
Wochenend-Newsletter: Was man von Monopoly wirklich über Wirtschaft lernt – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich gestehe: Ich spiele gerne Monopoly. Dazu müssen Sie wissen, dass Monopoly in den vergangenen Jahren einen massiven Reputationsverlust erlitten hat. Wer sich öffentlich als Monopoly-Fan outet, ist meiner Erfahrung nach auf einer Stufe mit Menschen, die am liebsten Fleisch aus Haltungsform eins essen und ihre Klamotten bei Shein bestellen. Ein seelenloser Ultrakapitalist. Viele erzählen dann die Geschichte, dass Monopoly ja eigentlich als Kapitalismuskritik gedacht war, die nur keiner kapiert hat, und dann selbst hypererfolgreich wurde, Zynismus der Geschichte und so.
Ich denke auch, dass man viel von Monopoly über die Wirtschaft, aber auch über den deutschen Staat lernen kann. Nur eben nicht so, wie viele denken.
Die Hauptkritik an Monopoly lautet ja, dass der Gewinner alle anderen in den Ruin treiben muss – und dann alles kriegt. Ich persönlich habe das Spiel als Kind immer in Allianz mit meinem Vater gespielt. War ich pleite und kam auf seine Schlossallee, hat er mir einfach die Miete erlassen. Hatte er die Straße, die ich noch brauchte, hat er sie mir günstig gegeben. Vielleicht habe ich dabei auch ein paar dramatische Tränen verdrückt. Oft haben wir dann „gemeinsam“ gewonnen, also eigentlich ich. Lektion eins: Fairness ist eine nette Idee, funktionierende Netzwerke sind besser. Oder reiche Eltern.
Kritik Nummer zwei: Das Spiel dauert ewig. Das muss gar nicht so sein, wie ich jetzt beim Studieren der Originalregeln gelernt habe. Grund für die Verzögerungen sind meistens sogenannte „Hausregeln“, die auch wir als Familie haben. Freiparken bedeutete Geld, Häuser dürfen nur gleichmäßig gebaut werden usw.
Tatsächlich: Würde man das Spiel nach den Standardregeln spielen, ginge es recht flott, ich habe das probiert. Aber Lektion zwei: Sinnvolle Regeln gibt es nur, damit man sich jede Menge sinnlose Zusatzregeln ausdenken kann, so geht Bürokratie. Im wahren Leben knallt ja auch keine Regierung aufgrund des Wohnungsmangels vier Häuser mehr gleichzeitig in jede Straße. Mein Plädoyer deshalb an die Monopoly-Macher: Man sollte gar keine Häuser bauen dürfen ohne Genehmigung von der Bauaufsichtsbehörde. Die digitale Terminvergabe ist dort aber kaputt, deshalb muss man pro Haus drei Runden aussetzen.
Die dritte, oft übersehene Lektion von Monopoly ist das Erlernen sinnvoller Investitionen. Wasser- und ein Elektrizitätswerk gelten zwar nicht als sexy, rentieren sich aber dauerhaft. Bahnanschluss ist auch immer eine gute Sache. Lieber drei mittelgute Straßen bebauen, anstatt alle Hoffnungen auf die Schlossallee zu setzen. Und in die braunen Straßen sollte man nicht investieren, auch wenn sie verlockend billig zu haben sind. Rentiert sich nie.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, wenn nicht mit Monopoly, dann ja vielleicht mit unseren Leseempfehlungen?
Ihre Charlotte Haunhorst
Head of Digital

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