Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: US-Börsen schließen trotz Nahost-Krise mit Gewinnen – Boeing-Aktie verliert nach Flugzeugabsturz
Am Vortag zeigten sich die US-Börsen bereits deutlich schwächer.
Foto: APNew York, Düsseldorf. Trotz der Nahost-Krise haben die US-Börsen am Mittwoch zugelegt. Der S&P-500-Index und der Nasdaq markierten nach einer Rede von US-Präsident Donald Trump sogar zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch. Nach Explosionen in Bagdad gaben sie einen Teil ihrer Gewinne im späten Geschäft wieder ab.
In einer mit Spannung erwarteten Reaktion auf iranische Angriffe auf Stützpunkte US-geführter Militärs im Irak verzichtete Trump auf eine Ankündigung militärischer Vergeltung. Die USA hätten zwar ein großartiges Militär, das bedeute aber nicht, dass man es auch einsetzen wolle, sagte der Präsident in Washington. „Wir wollen es nicht einsetzen.“ Trump kündigte gleichwohl weitere Sanktionen gegen den Iran an.
Einzelwerte im Fokus
Bei den Unternehmen rückte Boeing ins Rampenlicht, nachdem eine Maschine des Typs 737 im Iran abgestürzt war. Dabei starben alle 176 Insassen. Die Aktien des Flugzeugbauers fielen daraufhin um 1,8 Prozent. Die ukrainische Botschaft im Iran hatte zunächst Triebwerksversagen als Ursache genannt. Später zog sie diese Erklärung aber zurück. In einer zweiten Stellungnahme hieß es, die Absturzursache sei nicht ermittelt.
Westliche Geheimdienste haben kanadischen Sicherheitskreisen zufolge keine Hinweise darauf, dass das ukrainische Passagierflugzeug von einer Rakete abgeschossen wurde. Die Geheimdienste gingen nach einer ersten Einschätzung davon aus, dass die Maschine wegen eines technischen Defekts abgestürzt sei.
Für Walgreens Boots Alliance fängt das neue Jahr so an, wie das alte aufgehört hat, nämlich schlecht. Am Mittwoch nahmen die Anleger der Drogerie- und Apothekenkette den jüngsten Quartalsausweis übel. Walgreens musste erneut einen deutlichen Gewinnrückgang verkraften und schnitt zudem schlechter ab als am Markt erwartet. Mit minus 5,84 Prozent waren die Papiere das abgeschlagene Schlusslicht im Dow. Damit sind sie im noch jungen Jahr 2020 bereits erneut der bislang größte Verlierer in dem Leitindex, nachdem sie bereits 2019 die rote Laterne hatten.
Schwach waren auch Exxon Mobil und Chevron mit Abschlägen von bis zu eineinhalb Prozent. Nach den zurückhaltenden Trump-Aussagen waren die Ölpreise deutlich gesunken.
Gefragt waren dagegen Aktien von Kreditkartenfirmen: American Express und Visa gewannen unter den Top drei im Dow 1,73 beziehungsweise 1,71 Prozent. Besser waren nur noch die Anteile des Krankenversicherers United Health mit plus 2,11 Prozent. Apple kletterten auf ein Rekordhoch und schlossen 1,61 Prozent höher. Für die Papiere der Baumarktkette Home Depot ging es um 1,50 Prozent hinauf. Die Experten der Credit Suisse hatten sie auf ihre Liste der „US Top Picks“ gesetzt.
Bei Tesla brannte das Kursfeuerwerk weiter. Zeitweise schrammten die Aktien des Elektroautobauers nur knapp an der runden Marke von 500 Dollar vorbei. Sie beendeten den Handel mit einem Plus von fast 5 Prozent.
Der Essenslieferdienst Grubhub prüft einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge Optionen inklusive eines Verkaufs. Die Anteile sprangen um fast 13 Prozent in die Höhe.
Der Euro-Kurs sank in Richtung 1,11 US-Dollar. In New York kostete die Gemeinschaftswährung nach US-Börsenschluss 1,1110 Dollar. Der Dollar legte dagegen zu, nicht nur gegenüber dem Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1115 (Dienstag: 1,1172) Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,8997 (0,8951) Euro gekostet. Auf die moderaten Töne von US-Präsident Donald Trump als Reaktion auf den Vergeltungsschlag des Irans hatte der Euro per saldo nur wenig reagiert. Vielmehr belasteten ihn schwache Auftragsdaten aus der deutschen Industrie.
Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen weiteten ihre Verluste nach der Trump-Reaktion aus. Sie sanken um 15/32 Punkte auf 98 29/32 Punkte und rentierten mit 1,872 Prozent.
Der Dax gewann am Mittwoch 0,7 Prozent auf 13.320 Punkte, nachdem er zunächst bis zu ein Prozent verloren hatte. Die Märkte gingen davon aus, dass die Krise USA/Iran erledigt sei, sagte Ulas Akincilar, Chefhändler des Onlinebrokers Infinox. Die Kriegsgefahr sei zwar nicht gebannt, die rasche Kurserholung deute aber darauf hin, dass der allgemeine Optimismus der Anleger ungebrochen sei. Sie sähen Rücksetzer vor allem als Chance zum Einstieg.