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Auktionen in LondonGarantierte Preise retten Sotheby's Ergebnis

Sotheby’s musste in London die Mindestpreise für moderne und zeitgenössische Kunst nach unten korrigieren. Die Goldenberg-Sammlung ließ sich jedoch gut absetzen.Stephanie Dieckvoss 27.06.2024 - 13:29 Uhr
Zdeněk Sýkoras ungegenständliches Gemälde „Linie Nr. 94“ wird für 900.000 Pfund zum Doppelten der unteren Taxe versteigert. Foto: Sotheby's

London. Das Gesamtergebnis der Londoner Auktionen für moderne und zeitgenössische Kunst überraschte nicht. Es zeigt eindeutig, dass sich ausgewählte Werke etablierter Künstler aus einer Sammlung mit individuellem Geschmack gut verkaufen. Es zeigt aber auch, dass in einem global schwierigen Umfeld Markennamen allein den Markt nicht tragen. Dafür ist dieser zu groß, zu unstet, und es gibt darin zu viel mittelmäßiges Angebot. Da werden vor allem Spekulanten nervös, und das zu Recht.

Der erfahrene Auktionator Oliver Barker begann die Londoner Abendauktion mit sechzehn Arbeiten aus der Sammlung des in London lebenden Amerikaners Ralph I. Goldenberg. Seine Sammlung ist eine Mischung aus Minimalismus, reduzierten Abstrakten Expressionisten und einigen zeitgenössischen Arbeiten. Sie überzeugte durch die ästhetische Qualität, und weil sie sich vor allem auf kleine Arbeiten – oftmals Ton in Ton — konzentriert. Kleine Arbeiten großer Künstler war wohl das Motto.

Preiserwartungen im Mittelfeld für die kleineren Formate motivierten etliche Bieter. Die Goldenberg-Sammlung brachte insgesamt 17,3 Millionen Pfund. Vor allem kleinformatige Skulpturen der bedeutenden Bildhauer des 20. Jahrhunderts fanden willige Käufer, darunter Alexander Calder, John Chamberlain, Cy Twombly und Alberto Giacometti.

Am Ende sind es die menschlichen Geschichten, die Kunst mitverkaufen

Calders „Animal Negro“ von 1955 machte den Auftakt. Das kleine Stabile stieg bei einer Schätzung von 150.000 bis 200.000 Pfund auf 348.000 Pfund. Twomblys Skulptur „By the Ionian Sea“ verkaufte sich für 2,2 Millionen Pfund weit über der Taxe. Die Papierarbeit „Formian Dreams + Actuality“ des gleichen Künstlers verdoppelte die Schätzung und brachte 2,5 Millionen Pfund. Insgesamt ein guter Abend für Werke von Cy Twombly.

Cy Twomblys Landsleute, die Amerikaner Robert Ryman und Robert Rauschenberg, hatten allerdings weniger Glück. Hier gingen die Arbeiten zurück. Da alle 16 Arbeiten eine Garantie hatten, bleiben sie bei Sotheby’s und müssen vom Haus an den Einlieferer bezahlt werden.

Goldenberg lebte bis zu seinem Tod in einem ultramodernen Haus des Architekten John Pawson im Herzen von London, das Pawson für die geschiedene Doris Lockhart Saatchi 1987 baute. Jeder, der die Vorbesichtigung sah, wünschte sich sicher, dort einmal gewesen zu sein. Gute Kunst, individueller Geschmack – am Ende sind es trotz Spekulation die menschlichen Geschichten, die Kunst mitverkaufen.

Auktionatorin Helena Newman, die die restlichen 36 Lose der Abendauktion verkaufen sollte, kämpfte teilweise. Sotheby’s konnte ein Gesamtergebnis von 84 Millionen Pfund im unteren Rahmen der Schätzung bei 93 Prozent verkaufter Lose nur durch weitere Garantien und nach unten korrigierte Reserven erzielen.

Ein gelbes monochromes Bild von Mark Grothjahn, geschätzt auf 800.000 bis 1,2 Millionen, verkaufte sich für 528.000 Pfund. Gustave Caillebottes Städteansicht von Trouville fand für günstige 660.000 Pfund, die Hälfte der unteren Taxe, einen neuen Eigentümer.

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Auch die sogenannten Toplose konnten wenig Begeisterung erzielen. Jean-Michel Basquiats „Portrait of the Artist as a Young Derelict“ wurde 2022 kurz vor der Auktion bei Christie’s in New York zurückgezogen. Die damals erwarteten 23,6 Millionen Pfund waren zu ambitioniert. Nun kam das Triptychon für 15 bis 20 Millionen Pfund zum Aufruf. Es verkaufte sich zum unteren Schätzpreis für brutto 16 Millionen Pfund.

Obwohl es laut Auskunft von Sotheby‘s keine Weltrekorde gab, so debütierte doch ein Bild des Tschechen Zdenek Sykora erfolgreich in einer Londoner Abendauktion. Das abstrakte Bild „Linie Nr. 94“ von 1992 ist ein frühes Beispiel von Computerkunst. Es verkaufte sich für 900.000 Pfund bei einer Taxe von 400.000 bis 600.000.

In London baut Sotheby's Stellen ab

Drei Lose waren vor der Auktion zurückgezogen worden, alles Arbeiten von Frauen: von Loie Hollowell, Emily Kame Kngwarreye und Tamara de Lempicka. Das Porträt von de Lempicka sollte sechs bis acht Millionen Pfund bringen. Tamara de Lempicka überrascht, da die drei Lose in der Tagesauktion Ergebnisse über den Erwartungen erzielten und das anhaltende Interesse an den Künstlerinnen des Surrealismus widerspiegeln.

Ebenfalls erfolgreich verkaufte sich in der Tagesauktion Marianne von Werefkins Bild „Die Erwartung“ aus den späten 1920er-Jahren, das komplett marktfrisch in der Auktion erschien und bei einer Schätzung von 200.000 bis 300.000 Pfund 420.000 Pfund einspielte. Ansonsten war es im Bereich der Moderne aus dem deutschen Raum allerdings rar.

Paula Rego erzielt 2,07 Millionen Pfund und liegt damit im Bereich des unteren Schätzwerts. Foto: Sotheby's

Doch insgesamt agierten die Käufer selektiv und preisbewusst. Die Nachfrage schwankt. Das Ergebnis ist fern einer Katastrophe. Doch in London baut Sotheby’s Stellen ab, in Asien hingegen auf. In Hongkong wurde das Team mit Elaine Holt, die bis 2023 noch bei Christie’s arbeitete, erweitert.

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Holt wird Chairman of Modern & Contemporary Art and Deputy Chairman von Sotheby’s Asien. Ihre Berufung reiht sich ein in die Erweiterungen der Auktionsstandorte sowohl in Hongkong als auch in Paris. Alles in allem wenig gute Zeichen für den Standort London.

Allerdings ist die Sommersaison noch nicht vorbei. Wenn auch Christie’s keine Abendauktion für das 20. und 21. Jahrhundert anbietet, so finden sich nächste Woche genügend interessante Lose, die in den Klassiker-Auktionen alter und dekorativer Kunst zum Aufruf kommen. Vielleicht wendet sich da das Blatt. Und wer keine Kunst, sondern eine exklusive Immobilie möchte, der kann für 6.75 Millionen Pfund Pawsons minimalistischen Traum erwerben.

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