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Morning Briefing Impf-Enttäuschung für Teenager

28.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

aus dem „Gipfel der Zuversicht“ der obersten Corona-Bekämpfer aus Bund und Ländern ist ein „Gipfel der Nachsicht“ für Jens Spahn geworden. Wenig blieb übrig von den Ankündigungen des CDU-Gesundheitsministers, alle Kinder und Jugendliche ab zwölf sollten bis Ende August ein Impfangebot erhalten, es könnten dafür Vakzine reserviert werden.

Nach den komplizierten Gesprächen heißt es lediglich, der Nachwuchs könne sich nach einer Zulassung vom 7. Juni an bei Ärzten um einen Impftermin bemühen. Das aber tun noch viele andere im Land. Kanzlerin Angela Merkel stellte nach der verirrten Spahn-Kampagne vorsorglich fest, ein sicherer Schulbetrieb sei unabhängig davon zu gewährleisten, wie viele Pennäler sich impfen lassen.

Das Thema Belarus und die erzwungene Landung einer Ryanair-Maschine mit einem oppositionellen Blogger an Bord zieht weiter politische Kreise. Immer deutlicher wird, dass der Minsker Diktator Alexander Lukaschenko, dessen Auftritt etwas Operettenhaftes an sich hat, vom Kreml gestützt wird. Jedenfalls verweigert Russland schon mal Fluggenehmigungen für westliche Airlines, die auf dem Weg nach Moskau den belarussischen Luftraum vermeiden wollen.

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    Lufthansa-Tochter Austrian Airlines musste deshalb ihren Linienflug von Wien in die russische Hauptstadt absagen. Zuvor hatte bereits Air France den Hinflug nach Moskau und den Rückflug nach Paris gestrichen – weil eine „neue Genehmigung der russischen Behörden zur Einreise in ihr Hoheitsgebiet“ nötig sei.

    Unterdessen beraten die EU-Außenminister über harte Wirtschaftssanktionen gegen Belarus. Das dort reichlich abgebaute Mineral Kalium sowie Öl sollen nicht mehr wie gehabt abgenommen werden. Die Sanktionspolitik würde auch jene 350 deutschen Firmen wie Siemens oder Bosch treffen, die viel Handel mit Lukaschenkos Land treiben. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn: „Hier wollen wir ganz strenge Gegenmaßnahmen treffen, um dieses Regime in die Schranken zu weisen. Das kostet auch ein wenig Opfer von der westlichen Seite.“

    Quelle: obs
    Das Lieferkettengesetz soll Kinderarbeit, Umweltzerstörung und Ausbeutung eindämmen.
    (Foto: obs)

    Ihren Dauerstreit um das Lieferkettengesetz, das im schönsten Newspeak „Sorgfaltspflichtengesetz“ heißt, haben Union und SPD doch noch beigelegtund neuen Streit mit Wirtschaftsverbänden entzündet. Durch das Paragraphenwerk sollen Kinderarbeit, Umweltzerstörung und Ausbeutung bei der globalen Warenproduktion eingedämmt werden. Aber auch die Tatsache, dass CDU/CSU explizit ausschließen ließen, dass Firmen für Menschenrechtsvergehen zivilrechtlich belangt werden können, reicht den Interessensvertretern nicht.

    In „Bild“ spricht Oliver Zander vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall von einer „Katastrophe für die deutsche Wirtschaft“. Wenn die Union dem zustimme, werde sie „für viele Mittelständler zu einer unwählbaren Partei“. Und: Das sei „das dümmste Gesetz, das von der großen Koalition verabschiedet wurde.“ Mit Shakespeare sagen wir: „Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, dass er ein Narr ist.“

    Ein Brandmal der jüngeren französischen Geschichte ist die frühere Unterstützung unter Präsident François Mitterrand für das Regime extremistischer Hutu in Ruanda. In dem Land waren 1994 mindestens 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutus getötet worden. Bei einem Besuch in Ruanda hat Staatspräsident Emmanuel Macron eine politische Verantwortung eingeräumt: „Frankreich hat zu lange geschwiegen.“

    Es habe vermieden, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen und „jenen Anteil am Leiden anzuerkennen, den es den Menschen zugefügt hat.“ Eine große Geste, fast so wie Willy Brandts Kniefall in Warschau 1970.

    Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Das Land der Anderen“ von Leila Slimani, eine hinreißend geschriebene Annäherung der in Frankreich hoch geschätzten Erfolgsautorin an ihre Kindheit in Marokko. Erzählt wird in diesem Roman, Teil eins einer Trilogie, die Ehe einer Elsässerin und eines marokkanischen Offiziers, der für Frankeich im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte. Die beiden lassen sich zu Beginn der 1950er-Jahre auf einem abgelegenen Hof im Maghreb nieder, in der Nähe von Meknès.

    Vor dem Leser rollt eine Zustandsbeschreibung des real existierenden Kolonialismus ab, mit seinen Privilegien, Launen und Ungerechtigkeiten. Am kommenden Dienstag gibt es dazu im Münchener Literaturhaus eine gestreamte Lesung.

    Quelle: Thomas Kuhlenbeck
    Nicht allein die Uhrzeit ist beim Aufstehen entscheidend – es geht auch darum, danach das Richtige zu tun.
    (Foto: Thomas Kuhlenbeck)

    Was machen Sie früh morgens? Sie schmunzeln vielleicht ein-, zweimal bei diesem Morning Briefing, sagen sich: „Das habe ich ja gar nicht gewusst“, lesen später Zeitung, frühstücken mit der Familie. Sechs Uhr, morgens in Deutschland.

    Was machen wichtige Führungskräfte zu dieser Uhrzeit? Man hat ja seit der Pandemie das Pendeln als Zeitpuffer verloren und steht generell sehr früh auf. Adidas-Chef Kasper Rorsted rennt dann die Treppen des Firmenparkhauses in Herzogenaurach hoch und runter, DB-Schenker-Personalmanagerin Christa Stienen meditiert, Siemens-Energy-Manager Tim Holt in Orlando führt Tagebuch („Journaling“).

    „Morgenroutinen sind wichtig, weil sie uns ermöglichen, den Tag mit einer klaren Absicht zu starten“, sagt Benjamin Spall, Gründer von MyMorningRoutine.com. In unserem großen Wochenendreport gehen wir den Ritualen in der Frühe nach.

    Das Wichtigste ist, dass der gute Morgen mit einem guten Abend davor beginntdas ist die Einsicht der US-Publizistin Arianna Huffington, die sich mit meinen Kollegen Sebastian Matthes und Christian Rickens unterhalten hat. Die Gründerin der Online-Publikation „Huffington Post“ hat den gesunden Schlaf – nach vielen ungesunden Arbeitstagen – als Lebensthema entdeckt. Die 70-jährige Bestseller-Autorin und Beraterin sagt über

    • die Stunden vor dem Schlaf: „Abends auf einen Bildschirm zu starren, stimuliert das Gehirn und man merkt nicht, wie müde man eigentlich ist. Lesen hilft dagegen dabei, das Gehirn langsam herunterzufahren.“
    • den Zeitpunkt, wann ihr Wecker klingelt: „Zu keiner festen Zeit, sondern acht Stunden nachdem ich mich schlafen gelegt habe. Das ist die Menge Schlaf, die ich benötige. Deshalb wache ich meist auch ohne Wecker auf, der dient nur zur Sicherheit. Für die meisten Menschen liegt diese optimale Schlafmenge zwischen sieben und neun Stunden.“
    • die Folgen von Corona: „Die wenigsten sind geübt darin, auch im Homeoffice eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Die Pandemie macht uns deutlich, wie wichtig eine solche Grenze ist, wenn wir nicht einen Burn-out riskieren wollen.“

    Schon George Orwell wusste: „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“

    Und dann ist da noch VW-Vorstandschef Herbert Diess, der sich mit dem Automobilverband VDA ums Geld streitet. Der Manager wendet sich, so „Business Insider“, gegen eine geplante Beitragserhöhung. Sie soll von 635 Firmen statt knapp sechs Millionen Euro jährlich künftig 18 Millionen bringen – ein Ausdruck der Not, weil das Messegeschäft rund um die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) kollabierte. Diess weist den Ruf nach mehr Geld in einem Brief an VDA-Chefin Hildegard Müller zurück.

    VW hätte sich doch sehr gewünscht, dass der VDA „in dieser speziellen Situation erst einmal alle Ausgaben auf den Prüfstand stellt, jede Möglichkeit zur Kostenreduzierung identifiziert, bevor über eine Erhöhung der Einnahmen diskutiert wird.“ Das klingt, als wolle Diess schon bald die Kavallerie seiner Controller von Wolfsburg nach Berlin zum Verbandssitz schicken.

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende, verbunden mit der Hoffnung, das angekündigte Hoch „Waltraud“ möge sich doch wirklich bald durchsetzen.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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