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USAArbeitsmarkt wächst stark – Trump will dennoch Zinssenkungen

Im April hat die US-Wirtschaft mehr Stellen geschaffen als erwartet. Die Arbeitslosenquote bleibt unverändert. Diese Arbeitsmarktdaten sind die ersten seit Trumps Zollankündigungen.Felix Stippler, Jana-Sophie Brüntjen, Laurin Meyer 02.05.2025 - 22:08 Uhr aktualisiert Artikel anhören
„Wir stellen ein“-Schild: Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich stabil. Foto: AP

Düsseldorf. Der US-Arbeitsmarkt ist in einer robusteren Verfassung als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft hat die US-Wirtschaft im April 177.000 neue Stellen geschaffen, wie aus Zahlen eines am Freitag veröffentlichten Berichts der US-Regierung hervorgeht. Ökonominnen und Ökonomen waren im Vorfeld von 130.000 neuen Stellen ausgegangen. Die getrennt davon ermittelte Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 4,2 Prozent.

Während die aktuellen Zahlen die Erwartungen übertreffen, wurden die Statistiken für die vergangenen beiden Monate nach unten korrigiert. Die Zahl der Beschäftigten im Februar und im März liegt zusammengerechnet um 58.000 niedriger als zuvor berechnet.

Die neuen Daten bieten einen ersten Ausblick auf die Folgen der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. Denn der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht ist eine der ersten Statistiken, die die Konsequenzen der US-Zölle zumindest teilweise abbilden.

Die Erhebungen, die dem Bericht zugrunde liegen, wurden in der zweiten Aprilwoche durchgeführt. Zu der Zeit hatte Trump einige Zölle schon wieder ausgesetzt, die er Anfang April zunächst verkündet hatte, und andererseits Zölle auf chinesische Waren noch weiter erhöht.

Märkte reagieren positiv

Die überraschend positiven Daten trieben auch Aktienkurse. Der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq 100 schlossen am Freitag um jeweils deutlich mehr als ein Prozent. Damit hat der S&P 500 den neunten Tag in Folge höher geschlossen und damit seine beste Serie seit mehr als 20 Jahren hingelegt.

Trotz sinkender Wachstumsdynamik sind die ersten US-Jobdaten seit den Zollankündigungen von Donald Trump überraschend positiv ausgefallen. Auch eine Nachricht aus China sorgt für gute Stimmung unter den Anlegern, berichtet Markus Koch.

Zuvor hatten schon Anzeichen einer Entspannung im Handelskrieg zwischen China und den Vereinigten Staaten den Aktienmärkten Auftrieb gegeben. Peking erwäge die Aufnahme von Gesprächen, sollte die US-Regierung „Aufrichtigkeit“ durch etwa die Aufhebung einseitiger Zölle zeigen.

Mehr Anträge auf Arbeitslosenhilfe

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe werden pro Woche erstellt. In der vergangenen Woche verzeichneten sie bereits einen Anstieg, was ein Zeichen dafür ist, dass die US-Wirtschaft in keiner guten Verfassung ist. Denn es zeigt, dass Unternehmen mit Entlassungen auf wirtschaftlichen Druck reagieren. Die Zahl der Anträge belief sich in der Woche zum 26. April saisonbereinigt auf 241.000, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte.

Das entspricht einem Anstieg von 18.000 gegenüber dem Vorzeitraum und liegt über den vorherigen Schätzungen von 225.000. Die Zahl der laufenden Anträge stieg auf rund 1,9 Millionen und damit auf den höchsten Stand seit November 2021, also der Zeit der Coronapandemie.

Die Zahl der offenen Stellen in den USA geht gleichzeitig merklich zurück. Aktuelle Daten des Bureau of Labor Statistics zeigen, dass Ende März nur noch 7,2 Millionen Jobs unbesetzt waren – ein Rückgang gegenüber den 7,5 Millionen im Februar. Damit nähert sich diese Zahl ebenfalls dem Niveau der Coronapandemie und zeigt, wie aussichtslos das Finden einer neuen Arbeitsstelle für Arbeitslose aktuell ist. „Der Bericht vom März zeigt eine gewisse Abkühlung der Arbeitsmarktbedingungen“, schrieb die leitende US-Ökonomin von Oxford Economics, Nancy Vanden Houten, in einer Mitteilung.

Die Arbeitsmarktdaten haben auch Einfluss auf die Entscheidungen der US-Notenbank Fed. Die bisherige Abkühlung sei aber nicht groß genug, um Erwartungen an baldige Zinssenkungen vorzuziehen, schrieb Vanden Houten. „Die US-Notenbank wird auch die Auswirkungen der Zölle auf die Inflation beobachten.“

Donald Trump (links), Jerome Powell: Der US-Präsident setzt den Chef der Notenbank Fed unter Druck. Foto: REUTERS

Die Fed und deren Chef Jerome Powell stecken in einem Dilemma. Schließlich hat die US-Notenbank das doppelte Mandat, für Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu sorgen. Zinssenkungen, also günstigere Kredite, helfen in der Regel dabei, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Wird mehr Geld ausgegeben, steigt jedoch die Inflation. Die gegenwärtige Zollpolitik der US-Regierung sorgt ebenfalls für massive Preissteigerungen. Der Spielraum der Fed ist also begrenzt.

Trump meldet sich auf „Truth Social“

Die Terminmärkte gehen jedenfalls nicht davon aus, dass die US-Notenbanker bei ihrer nächsten Sitzung kommende Woche die Zinsen senken. Der Topökonom Mohamed El-Erian schrieb auf LinkedIn, es sei  „so gut wie sicher, dass die US-Notenbank in der nächsten Woche keine Zinssenkung vornehmen wird“.

Das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, berechnet anhand des Preisindexes für private Konsumausgaben (PCE-Index), ist in den ersten drei Monaten des Jahres angestiegen.

Druck kommt nur von politischer Seite: Kurz nach Bekanntgabe des US-Arbeitsmarktberichts schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social: „Die Fed sollte ihre Zinsen senken!“ Im selben Post verweist Trump auf die ihm zufolge niedrige Inflation sowie den Zustand des Arbeitsmarkts. Er schreibt, die US-Wirtschaft sei in einer „Übergangsphase“.

Die US-Verbraucher selbst rechnen damit, dass die Preise in der nahen Zukunft wieder stärker steigen. Das zeigt die April-Umfrage der Universität Michigan. Demnach erwarten die Verbraucherinnen und Verbraucher binnen Jahresfrist eine Inflationsrate von 6,5 Prozent – den höchsten Wert seit 1981. Obwohl die Inflation im März überraschend gesunken war.

USA

US-Wirtschaft schrumpft unerwartet – Trump: „Hat mit Zöllen nichts zu tun“

Die jüngsten Daten zur Entwicklung der US-Wirtschaft sorgen auch für Ernüchterung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging aufs Jahr hochgerechnet im ersten Quartal um 0,3 Prozent zurück. Ökonomen waren im Vorfeld davon ausgegangen, dass die Konjunktur um 0,3 Prozent zulegen würde. Die Zahl liegt zudem deutlich unter den vorherigen US-Konjunkturdaten.

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Aber weil Unternehmen vorsorglich vor den Zöllen ihre Lager aufgefüllt haben, sind die Konjunkturdaten etwas verzerrt. Importe fließen in die Berechnung des BIP nämlich negativ ein. Deshalb ist der Arbeitsmarkt zusätzlich ein wichtiger Indikator für den Zustand der US-Wirtschaft.

Shruti Mishra, ein Ökonom bei der Bank of America, erwartet, dass sich Migrations- und Handelsbeschränkungen in den kommenden Monaten auf die Gehaltslisten auswirken werden. Nach Einschätzung von Bloomberg Economics dürften sich die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt im Mai deutlich verschlechtern.

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