträge und Konzessionen erheblich schneller zu durchlaufen, als dies nach aktueller Rechtslage möglich ist, und so zu zügigen Genehmigungen und Einbindung von LNG in den deutschen Markt zu gelangen“, heißt es in einem Papier des Ministeriums, das den Gesetzentwurf skizziert.

Die Beschleunigung wird erkauft mit einer Befristung: Die Genehmigung der Anlagen für den Betrieb mit fossilem Gas soll „bis spätestens zum 31. Dezember 2040“ befristet werden. „Ein Weiterbetrieb dieser Anlagen über diesen Zeitpunkt hinaus kann nur für grünen Wasserstoff und dessen Derivate genehmigt werden“, heißt es in dem Papier des Ministeriums.

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Die Einbindung der Anlagen ins Gasfernleitungsnetz stellt eine hohe Hürde dar. Im Fall von Brunsbüttel ist eine Distanz von 60 Kilometern zu überbrücken, in Wilhelmshaven sind es 30 Kilometer.

Es dürfte eine große Herausforderung werden, diese Leitungsverbindungen bis zum Jahresende fertigzustellen. „Da muss beschleunigt werden, dass es nur so kracht“, sagt ein Brancheninsider. Im Fall von Wilhelmshaven sei es noch am ehesten möglich, bis Ende Dezember 2022 fertig zu werden. Die nachgelagerten Leitungen müssten ausgebaut werden, um den höheren Transportbedarf zu bewältigen.

Gasversorgung: Robert Habeck für Steigerung der Eigenproduktion

Um die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen, könnte auch eine Steigerung der Erdgasförderung in Deutschland ins Spiel kommen. „Wenn das sicher geht, ohne Erdbeben, ohne Komplikationen im Untergrund, dann kann man das tun“, sagte Habeck.

Im Gegenzug fordert der Minister allerdings, dass die deutsche Gasförderung früher als bisher geplant beendet wird. Die Bundesrepublik wolle ohnehin „früher raus“, als es die bisher erteilten Lizenzen vorsehen, „und wir brauchen jetzt die Energie, weil wir uns ja von Russland unabhängig machen“. Die logische Konsequenz sei, die Förderungen vorübergehend auszuweiten.

Die Branche steht bereit, die inländische Förderung zu erhöhen. Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) wirbt seit Wochen für diesen Schritt. Die Eigenproduktion ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. 2001 stammten nach Angaben des BVEG noch 21 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus Eigenproduktion, 2011 waren es 14 Prozent, aktuell sind es noch fünf Prozent.

Vorräte an Erdgas in Deutschland gehen zur Neige

Der kontinuierliche Rückgang der Förderung hat verschiedene Gründe. Entscheidender Faktor ist, dass die Vorräte zur Neige gehen. Andererseits ist der Rückgang aber auch Folge gesellschaftspolitischer Debatten und das Resultat von Verschärfungen in den Genehmigungsverfahren.

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„Wir reden hier über eine Industrie, die seit Jahren mit dem Rücken an der Wand steht, insbesondere wenn es um neue Projekte geht, weil die Förderung fossiler Energierohstoffe im eigenen Land nicht mehr opportun erschien. Tatsächlich sollten wir unsere Rohstoffstrategie insgesamt neu strukturieren“, hatte BVEG-Chef Ludwig Möhring dem Handelsblatt kürzlich gesagt.

Dieser Artikel erschien zuerst am 03.05.2022 um 13:58 Uhr.

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