
Wochenend-Newsletter: Das Problem mit dem offenen Ende des Films – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
neulich war ich im Kino. Ich verrate Ihnen jetzt nicht, in welchem Film, denn im Internet werden ja immer alle sauer, wenn man irgendwas aus der Handlung preisgibt. Spoiler und so. Ich verrate Ihnen nur: Es ging um das Thema Schuld, und der Film hatte ein offenes Ende.
Nun hasse ich offene Enden. Eine Zeit lang wäre ich sogar so weit gegangen zu behaupten, dass offene Enden ein Zeichen von Faulheit sind. Ich will dann immer rufen: Traut euch doch mal! Hauptfigur ist tot oder nicht tot, schuldig oder eben nicht. Ein ähnliches Gefühl lösen in mir aber auch viele Romane aus, in denen nichts passiert, außer dass ab und zu mal jemand traurig durch ein Kornfeld läuft. Ich wünsche mir dann immer mehr Mut zur Handlung.
Ich war nach dem Film also irgendwie frustriert. Meine Begleitung sah das allerdings anders. Er fand das offene Ende erfrischend. Etwas, über das man noch länger nachdenken kann. Weniger Holzhammer, mehr Eigenverantwortung, und das Leben sei ja auch nicht so schwarz-weiß, wie ich mir das offenbar wünschen würde. Ambiguitätstoleranz ist wohl der Fachbegriff dafür.
Das ist natürlich alles wahr und bei ein bisschen mehr Grau aushalten, bin ich eigentlich die Erste, die das unterstützt. Also in der Theorie. Warum war ich jetzt wegen eines völlig realitätsfernen Hollywood-Films so angefasst?
Vielleicht, weil sich die ganzen letzten Wochen ein bisschen zu sehr nach offenem Ende anfühlen. Trumps Wiederwahl, der Mord von Aschaffenburg, gemeinsame Abstimmungen von CDU/CSU, FDP und der AfD. Ich bin Generation Merkel, eine zumindest personell konstante Politik und das Versprechen von Frieden und Wohlstand haben mein Aufwachsen massiv geprägt. Die Erkenntnis, dass diese vermeintlichen Gewissheiten vielleicht gar nicht existieren, tut weh. Und ich merke ja selbst, wie sehr ich mich in diesem Moment nach klaren Lösungen sehne – die es aber leider nicht gibt.
Ich würde Sie jetzt gern mit dem Gedanken ins Wochenende entlassen, dass es ja zumindest mit der Bundestagswahl ein absehbares Filmende mit klaren Ergebnissen gibt. Ich befürchte allerdings, so einfach wird es nicht. Vielleicht schaffen unsere Politiker es aber zumindest, es nicht zum Traurig-im-Kornfeld-Roman verkommen zu lassen. Stichwort Mut zur Handlung. Dann nehme ich auch das offene Ende in Kauf.
Haben Sie ein schönes Wochenende,
Ihre Charlotte Haunhorst
Head of Digital

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