RWE, Eon, Uniper & Co.: Diese Erfolge hat die Energiebranche 2023 verzeichnet
Düsseldorf. Nach dem Krisenjahr 2022 kamen in den vergangenen zwölf Monaten diverse Erfolgsmeldungen aus der Energiebranche. Klimaneutral erzeugter Strom hat im abgelaufenen Jahr erstmals mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Immerhin funktionierten Genehmigungen für Wind- und Solarparks sehr oft schon deutlich schneller als früher.
Außerdem hat die Bundesregierung den Startschuss für das Wasserstoffkernnetz gegeben, das als Grundlage gilt, um Deutschlands energieintensive Industrie zu dekarbonisieren. Und auch die deutschen Energiekonzerne konnten sich über gute Geschäftszahlen freuen.
Allerdings steht die Erneuerbaren-Branche vor gravierenden Herausforderungen. Der deutsche Kohleausstieg ist zwar beschlossen – hängt aber maßgeblich an einer Strategie für mehr alternative Energiegewinnung, die die Bundesregierung noch immer nicht vorgelegt hat. Ein Blick auf die Bilanz des vergangenen Jahres – und die Notwendigkeiten des kommenden.
Gewinne für RWE, Eon, Uniper
Deutschlands bekannteste Energieunternehmen blicken auf ein vergleichsweise erfolgreiches Jahr zurück. So haben gute Geschäfte mit Stromerzeugung und -handel dem Energiekonzern RWE in den ersten neun Monaten 2023 ein bereinigtes Nettoergebnis von 3,4 Milliarden Euro eingebracht – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Bei Eon lag der bereinigte Konzernüberschuss in den ersten drei Quartalen bei 2,9 Milliarden Euro und somit 38 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die Ergebnisse haben sich in beiden Geschäftsbereichen – Netzbetrieb und Kundenlösungen – verbessert.
Auch das Düsseldorfer Unternehmen Uniper, das als Krisenkonzern die Schlagzeilen des Jahres 2022 geprägt hatte und vom Staat vor einer Pleite bewahrt werden musste, fuhr zuletzt Rekordgewinne ein. Der bereinigte Konzernüberschuss ist in den ersten neun Monaten auf 3,7 Milliarden Euro gestiegen, nachdem er im Vorjahr bei minus 3,4 Milliarden gelegen hatte. Uniper profitierte von den gesunkenen Gaspreisen, weil das Unternehmen jetzt wieder Gas günstiger einkaufen als verkaufen kann.
Die Windkraft in der Krise
Weniger positiv sind die Aussichten für einige Akteure der Erneuerbaren-Branche. Trotz boomender Nachfrage ist die europäische Windindustrie auf staatliche Unterstützung angewiesen. Dieses Jahr war deswegen trotz höherer Ausbauzahlen kein gutes Jahr für die Hersteller.
Am schlimmsten hat es den Energietechnikspezialisten Siemens Energy mit seiner Windtochter Gamesa getroffen. Das Unternehmen musste sogar mit staatlichen Bürgschaften gerettet werden. Vom Bund gibt es Garantien in Höhe von 7,5 Milliarden Euro, Banken und Großaktionär Siemens beteiligen sich ebenfalls an der Rettungsaktion. Insgesamt geht es um knapp 15 Milliarden Euro.
Der Turbinenhersteller Siemens Gamesa hatte zwar die größten Probleme, aber er steht für die Entwicklung einer ganzen Branche. Wegen Inflation, steigender Zinsen, eines harten Preiskampfs und eines kapitalintensiven Technologiewettrennens verdient gerade keiner der großen Turbinenhersteller Geld.
Diese Probleme treffen auch Windparkplaner, insbesondere im Offshore-Bereich. Hier hat zum Beispiel der Konzern Vattenfall ein Megaprojekt gestoppt – die Parks haben sich unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr gerechnet.
Zwischen den Ausbauzielen für Windkraft und den Produktionskapazitäten klafft eine enorme Lücke. Aktuell werden in Europa, dem zweitgrößten Windenergiemarkt der Welt nach China, Offshore-Windturbinen mit einer Kapazität von sieben Gigawatt pro Jahr produziert. Um die Nachfrage zu decken, müssten die Kapazitäten aber auf 20 Gigawatt ausgebaut werden.
Um diese Lücke zu schließen, hat die Europäische Kommission jüngst ein Hilfspaket für die heimische Windkraft ausgearbeitet. Es umfasst unter anderem beschleunigte Genehmigungsverfahren, verbesserte Auktionssysteme und Leitlinien der Europäischen Investitionsbank, die es Banken erleichtern sollen, kapitalintensive Windprojekte mit Krediten abzusichern.
Solarboom ohne Wirkung
In diesem Jahr übertrifft die Solarindustrie erstmals seit Langem wieder das gesetzte Ausbauziel. Die vorgesehenen neun Gigawatt waren schon Ende August erreicht. Die heimische Industrie hat davon allerdings wenig. Aktuell kommen über 90 Prozent aller hierzulande verbauten Module aus China.
Die Preise für Solarmodule sind innerhalb kürzester Zeit dramatisch gefallen. Vor allem europäische Produzenten können mit den Billigpreisen aus China aktuell nicht mithalten. Hersteller aus der Volksrepublik verkauften ihre Module in Europa um bis zu 50 Prozent unter den Produktionskosten, kritisiert die Solarbranche.
Die Branche fordert konkret, dass in Auktionen, in denen Fördergelder für große Solarparks verteilt werden, künftig nicht einfach der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält. Im Gespräch ist beispielsweise, dass alle, die Fördergelder vom Staat erhalten wollen, einen Mindestanteil ihres Solarmoduls in Europa fertigen müssen.
Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte Mitte Dezember dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er wolle zwar hiesige Hersteller im Kampf gegen die chinesische Konkurrenz unterstützen. Aber durch die Haushaltskrise würden die Subventionspläne in der Photovoltaik „geschmälert“.
Warten auf eine Kraftwerksstrategie
Für die Energiewende ist auch maßgeblich, dass der großflächige Kohleausstieg tatsächlich wie geplant bis 2030 beziehungsweise 2038 in Ostdeutschland gelingt.
Das aber ist nur möglich, wenn bis dahin genügend sichere Stromproduktionskapazitäten zur Verfügung stehen. Momentan stellen viele Kohle- und einige Gaskraftwerke in Deutschland sicher, dass auch an wind- und sonnenarmen Tagen in Deutschland genügend Strom im Netz ist.
Fallen die Kohlekraftwerke weg, sollen zahlreiche neue, perspektivisch wasserstofffähige Gaskraftwerke diese Rolle übernehmen. Unternehmen wollen aber nur in den Bau neuer Gaskraftwerke investieren, wenn diese sich auch rechnen. Und dafür ist staatliche Unterstützung notwendig, weil die Kraftwerke, die ja nur als Back-up gedacht sind, nicht genügend Stunden laufen dürften, um wirtschaftlich zu sein.
Die Branche wartet deshalb seit Monaten auf eine lang angekündigte Kraftwerksstrategie vom Bund. Ohne sie droht 2030 eine Stromversorgungslücke von zehn Gigawatt, zeigte jüngst eine Studie der Energiemarktberatung Aurora Energy Research. Dieses Problem anzugehen, wird eine der entscheidenden Aufgaben für 2024 sein.
Erstpublikation: 27.12.2023, 12:33 Uhr.