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Kommentar In Zukunft wird es deutlich weniger Autozulieferer geben

So oder so wäre auf die Autoindustrie eine Konsolidierung zugekommen. Corona beschleunigt den Strukturwandel – und damit auch die Auslese im Zulieferersektor.
12.08.2020 - 04:07 Uhr Kommentieren
Coronakrise und Strukturwandel bringt Autozulieferer an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit. Quelle: Kostas Koufogiorgos
Doppelbelastung für Zulieferer

Coronakrise und Strukturwandel bringt Autozulieferer an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit.

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Kein Autozulieferer konnte sich auf so etwas wie die Coronakrise vorbereiten. Als sie Mitte März über die Unternehmen in Deutschland und der ganzen Welt hereinbrach, standen fast alle Auto- und Zuliefererwerke still. Seitdem verdient kein Zulieferer Geld.

Allerhöchstens die großen – Continental, Bosch und ZF Friedrichshafen – werden mit ein wenig Glück das Autohorrorjahr 2020 mit kleinen Gewinnen überstehen. Für die zahlreichen kleinen und mittelständischen Zulieferer aber wird es wahrscheinlich nicht so gut ausgehen. Schuld daran ist aber nicht nur das Coronavirus. Einige Unternehmen – wie zum Beispiel die Eisenmann-Gruppe, die wegen fehlender Käufer nun zerschlagen wird – haben sich mit hausgemachten Problemen selbst in diese hoffnungslose Lage manövriert.

Noch verstecken sich viele von ihnen unter dem staatlichen Schutzmantel. Kurzarbeit, Bürgschaften und die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht verhindern flächendeckende Pleiten. Nicht alle, aber viele sind dennoch angezählt. Branchenexperten sind sich schon jetzt sicher: Fällt die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, beginnt ein langer Sterbeprozess im Zulieferersektor, der gut zwei Jahre anhalten kann.

Vergleiche mit der Finanzkrise vor zwölf Jahren machen keinen Sinn. Auch damals erlebte die Autoindustrie einen schlagartigen Einbruch, etwa 80 Zulieferer in Deutschland gingen pleite. Dann aber setzte eine schnelle Erholung ein und die Betriebe verdienten wieder gutes Geld – und zwar fast zehn Jahre lang. Die ganze Welt lobte den deutschen Mittelstand.

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    Corona ist anders. Die Viruspandemie lässt sich nicht allein mit staatlichen Geldern bekämpfen. Und im Krisenjahr 2020 befindet sich die Autoindustrie in einer völlig anderen Ausgangslage.

    Große Zulieferer kommen mit blauem Auge davon

    Mit dem berühmten „V“ in der konjunkturellen Entwicklung wie nach der Finanzkrise rechnet kaum einer. Gleichzeitig steckt die Branche mitten im Strukturwandel. Autobauer und Zulieferer müssen Milliarden in ein zukunftsfähiges Produktportfolio investieren, Elektro- statt Verbrennungsmotoren bauen, Software programmieren statt mechanische Komponenten konstruieren.

    Und es ist nicht nur die Coronalast selbst, die nun obendrauf kommt. Die Viruspandemie wirkt wie ein Katalysator für den Wandel in der Autoindustrie. Das lässt sich eindrucksvoll an den steigenden Verkaufszahlen von Tesla erkennen und an den Zulassungszahlen in Deutschland im Juni. Die Elektrifizierung und die zunehmende Digitalisierung der Autoindustrie finden jetzt statt und nicht – wie vor Corona angenommen – erst in ein paar Jahren.

    Das bringt selbst Continental, Bosch und Co. an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit. Mit strengeren Sparprogrammen und Arbeitszeitverkürzungen versuchen sie, durch die Krise zu kommen. Am Ende werden sie wahrscheinlich mit einem blauen Auge davonkommen.

    In der zweiten und dritten Reihe der Zulieferer aber sieht es anders aus. Sie wird sich in zwei Gruppen aufteilen: die einen, die früh genug in neue Technologien investiert haben, um sich auf den Wandel vom Verbrennungs- zum Elektromotor vorzubereiten. Zu dieser Gruppe zählt zum Beispiel Elring-Klinger.

    Der Spezialist für Motordichtungen hat früh genug erkannt, dass ihm im Zuge der Elektromobilität das Geschäft langfristig wegbrechen könnte, und in die Zukunft investiert. Das SDax-Unternehmen hat eine höhere Verschuldung in Kauf genommen, nur um jetzt noch mehr Schulden anhäufen zu müssen, um die Coronakrise zu überstehen.

    Banken werden bei Kreditvergabe vorsichtiger

    Die andere Gruppe der kleineren Zulieferer hingegen hat den Strukturwandel verschlafen. In Deutschland gibt es noch etliche Unternehmen, die zum Beispiel ausschließlich Motorblöcke gießen oder Zylinderköpfe herstellen. Beides wird in Zukunft nicht mehr in den Mengen benötigt, wenn die Zahl der Elektroautos steigt.

    Das heißt: Unter den Autozulieferern gibt es Unternehmen, die zahlungsfähig sind und ein zukunftsfestes Produktportfolio aufbauen, sich jetzt aber wegen Corona stärker verschulden müssen als angenommen. Und es gibt die „Zombiefirmen“.

    Bei ihnen überlagern sich Coronakrise und Strukturwandel. Sie sind dringend auf neue Kredite angewiesen, um diese Doppelbelastung zu überstehen – doch sie werden keine bekommen.

    Denn längst drohen den Banken selbst wegen Kreditausfällen hohe Verluste. Die Unternehmensberatung Accenture rechnet damit, dass europäische Banken allein in diesem Jahr Kredite in Höhe von 415 Milliarden Euro abschreiben müssen. Für diejenigen Unternehmen, die bislang keine großen Anstrengungen in Richtung Elektromobilität vorgenommen haben, sind die Tage wohl gezählt.

    Was nicht falsch verstanden werden darf: Das, was die Zuliefererbranche derzeit erlebt, wäre ohnehin passiert. Konstruktionsbedingt verkürzt sich die Wertschöpfungskette in Zeiten der Elektromobilität. Die Motoren benötigen deutlich weniger Komponenten als Verbrenneraggregate. So oder so wäre es auf eine Konsolidierung im Zulieferersektor hinausgelaufen.

    Corona sorgt letztlich nur für eine Art beschleunigten Strukturwandel. Deswegen wird es auch keine schlagartige Insolvenzwelle geben, sondern eine kontinuierliche Auslese in den kommenden zwei Jahren – und wenn die Prognosen der Experten stimmen, wird es in Deutschland dann rund 100 Zulieferer weniger geben.

    Mehr: Ratingagenturen nehmen die Zukunftsfähigkeit des Sektors unter die Lupe. Für kleine und mittelständische Unternehmen beginnt der Überlebenskampf.

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