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Börse am 19. JuniSieben Punkte, die für Anleger heute wichtig sind

Auch am Freitag dürfte das Wirecard-Drama Anleger weiter in Atem halten. Außerdem steht der große Verfallstag an den Börsen bevor, Hexensabbat genannt.Judith Henke 19.06.2020 - 06:10 Uhr

Blick auf die Anzeige an der Frankfurter Börse.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Kursrutsch der Wirecard-Aktie, die zeitweise um bis zu 71 Prozent abstürzte, riss auch den Dax mit nach unten – wenn auch vergleichsweise unspektakulär. Der deutsche Leitindex beendete den Handelstag 0,8 Prozent im Minus. Auf außerbörslichen Handelsplattformen notiert der Dax am Morgen leicht im Plus.

Auch am Freitag dürfte im Wirecard-Drama noch längst nicht der letzte Akt vollzogen sein. Auslöser für die Kurskatastrophe des Zahlungsdienstleisters war die vierte Verschiebung der Jahreszahlen für 2019.

Die Wirtschaftsprüfer von EY, die seit einem Jahrzehnt die Bilanzen von Wirecard prüfen, sehen nun Hinweise, dass ihnen von einem Treuhänder oder von Banken, die die Treuhandkonten führen, „unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken“ vorgelegt wurden.

Dahinter vermuten die Prüfer die Absicht, sie sollten so eine unrichtige Vorstellung über vorhandene Bankguthaben oder Bankkonten erhalten, die zugunsten von Wirecard geführt werden. Dabei geht es um insgesamt 1,9 Milliarden Euro, was rund einem Viertel der Konzernbilanzsumme entspricht: Die Prüfer monieren, dass über diese Konten keine ausreichenden Prüfungsnachweise zu erlangen waren.

In der Konzernzentrale wird nun nach Informationen des Handelsblatts auch über personelle Konsequenzen diskutiert. Verantwortlich gemacht werden könnte laut Kreisen etwa Organisationsvorstand Jan Marsalek. Am Abend wurde Marsalek bis zum 30. Juni beurlaubt. Auch die Zukunft von Vorstandschef Markus Braun ist demnach offen.

Abgesehen von den Wirecard-Turbulenzen dürfte aber auch noch ein anderer Faktor für Schwankungen an der Börse sorgen: Am Freitag ist großer Verfallstag an den Börsen, Hexensabbat genannt.

Dann verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. An diesem Tag schwanken die einzelnen Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise der Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

1 – Vorgaben aus den USA

Verunsichert durch neue Corona-Fälle sind die Anleger an der Wall Street am Donnerstag in Deckung geblieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer auf 26.080 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen moderate 0,3 Prozent auf 9943 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,1 Prozent auf 3115 Punkte zu.

„Die Anleger suchen verzweifelt nach etwas, um optimistisch zu sein, aber wir sind noch nicht über den Berg“, sagte Portfolio-Managerin Katerina Simonetti vom Vermögensverwalter UBS Private Wealth Management. In mehreren US-Bundesstaaten steigen die Corona-Neuinfektionen stark an. Dazu kommt der Ausbruch in der chinesischen Hauptstadt Peking.

2 – Handel in Asien

Die Börsen in Fernost haben am Freitag keine klare Richtung gefunden. Anhaltende Sorgen vor einem Aufflammen der Coronavirus-Pandemie dämpften vielerorts die Kauflaune. In Japan tendierte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,1 Prozent fester bei 22.386 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank dagegen um 0,3 Prozent auf 1577 Zähler. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte etwas leichter. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen gewann wiederum 0,6 Prozent, doch die südkoreanische Börse ließ 0,8 Prozent Federn.

3 – Hexensabbat an der Börse

Am Freitag ist großer Verfallstag, Hexensabbat genannt. Dann verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. An diesem Tag können die Aktienkurse stark schwanken, weil Investoren die Preise der Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Die aktuellen Positionen der Profianleger deuten auf einen Abrechnungskurs bei einem Dax-Wert von rund 12.000 Punkten hin, möglicherweise sogar von 11.500 Zählern. Das wäre vermutlich für alle Parteien ein akzeptables Abrechnungsniveau.

Ein Blick zurück auf den ersten Hexensabbat in diesem Jahr am 20. März zeigt: Damals notierte der deutsche Leitindex bei rund 9000 Punkten. Der große Verfallstag leitete vor drei Monaten die große Wende ein, die das Börsenbarometer bis zum Juni auf 12.913 Zählern hievte. Wiederholt sich die Geschichte und sorgt der Verfallstag am morgigen Freitag für eine erneute Trendwende? Das könnten in diesem Fall auch wieder fallende Kurse sein.

4 – Weiterhin Chaos rund um Wirecard

Aus den Manipulationsvorwürfen gegen den Dax-Konzern Wirecard ist ein handfester Bilanzskandal geworden – mit personellen Konsequenzen. Am Donnerstagabend hat der Aufsichtsrat Vorstandsmitglied Jan Marsalek mit sofortiger Wirkung freigestellt. Zudem wird James Freis ab sofort – und nicht erst Anfang Juli – als Compliance-Vorstand anfangen. Er wird das neugeschaffene Ressort „Integrity, Legal and Compliance“ verantworten.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat seinen lange erwarteten Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben. Es gibt milliardenschwere Unklarheiten in der Bilanz, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Aschheim bei München mitteilte.

Die Aktie brach daraufhin um bis zu 71 Prozent ein auf zeitweise nur noch 30 Euro. Sie sank damit auf ein Niveau, das der Kurs zuletzt im Jahr 2016 erreicht hatte. Zuletzt lag das Minus bei rund 50 Prozent.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die seit über einem Jahrzehnt die Bilanzen von Wirecard prüft, sieht Hinweise, dass ihr von einem Treuhänder oder von Banken, die die Treuhandkonten führen, „unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken“ vorgelegt wurden.

Dem Zahlungsdienstleister droht nun eine Klagewelle enttäuschter Investoren. Von Seiten der Behörden droht Wirecard ebenfalls Ärger. Eine Sprecherin der Finanzaufsicht Bafin erklärte gegenüber dem Handelsblatt mit Blick auf die Vorgänge: „Wir beziehen das in unsere laufenden Prüfungen ein.“

5 – Telekom richtet virtuelle Hauptversammlung aus

Auf ihrer ersten virtuellen Hauptversammlung werden die Manager der Deutschen Telekom Kritik begegnen müssen, ihren Aktionären trotz Rekordergebnissen keine höhere Dividende zahlen zu wollen.

Ab 10 Uhr will der Bonner Konzern am Freitag seine erste Online-Hauptversammlung abhalten. Eigentlich hätte sie schon im Frühjahr stattfinden sollen – coronabedingt wurde sie aber verschoben. Aktionäre konnten nun vorab digital Fragen einreichen.

Zwar schloss die Telekom das Jahr 2019 mit einem Konzernüberschuss von 3,9 Milliarden Euro – nach eigenen Angaben das beste Ergebnis jemals. Allerdings hat das Unternehmen relativ hohe Schulden, auch infolge der Übernahme des einstigen Rivalen Sprint auf dem US-Markt. Das Management hat der Hauptversammlung daher eine Dividende von 60 Cent je Aktie vorschlagen – 10 Cent weniger als im Jahr zuvor.

Die Aktionärsvereinigung DSW übte Kritik. „Aus Sicht der DSW sollte ein Rekordergebnis grundsätzlich auch mit einer Rekorddividende einhergehen. Insofern ist die erstmals zur Hauptversammlung 2020 wirkende Anpassung der Dividendenpolitik, die zu einer Reduzierung der Gewinnausschüttung um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr führt, natürlich bedauerlich“, sagte DSW-Vertreter Frederik Beckendorff.

Der Fondsanbieter Union Investment zeigte sich dagegen der Kürzung gegenüber zustimmend, da die Sprint-Fusion ein „Meisterstück“ sei.

6 – Lufthansa-Großaktionär füllt Kasse

Heinz Hermann Thiele, aktuell mit gut 15 Prozent der größte Einzelaktionär bei Lufthansa, hat sich von einem signifikanten Anteil an seinem Unternehmen Knorr-Bremse getrennt. Wie aus einer Handelsmitteilung hervorgeht, verkaufte der Münchener Unternehmer rund acht Millionen Aktien. Der Erlös sei für andere private Investments von Thiele gedacht, heißt es in der Information weiter.

Bezogen auf den aktuellen Börsenkurs von Knorr-Bremse und Lufthansa würde der Erlös aus dem Paketverkauf reichen, um gut 15 Prozent an Lufthansa zu erwerben.

Lufthansa wollte sich zu der neusten Entwicklung nicht äußern. Thiele selbst hat erklärt, bis zur Hauptversammlung am kommenden Donnerstag keinen Kommentar mehr abgeben zu wollen.

Der Unternehmer hatte vor zwei Tagen deutliche Kritik an dem geplanten Rettungspaket für die Lufthansa mit einem Volumen von neun Milliarden Euro geübt. Vor allem am Einstieg des Staates mit 20 Prozent und zu einem Bezugspreis, der mit 2,56 Euro nur ein Viertel des aktuellen Lufthansa-Kurses beträgt, stört sich Thiele.

Der nun getätigte Aktienverkauf befeuert Spekulationen, dass Thiele groß bei Lufthansa einsteigen, eventuell sogar selbst als Retter der Airline-Gruppe auftreten will. Der Unternehmer will sich nach Informationen des Handelsblatts zeitnah mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) treffen. In seinem Ressort wurde das Rettungspaket maßgeblich gestaltet.

7 – Videogipfel der EU-Staats- und Regierungschefs

Bereits zum fünften Mal seit Beginn der Coronakrise kommen die EU-Spitzen virtuell zusammen. Hauptthemen sind der neue mehrjährige Finanzrahmen und der milliardenschwere Wiederaufbauplan der EU-Kommission. EU-Ratspräsident Charles Michel leitet das Treffen.

Er hat aber bereits im Vorfeld Hoffnungen zerstreut, dass sich die EU-Staaten in wesentlichen Streitpunkten einigen könnten. Beobachter hoffen jedoch, dass der Gipfel zumindest einen verbindlichen Termin für eine verbindliche Entscheidung im Juli bringt.

Termine Unternehmen am 19. Juni 2020

  • 09.00 Uhr, Deutschland: PharmaSGP Holding, Erstnotiz im Prime Standard
  • 09.30 Uhr, Großbritannien: Zeal Network, Hauptversammlung (online)
  • 10.00 Uhr, Deutschland: Nemetschek, Hauptversammlung (online)
  • 10.00 Uhr, Deutschland: Kuka, Hauptversammlung (online)
  • 10.00 Uhr, Deutschland: Deutsche Telekom, Hauptversammlung (online)
  • 11.00 Uhr, Deutschland: CTS Eventim, Hauptversammlung (online)
  • 14.00 Uhr, Deutschland: VW-Digitalvorstand Christian Senger informiert Konzernbelegschaft über Stand der Software-Pläne
  • Frankreich: Renault, Hauptversammlung
  • Großbritannien: Carnival, Halbjahreszahlen
  • USA: Oracle, Q4-Zahlen
  • Deutschland: Deutsche Börse Verfallstag „Hexensabbat“

Termine Konjunktur am 19. Juni 2020

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  • 08.00 Uhr, Großbritannien: Einzelhandelsumsatz 05/20
  • 08.00 Uhr, Deutschland: Erzeugerpreise 05/20
  • 08.00 Uhr, Deutschland: Statistisches Bundesamt zu Bevölkerung, Dezember 2019
  • 08.00 Uhr, Deutschland: Statistisches Bundesamt zu Umsatz im Gastgewerbe, April 2020
  • 10.00 Uhr, Italien: Leistungsbilanz 04/20
  • 10.00 Uhr, Europa: EZB Leistungsbilanz 04/20
  • 10.00 Uhr, Polen: Industrieproduktion 05/20
  • 10.00 Uhr, Polen: Erzeugerpreise 05/(20
  • 11.00 Uhr, Belgien: Verbrauchervertrauen 06/20
  • 12.30 Uhr, Russland: Zentralbank, Zinsentscheid
  • 14.30 Uhr, USA: Leistungsbilanz Q1/20
  • Europa: Moody's Ratingergebnis Zypern, Serbien

Sonstige Termine am 19. Juni 2020

  • Europa: Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs (online)
  • 08.00 Uhr, Deutschland: Online-Diskussion des TÜV „Wer digitalisiert die Arbeitswelt?“ mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD)
  • 10.00 Uhr, Deutschland: Fortsetzung Zivilprozess um Neckermann-Pleite aus dem Jahr 2012 mit einem Verkündungstermin (voraussichtlich ohne Urteil)
  • 12.00 Uhr, Deutschland: Pressekonferenz zum Abschluss der Innenministerkonferenz (IMK)
  • 12.00 Uhr, Deutschland: Bundesweite Protestaktion von Luftverkehrsbeschäftigten
  • 10.30 Uhr, Deutschland: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek stellt den neuen Innovationsbeauftragten „Grüner Wasserstoff“ vor
  • Deutschland: Debatte um Deutschlands Wasserstoff-Strategie -Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“ wird vorgestellt
  • Deutschland: Bundesweiter Digitaltag - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigt digitales soziales Leben in der Corona-Pandemie
  • Schweden und Finnland: Feiertag, Börsen geschlossen

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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