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AnlagestrategieElektromobilität – Hoffnungsträger für Autoaktien?

Die Aktien von Autokonzernen und Zulieferern hinken dem Dax hinterher, doch mit der E-Mobilität könnte sich das ändern. Bei welchen Aktien Analysten das meiste Potenzial sehen.Andrea Cünnen 27.08.2020 - 03:54 Uhr

33 Milliarden Euro will der VW-Konzern bis zum Jahr 2025 in Forschung und Entwicklung zur Elektrifizierung stecken.

Foto: imago images/Hoch Zwei Stock/Angerer

Frankfurt. Ihre Zahlen waren erschreckend – und von Zuversicht ist unter den deutschen Autoherstellern und Zulieferern nichts zu spüren. Der Großteil der weltweiten Automobilproduktion pausierte im April, erst im Mai fuhren die Autobauer ihre Produktion wieder hoch. Das zeigte sich auch in den Ergebnissen der Branche. „Die Berichte zum zweiten Quartal spiegeln das volle Ausmaß des gleichzeitigen Angebots- und Nachfrageschocks deutlich wider“, sagt Markus Roß, Analyst bei der DZ Bank.

Volkswagen bilanzierte zwischen April und Juni mit 2,4 Milliarden Euro den größten operativen Verlust unter den 30 Dax-Firmen. Daimler erwirtschaftete im selben Zeitraum ein Minus von 1,7 Milliarden Euro, bei BMW waren es 666 Millionen, bei Continental 830 Millionen Euro.

In ihren vagen Ausblicken fürs Gesamtjahr setzen die Konzerne zwar auf eine Nachfrageerholung in der zweiten Jahreshälfte, aber deutlich dürfte diese nicht ausfallen. Die Zulieferer der Automobilindustrie, die der Branchenverband VDA gerade erst befragt hat, sind jedenfalls skeptisch. Die Hälfte der befragten Zulieferer rechnet damit, dass erst im Jahr 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreicht wird – jeder zehnte erwartet das sogar erst für das Jahr 2023.

Die Skepsis zeigt sich auch an der Börse. Seit Langem entwickeln sich die Aktien der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer schlechter als der Dax. Gründe dafür gab es bereits vor Corona: Der Dieselskandal, Diskussionen um Fahrverbote wegen zu hoher CO2-Belastungen und die Transformation der Branche hin zu Elektromobilität und autonomem Fahren belasten die Branche schon lange. Seit Jahresanfang liegen die Aktien der großen Autokonzerne – anders als der Dax – immer noch deutlich im Minus.

Dennoch gibt es zumindest ein Hoffnungszeichen, und das heißt E-Mobilität. Jürgen Pieper, Autoexperte beim Bankhaus Metzler hat dazu beeindruckende Zahlen parat: Im Juli lag in Deutschland der Marktanteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen bei Neukäufen von Pkws bei 22 Prozent. Das ist ein enormer Sprung: Im gesamten Jahr 2019 betrug der Anteil nur gut drei Prozent.

Ein Grund für die gestiegene Nachfrage sei die staatliche Kaufprämie für E-Autos und die Senkung der Mehrwertsteuer, meint Pieper. Vor allem aber seien Autokäufer in der Coronakrise für Themen wie Umweltschutz sensibilisiert worden. Und nicht nur Pieper glaubt, dass der Trend zu E-Mobilität anhalten wird.

Weltweit habe sich die Nachfrage nach E-Autos seit 2013 vervierzehnfacht, mit sieben Millionen Einheiten aber noch „erheblichen Raum für Wachstum“, sagt Guillaume Mascotto, Nachhaltigkeitschef beim US-Vermögensverwalter American Century Investments (ACI).

Gründe dafür gibt es laut Mascotto viele. Dazu zählt vor allem die politische Förderung der E-Mobilität: „In Europa tragen die EU-weite Senkung der CO2-Grenzwerte sowie nationale Regelungen zur steuerlichen und regulatorischen Bevorzugung von Elektroautos zum rapiden Wachstum des Marktes bei“. In China müssten Autohersteller inzwischen verpflichtend Elektroautos anbieten, um im Land überhaupt Geschäfte machen zu dürfen.

Dazu komme der technologische Fortschritt, der zu sinkenden Preisen führe und eine sich verbessernde Ladeinfrastruktur. „Inzwischen gibt es weltweit bereits über eine Million Ladesäulen. Diese Zahl dürfte in den nächsten Jahren „exponentiell wachsen“, meint Mascotto.

Nachfrage nach E-Autos steigt

Doch wird das den Autoherstellern wirklich helfen? Pieper meint: „Ja.“ Die Nachfrage nach Elektroautos und Hybridfahrzeugen werde weiter steigen, und davon sollten gerade auch die deutschen Autohersteller profitieren, die weltweit 85 Prozent des Marktes für hochwertige Autos bedienen.

Roß von der DZ Bank ist skeptischer: Der Aufwand für die Elektrifizierung der Modellpalette sei weiterhin „immens“ und schränke das Potenzial der Autokonzerne sichtbar ein. Auch Frank Biller, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, hat Zweifel: „Die Anlaufkosten für E-Mobilität schlagen ins Kontor, und die Wachstumsraten bei Elektrofahrzeugen können die rückläufigen Umsätze und Gewinne bei Diesel- und Benzinfahrzeugen nicht kompensieren.“

Mit Blick auf die Gewinnentwicklung der Autokonzerne räumt auch Pieper ein: Inwiefern und wann der erhöhte Absatz die Profitabilität der Autokonzerne steigern werde, „sei noch mit Fragezeichen zu versehen“. Dennoch dürfte ein höherer Absatz den Konzernen zumindest an der Börse helfen: Die Autobranche habe die Chance, seit Langem wieder einmal als innovative Wachstumsbranche gesehen zu werden, das lasse höhere Bewertungen zu.

Insgesamt geht Pieper zudem davon aus, dass die deutschen Autokonzerne und ihre Zulieferer im kommenden Jahr ihre Margen wieder deutlich auf im Schnitt sechs Prozent steigern werden, 2022 sollten sie mit 7,5 Prozent wieder über dem Niveau von 2019 liegen. Für das laufende Jahr erwartet Pieper einen Margeneinbruch auf 2,7 Prozent.

Unter den drei großen Autokonzernen sieht der Experte der Privatbank Metzler Pieper die größten Chancen bei Volkswagen. VW investiere unter den deutschen Autokonzernen mit Abstand am meisten in Forschung und Entwicklung mit dem klaren Ziel, in nur wenigen Jahren in puncto Elektromobilität weltweit die Nummer eins zu werden.

VW will Tesla überholen

Bis zum Jahr 2025 will Volkswagen als mit Abstand größer deutscher Autokonzern 33 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung für die Elektrifizierung der Flotte investieren. Das entspricht etwa 2,5 Prozent des Umsatzes. BMW plant mit acht Milliarden Euro, was laut Pieper zwei Prozent des bis 2025 erwarteten Umsatzes entspricht, bei Daimler sind es 15 Milliarden Euro entsprechend einem Umsatzanteil von 1,8 Prozent. Pieper hält das Ziel von VW, die Nummer eins bei E-Autos zu werden, für realistisch. Schon 2022 könne der Konzern eine Million Autos absetzen und damit den Elektroautopionier Tesla mit einem geschätzten Absatz von 700.000 Elektroautos übertreffen.

Auch andere Banken sprechen VW unter den drei großen deutschen Autokonzernen das größte Potenzial zu. Von den 29 Banken, die den Wert laut Informationsdienst Bloomberg covern, raten 24 zum Kaufen und nur fünf zum Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten mit Sicht auf die nächsten zwölf Monate liegt bei knapp 165 Euro und damit 19 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Chancen bei Zulieferern

Bei den Automobilzuliefern findet Pieper die Aktien von Hella besonders interessant. Der Konzern ist zwar vor allem als Scheinwerferspezialist bekannt, er zeichnet sich laut Pieper aber auch durch eine Vielzahl von Produkten für die Elektromobilität aus.

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So liegt ein Schwerpunkt des im MDax der 60 größten deutschen mittelgroßen Konzerne notierten Unternehmens auf der Entwicklung von Batteriemanagementsystemen, die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer von Akkus optimieren. Auch die Schweizer Großbank UBS sieht Hella unter den deutschen Autozulieferern wegen der großen Expertise bei der Elektromobilität am besten positioniert.

Potenzial sieht Pieper auch zudem beim erst vor zwei Jahren an die Börse gegangenen Batteriehersteller Akasol. Er zählt zu den wenigen Unternehmen, die sich ganz auf Leistungen für die Elektromobilität konzentrieren. Akasol baut fertige Lithium-Ionen-Batterien zu ganzen Batteriesystemen zusammen und sorgt für die Optimierung der Batterien. Die Aktie schwankt indes als kleinerer Wert besonders deutlich. Mit einem Jahresplus von rund 45 Prozent hat sie aber die etablierten Autozulieferer und die Autobauer an der Börse vorerst abgehängt.

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