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Die neuen Zwanziger

Kommentar Gegen Teslas Expansionsdrang kommen die deutschen Autobauer nur gemeinsam an

Der E-Gigant Tesla bedroht nun auch die Vormachtstellung von VW und Co. auf dem heimischen Markt. Um das zu verhindern, müssen die Autobauer Bündnisse eingehen.
03.04.2020 - 15:59 Uhr Kommentieren

Die Zeiten, in denen wir Volkswagen und Co. mit fast schon unterwürfiger Ehrerbietung glorifizierten, sind vorbei. Mit der Dieselaffäre hat sich die Automobilbranche selbstverschuldet in eine tiefe Vertrauenskrise manövriert und muss seitdem Schadensbegrenzung betreiben. Gleichzeitig steht die gesamte Branche nicht erst seit den folgenreichen Produktionsstopps infolge des Coronavirus vor Herausforderungen, die einen mindestens genauso massiven Kraftakt erfordern wie die Aufarbeitung der Dieselkrise.

Die elektrifizierte Zukunft ist beschlossene Sache, das autonome Fahren kein Wunschdenken mehr. Und Deutschlands Schlüsselbranche läuft dabei Gefahr, den Anschluss zu verlieren – und damit den Wohlstand des gesamten Wirtschaftsstandortes zu verschleifen.

Ein Weiter-so der Branche wäre fatal. Jetzt ist es an den Konzernlenkern, ihre Strategien neu zu justieren – und Zusammenarbeit mit Konkurrenten als Schlüsselfrage des beginnenden Jahrzehnts zu definieren. Zu groß sind die Herausforderungen, als dass ein Unternehmen sie im Alleingang stemmen könnte.

Zu fortgeschritten ist die Konkurrenz aus Übersee, als dass ein Unternehmen den Innovationsstau allein bewältigen könnte. Es bedarf gemeinsamer Lösungen. Die Konzerne müssen ihren Rivalitätsdrang bändigen. Gemeinsamkeit statt Einsamkeit. Kooperation statt Provokation.

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    Das hat weder etwas mit einer verträumten Kuschel-Wirtschaft noch mit einem Abschied von der Marktwirtschaft zu tun. Es ist nichts anderes als eine Überlebensstrategie gemäß dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und der große Widersacher der deutschen Autobauer thront gerade nicht in Wolfsburg oder Stuttgart, sondern im Silicon Valley.

    Während die hiesigen Konzerne zu lange den Verbrennungsmotor als alternativlosen Antrieb fetischisiert haben, hat sich Tesla schon früh auf Elektromobilität spezialisiert. Heute ist Elon Musks Tech-Schmiede im E-Segment die unangefochtene Nummer eins – und bedroht mit ihren Gigafactory-Plänen die Vormachtstellung von Volkswagen und Co. auf dem heimischen Markt. Selbst in der Coronakrise überraschen die Kalifornier mit einer starken Fahrzeug-Auslieferung. Die Gefahr, von Tesla zerrieben zu werden, ist real.

    Ein marktwirtschaftliches Armageddon?

    Die Google-Mutter Alphabet ist ein weiterer Herausforderer aus dem Silicon Valley, der das Geschäft der deutschen Autobauer bedroht. Sie setzt mit Android Automotive Maßstäbe in Sachen Vernetzung. Und ohne Vernetzung würde das autonome Fahren enden wie eine Runde Autoscouter auf der Kirmes. Die Entwicklungen der US-amerikanischen Konkurrenz aus Kaliforniens Ideenwerkstatt sind so weit fortgeschritten, dass die deutschen Autobauer ihre Kompetenzen und Synergien bündeln müssen.

    Durch mehr Kooperationen wird unsere Wirtschaftsordnung nicht untergehen. Über der Automobilbranche der Zukunft wird keine pseudoplanwirtschaftliche Instanz schweben, die die Konzernlenker ihrer Entscheidungen beraubt. Die Konkurrenz als Triebfeder der Marktwirtschaft wird erhalten bleiben. Noch immer werden BMW und Daimler darum kämpfen, wer mehr Premiumfahrzeuge verkauft.

    Träte mit unternehmerischen Kooperationen das marktwirtschaftliche Armageddon ein, hätten wir die ersten Anzeichen schon längst erlebt. Denn die ersten Autobauer sind bereits Allianzen eingegangen. Volkswagen und Ford kooperieren im Bereich E-Mobilität. Volkswagen, BMW und Daimler sprechen über gemeinsame Bemühungen beim autonomen Fahren. Und gemeinsam mit dem IT-Konzern Amazon will Volkswagen das Auto vernetzen.

    Den Unternehmen ist also klar: Mit Kooperationen lassen sich Milliarden im Forschungsbereich einsparen. Ein erster Schritt. Hier müssen sie weiter ansetzen und gemeinsame Forschungen bei den Zukunftsthemen weiter ausbauen.

    Zusammenarbeit als ein Instrument vollkommener Eigennützigkeit ist für die Autobauer der Schlüssel, um ihre Versäumnisse zu aufzuholen und im Rennen mit ihren neuen Rivalen aus dem Silicon Valley aufzuholen.

    Denn Tesla und Co. werden auch in Zukunft auf stetige Innovationen setzen und ihr Tempo weiter erhöhen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird es der Industrie danken, wenn sie solche Bündnisse eingeht. Denn ohne die Autobranche können wir unseren Wohlstand nicht erhalten.

    Mehr: Oft vergleichen wir das kommende Jahrzehnt mit seinem Pendant vor 100 Jahren. Doch machen die Analogien wirklich Sinn? Zehn Kommentare blicken auf kommende Herausforderungen.

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