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Machtkampf bei VWVolkswagen-Chef Herbert Diess: „Will Vertrag bis 2023 erfüllen“

Konzernchef Herbert Diess gibt sich im Machtkampf versöhnlich. Seinen laufenden Vertrag werde er erfüllen – und mit Betriebsratschef Bernd Osterloh zusammenarbeiten.Stefan Menzel 04.12.2020 - 16:56 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Konzernchef sendet versöhnliche Signale.

Foto: Reuters

Wolfsburg. Volkswagen-Chef Herbert Diess rechnet in der Debatte über die Besetzung von Spitzenjobs bei dem Autobauer mit einer baldigen Lösung. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen eine Entscheidung hinbekommen“, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Diess deutete damit eine neue Kompromissbereitschaft an.

Die Lage sei nicht einfach, dulde aber keinen weiteren Aufschub, erklärte der Manager. Der Posten des Einkaufsvorstands sei schon längere Zeit unbesetzt. „Wir können uns das nicht mehr leisten, weil viele wichtige Entscheidungen anstehen“, sagte Diess.

Auch auf anderer Seite stehen die Zeichen innerhalb des Konzerns eher wieder auf Beruhigung. Die von Diess-Kreisen in den vergangenen Wochen angefachte Eskalation über die Öffentlichkeit und verschiedene Medien dürfte keine Fortsetzung mehr finden, hieß es am Freitag in Konzernkreisen in Wolfsburg. „Der Spannungsbogen wird sich abflachen“, sagte ein Konzernmanager. Diess werde auch im neuen Jahr noch Vorstandsvorsitzender von Volkswagen sein.

In der nächsten Woche kommt der Volkswagen-Aufsichtsrat zu seiner letzten regulären Sitzung des Jahres zusammen. Konzernbeobachter erwarten ein vergleichsweise ruhiges Treffen, auf dem die Konflikte der vergangenen Tage eine untergeordnete Rolle spielen. Die Kontrolleure dürften sich zum Schluss des Jahres vielmehr mit der aktuellen Unternehmensentwicklung beschäftigen. Mit Personalentscheidungen sei mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu rechnen.

Bei Volkswagen müssen die Posten des Finanzvorstands und des Einkaufsvorstands neu besetzt werden. Zudem war über eine mögliche vorzeitige Vertragsverlängerung für Konzernchef Diess spekuliert worden. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates hatte diese Woche keine Entscheidung getroffen. Dieses Thema sei endgültig vom Tisch, verlautete in Wolfsburg. Diess habe sich damit nicht durchsetzen können.

Die Diess-Seite hatte die Spekulationen über die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden beim weltgrößten Autohersteller selbst angefacht. Der Vorstandschef soll sich von der Arbeitnehmerseite bei wichtigen Personalvorschlägen und beim beschleunigten Konzernumbau ausgebremst fühlen. Sogar über ein vorzeitiges Aus des Konzernchefs war spekuliert worden.

Eine vorzeitige Vertragsverlängerung hätte Diess in der Diskussion mit den Arbeitnehmern gestützt und seine Verhandlungsposition gestärkt, hieß es in seinem Umfeld. Doch sogar die Eigentümerfamilie Porsche-Piëch, die sonst meist auf der Seite von Diess steht, sah nicht die Notwendigkeit, Diess den Wunsch zu einer Vertragsverlängerung zu erfüllen.

„Die Personalien sind eine komplexe Sache, bei der die verschiedenen Stakeholder – der Betriebsrat, die Eigentümerfamilien, das Land Niedersachsen – mitgenommen werden wollen“, sagte Diess in dem Interview. Zu seiner eigenen Zukunft sagte Diess, sein Vertrag laufe noch bis 2023. „Und ich habe vor, diesen Vertrag zu erfüllen.“ Eine persönliche Äußerung zu einer möglichen Vertragsverlängerung vermied er dabei.

Allerdings wird er dabei ohne seinen langjährigen Kommunikationschef auskommen müssen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Leiter der Volkswagen-Konzernkommunikation, Peik von Bestenbostel, seinen Posten zum 1. Januar abgeben wird. Bestenbostel galt in Wolfsburg als einer der wichtigsten Verbündeten des Konzernchefs.

Offenbar reichte der Einfluss von Diess nicht mehr dazu aus, seinen eigenen Kommunikationschef zu halten. Im Aufsichtsrat soll die Unzufriedenheit mit Bestenbostel zuletzt stark zugenommen haben. Beim letzten großen Konflikt mit dem Aufsichtsrat im Frühsommer hatte Diess auch selbst entscheidend an Einfluss verloren und musste den zusätzlichen Vorstandsvorsitz bei der Marke Volkswagen Pkw abgeben.

Im Machtkampf mit VW-Betriebsratschef Osterloh schlug Diess in seinem neuesten Interview ebenfalls versöhnliche Töne an: Er spiele nicht gegen Osterloh, sondern mit ihm in der gleichen Mannschaft: „Natürlich spielen wir auf unterschiedlichen Positionen. Aber wir versuchen, uns überwiegend Bälle zuzuspielen.“

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Mit Agenturmaterial.

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