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Energiekonzern SteagDeutschlands fünftgrößter Energiekonzern prüft Verkauf des gesamten Geschäfts

Der Versorger Steag ist durch hohe Schulden belastet – und muss bis 2023 verkauft werden. Die hohen Strompreise könnten für einen guten Deal sorgen.Arno Schütze 01.08.2022 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Banken und Investoren wollen mit dem „schwarzen” Geschäft von Steag nichts zu tun haben.

Foto: dpa

Frankfurt. Deutschlands fünftgrößter Energiekonzern Steag prüft Finanzkreisen zufolge einen Verkauf seines Geschäfts mit erneuerbaren Energien oder, falls möglich, sogar des gesamten Unternehmens. Der Versorger will die derzeitige Sonderkonjunktur auf dem Energiemarkt nutzen und seinen kommunalen Eigentümern einen verlustfreien Ausstieg ermöglichen, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen dem Handelsblatt sagten.

In Kürze sollen eine Investmentbank mandatiert und im Herbst mögliche Bieter angesprochen werden. Das Unternehmen mit 377 Millionen Euro Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im vergangenen Jahr könne bei einem Deal mit über zwei Milliarden Euro bewertet werden.

Steag erklärte, dass in Kürze ein professioneller Verkaufsprozess gestartet werden soll. „Es ist erklärtes Ziel und Beschlusslage des Unternehmens, dass Steag als Ganzes, aufgeteilt in zwei organisatorisch, personell und gesellschaftsrechtlich getrennte Teilkonzerne, verkauft werden soll und nicht etwa in Teilen.“ Finanzkreisen zufolge gibt es aber für den Gesamtkonzern wenig Interesse, weshalb parallel die Möglichkeit eines Teilverkaufs eruiert wird.

Steag prüft Verkauf des gesamten Unternehmens

Die Verbindlichkeiten der Essener sind enorm: Steag hatte per Ende 2021 eine Nettoverschuldung von 485 Millionen Euro und 1,23 Milliarden Euro an Pensionsrückstellungen. Die Steag gehört den Kommunen des Ruhrgebiets: Eigentümer ist die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (KSBG) der Stadtwerke Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken, die ebenfalls mit 330 Millionen Euro bei Banken in der Kreide steht. Die KSBG war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Steag und KSBG hatten sich im Herbst 2021 mit ihren Gläubigerbanken auf einen Sanierungsplan geeinigt, nachdem sich Verluste häuften. 170 Millionen Euro Nettokonzernverlust kamen 2020 zusammen – auch aufgrund der Energiewende und der politisch forcierten Abkehr von fossilen Energieträgern, dem Hauptgeschäft von Steag. Die Vereinbarung sieht unter anderem den Verkauf des Unternehmens bis Ende 2023 vor.

Angesichts der enorm hohen Gas- und Strompreise wollen die Steag-Eigentümer nun die gute Marktlage nutzen und versuchen, schnell und zu einer hohen Bewertung zu veräußern.

Kohlekraftwerke finden keine Interessenten

Während Käufer für Wind- oder Solarparks, Biogas- und Geothermieanlagen sowie Müllheizkraftwerke – also den „grünen“ Bereich des Unternehmens – Schlange stehen, gilt der „schwarze“ Teil, also die Kohlekraftwerke, als schwer verkäuflich. Beide Teile erwirtschaften etwa gleich viel Gewinn. Aber viele Investoren und auch die finanzierenden Banken lehnen Kohle-Engagements aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ab.

Gleichzeitig sind 1900 der 5700 Mitarbeiter im „schwarzen“ Teil der Steag beschäftigt, und Arbeitnehmervertreter befürchten, dass die Kohlekraftwerke zügig abgewickelt würden, sollte nur der „grüne“ Teil verkauft werden.

Finanzkreisen zufolge will die Steag nun im Herbst den Markt sondieren. Sie will herausfinden, ob das Gesamtunternehmen verkäuflich wäre und welche Preise sich bei einem Teil- und einem Gesamtverkauf erzielen ließen. Als mögliche Käufer für das Gesamtunternehmen kämen sogenannte Terminal-Value-Investoren in Betracht, die die Steag billig übernehmen und eine Wette darauf eingehen, mit den Einkünften bis zur endgültigen Stilllegung der Kohleaktivitäten noch ausreichend Gewinn zu machen.

Nach der Sondierungsphase soll ein Auktionsprozess entweder nur für die „grüne“ Steag oder das Gesamtunternehmen starten. Die Investmentbank Morgan Stanley gilt als Favorit für den Posten des Verkaufsberaters, aber auch Macquarie werden Chancen zugerechnet. Entscheidungen seien bisher keine gefallen, heißt es.

Der Energiekonzern gehört den Ruhrgebiets-Stadtwerken, die ihre Anteile gerne zu Geld machen wollen.

Foto: STEAG

Eine mögliche Übernahme der Kohle-Geschäfte durch eine Stiftung im Eigentum des Bundes ist ebenfalls im Gespräch. Vorteil einer solchen Lösung: Der Staat bekäme eine Kraftwerksreserve, könnte damit einen Beitrag zur Energiesicherheit leisten und hätte zudem die Handlungsfreiheit, die Blöcke stillzulegen, wenn sich der Energiemarkt aus der Abhängigkeit vom russischen Gas befreit und neu sortiert hat.

Dabei könnten zwischenzeitlich auch Steinkohlekraftwerke anderer Anbieter in die Stiftung aufgenommen werden. Allerdings gilt es als Herausforderung, eine solche Variante mit dem EU-Beihilferecht in Einklang zu bringen, auch wenn die KSBG eine Mitgift geben könnte.

Der Zeitpunkt für den anstehenden Verkauf gilt als günstig. Derzeit verdient Steag gutes Geld mit seinen Kohlekraftwerken, die das Unternehmen angesichts der Gaskrise länger laufen lassen kann als ursprünglich geplant. Ursprünglich wollte die Steag in Deutschland ab November 2022 nur noch ihr modernes Steinkohlekraftwerk Duisburg-Walsum 10 am Netz haben und prüfte die Umstellung des Werks auf CO2-neutrale Holzpellets.

Kraftwerksblöcke an den Standorten Bergkamen und Völklingen-Fenne sollten stillgelegt werden. Nun ist in der Diskussion, dass diese Kraftwerke länger laufen und auch die Kraftwerke in Weiher und Bexbach aus der Netzreserve herausgeholt werden. Steag könnte so insgesamt 2,3 Gigawatt Leistung ab November bereitstellen. „Das Ebitda des Steag-Konzerns entwickelt sich im laufenden Geschäftsjahr in allen Segmenten von Grün und Schwarz bisher deutlich besser als geplant und wird – Stand jetzt – im Gesamtjahr 2022 den Vorjahreswert von 376,8 Millionen Euro erheblich übertreffen“, erklärte ein Steag-Sprecher. Dabei profitiere der schwarze Bereich überproportional vom aktuellen Marktumfeld.

Steag hat kaum Mittel für erneuerbare Energien

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Mittelfristig steht Steag aber vor der Herausforderung, dass Deutschland 2020 beschlossen hat, bis 2038 aus Klimaschutzgründen komplett aus der Kohleverstromung auszusteigen. Während Konzerne wie RWE massiv in Windkraft und Solaranlagen investieren, engen Schulden und Pensionsverpflichtungen den Handlungsspielraum der Steag bei erneuerbaren Energien ein. Um seine Bilanz zu sanieren, hat Steag bereits erste Schritte unternommen und mit der Trennung von Randbereichen begonnen. In Rumänien verkaufte das Unternehmen einen Windpark an den lokalen Wettbewerber Hidroelectrica. In Polen hat Steag sein Fernwärmenetz zum Verkauf gestellt, aber bisher noch keinen Käufer gefunden. Es gebe seriöse und wirtschaftlich starke Kaufinteressenten, so der Steag-Sprecher.

Die Ruhrgebiets-Stadtwerke hatten die Steag ab 2010 für mehr als 1,2 Milliarden Euro vom Chemiekonzern Evonik gekauft. Ein Plan aus dem vergangenen Jahr, das Unternehmen an die RAG-Stiftung zu übertragen, war am Veto der Banken gescheitert. Die RAG-Stiftung finanziert die Folgelasten des Steinkohlebergbaus und erwirtschaftet ihre Mittel unter anderem aus der Beteiligung an Evonik und dem Roboterhersteller United Robotics.

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