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Start-up-Szene Warum manche Start-ups besser durch die Krise kommen

Es gibt durchaus Gründer, die auch in Corona-Zeiten Geld von Investoren bekommen. Nicht jedes bereitstehende Hilfspaket wird komplett ausgeschöpft.
23.05.2020 - 15:05 Uhr Kommentieren
Das Start-up vermittelt Reiseerlebnisse – ein Geschäft, das mit den weltweiten Grenzschließungen fast gänzlich zum Erliegen gekommen ist. Doch die Kasse ist gut gefüllt. Quelle: GetYourGuide
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Das Start-up vermittelt Reiseerlebnisse – ein Geschäft, das mit den weltweiten Grenzschließungen fast gänzlich zum Erliegen gekommen ist. Doch die Kasse ist gut gefüllt.

(Foto: GetYourGuide)

Hamburg Johannes Reck sprüht nur so vor Motivation. „Produktiver und lebendiger als je zuvor“ laufe die Arbeit in der Coronakrise, berichtete der Gründer von GetYourGuide vor einigen Tagen bei einem virtuellen Gründertreffen. Dabei ist GetYourGuide so hart von der Coronakrise getroffen wie kaum ein anderes großes deutsches Start-up.

Die Berliner vermitteln Reiseerlebnisse – ein Geschäft, das mit den weltweiten Grenzschließungen fast gänzlich zum Erliegen gekommen ist. Doch offenbar kommt GetYourGuide mit der Situation dank einer gut gefüllten Kasse zurecht.

Das 2009 gegründete Unternehmen ist kein Einzelfall. Es deutet mittlerweile einiges darauf hin, dass die deutsche Start-up-Szene und ihre Geldgeber schneller und glimpflicher aus der Krise kommen als viele andere Wirtschaftszweige – trotz der anfänglich großen und lautstark geäußerten Sorgen.

Zum einen sind anders als ursprünglich befürchtet neue Finanzierungsrunden und Risikokapitalfonds in den vergangenen Wochen nachweislich nicht komplett eingestellt worden. Zum anderen kommen die versprochenen staatlichen Start-up-Hilfen inzwischen in Gang, ohne einen großen Ansturm auszulösen.

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    Weshalb sich innovative und wachstumsorientierte Start-ups besser an die Coronakrise anpassen könne als etablierten Unternehmen zeigt der Fall GetYourGuide fast idealtypisch. Anders als traditionsreiche Reiseunternehmen wie Tui und Condor, die schnell ins Taumeln gerieten, finanziert GetYourGuide sein Tagesgeschäft zu einem großen Teil nicht aus den täglichen Umsätzen, sondern aus der eigenen Geldreserve.

    Stolze 484 Millionen Dollar hat Gründer Reck erst vor einem Jahr von Investoren wie Softbank bekommen. Der Großteil des Geldes dient dazu, GetYourGuide bereit für einen Börsengang zu machen. Diesen Plan kann Reck nun einfach in die Länge ziehen.

    Ursprünglich sollte es bereits in etwa 18 Monaten so weit sein – nun plant Reck mit zwei bis drei Jahren Verzögerung. Diese müssten „möglichst produktiv und kostenschonend überbrückt werden“, sagt er. Dabei hilft in der akuten Krise, wie bei etablierten Unternehmen, die Kurzarbeit. Zugleich kann Reck beim Marketing sparen.

    Die Entwicklungsarbeit läuft derweil weiter: Sein Team verbessert etwa die Suchfunktion und die Trip-Planung. Damit könne GetYourGuide gestärkt aus der Krise zurückkommen, hofft Reck. Bis 2023 reiche das Geld so in jedem Fall, sagt er. Länger dauert kein Szenario zur Coronakrise.

    Neue Normalität nach dem Hype

    Sogar als Geldgeber betätigt sich Reck nebenbei. Trotz der Krise hat er privates Geld in das Ingolstädter Start-up Arculus gesteckt, das gerade daran arbeitet, das Fließband in Autofabriken durch selbstfahrende Roboter zu ersetzen. 16 Millionen Euro fließen von unterschiedlichen Investoren an das junge Unternehmen, das der Autobranche in der Rezession beim Sparen helfen will.

    Ähnliche Runden meldet trotz der Krise eine ganze Reihe von Gründern. Noch gibt es von den üblichen Statistik-Anbietern wie Dealroom.co und EY keine harten Zahlen, doch offenbar bleiben bislang nur die ganz großen Finanzierungsrunden aus. „Die Lage ist weniger dramatisch als zunächst gedacht – aber es gibt trotzdem oft kurzfristigen Hilfsbedarf“, sagt der Chef des Marktforschers Dealroom.co, Yoram Wijngaarde.

    Zwar sei die Zahl der Finanzierungsrunden bis Ende April stabil geblieben, doch in den kommenden Monaten könnten die Bewertungen sinken. Das allerdings könnte auch eine heilsame Korrektur im vor der Krise überhitzten Start-up-Markt sein. 6,7 Milliarden Euro Risikokapital flossen allein 2019 an deutsche Start-ups – eine Rekordsumme.

    Bei Megadeals wie 2019 bei GetYourGuide sind meist Amerikaner und Asiaten als Investoren beteiligt, die derzeit wegen der Reisewarnungen die Gründer nicht persönlich in Augenschein nehmen können und daher kein Geld lockermachen. Doch die anfängliche Sorge der deutschen Szene legt sich, dass sich die Übersee-Investoren wie einst nach dem Platzen des Neuen Markts komplett aus Europa zurückziehen.

    Grafik

    Schließlich kommt das Ökosystem in Berlin, München und London bislang gut durch die Krise. Und anders als anfangs erwartet ist Europa von der Corona-Pandemie nicht schlimmer betroffen als die USA. Im Gegenteil, Deutschland gilt derzeit in Teilen der USA als Corona-Musterland. Sobald die Interkontinentalflüge wieder regelmäßig starten, dürften die Investoren also zurückkommen.

    In Deutschland gehen sogar in der Krise neue Fonds an den Start: Im Mai kündigte der japanische Finanzkonzern SBI an, einen 200 Millionen Euro großen Fonds für Industrie-Start-ups in Berlin auflegen zu wollen. In München will der neue Risikokapitalgeber Vsquared 65 Millionen Euro in Deep Tech stecken, also in junge Unternehmen, bei denen die Technologie an sich im Mittelpunkt steht.„Der Markt war vor der Krise überhitzt. Jetzt bereitet er sich auf eine neue Normalität vor“, sagt Peter Lennartz, Partner beim Berater EY. Vor allem von Unternehmen und wohlhabenden Familien dürfte weniger Geld fließen. Das bedeutet, dass Risikokapitalfonds wieder stärker auf die Qualität der Gründer achten müssen und die zuletzt überhöhten Bewertungen auf ein Normalmaß sinken.

    Das könnte neue Chancen für deutsche Business Angels bieten, die zuletzt finanziell nicht mithalten konnten. „Der Hype ist raus – aber das finden viele gar nicht so schlecht. Die Stimmung wendet sich wieder zum Positiven“, sagt Lennartz.

    Hilfspaket nicht ausgeschöpft
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