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Morning Briefing Der Ruf nach dem Ostsee-Urlaub

06.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der Erfolg hat viele Väter, die Niederlage aber ist eine Waise. Und so reklamiert Kanzleramtschef Helge Braun, wie zu erwarten, den Erfolg sinkender Infektionszahlen für die Bundesregierung: die „Bundesnotbremse“ sei‘s gewesen. Andere wiederum verweisen auf den Effekt endlich gestiegener Impfquoten. Wie auch immer, die Bundesländer überbieten sich jetzt nicht mehr mit „Brücken-Lockdown“ und anderen Verschärfungen, sondern mit immer kräftigeren, grundrechtsfreundlichen Lockerungen.

Bei einer Inzidenz von unter 100 macht Bayern beispielsweise vom 21. Mai an Campingplätze, Ferienwohnungen und Hotels auf. Vollständig geimpfte Tagesausflügler und Zweitwohnungsbesitzer dürfen wieder nach Mecklenburg-Vorpommern. Und in Schleswig-Holstein können Geimpfte, Genesene und Getestete ab dem 17. Mai Gaststätten und Hotels frequentieren. Der Ostsee-Urlaub ist also für viele gerettet. In Kraft bleibt zunächst die bundesrechtliche nächtliche Ausgangssperre – das Bundesverfassungsgericht lehnte einige Eilanträge dagegen ab.

Vielleicht war es die Corona-Not in Indien, vielleicht machten die lauten Proteste von Nichtregierungsorganisationen Eindruck – jedenfalls rücken die USA von bisherigen Positionen ab und plädieren nun für eine zeitweilige Aussetzung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe. Das Ausmaß der Pandemie erfordere „außerordentliche Schritte“, erklärt die US-Regierung. Deshalb unterstütze man nun die von der Welthandelsorganisation WTO vorgeschlagene Ausnahmeregelung.

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    Zwar glaube man weiter an den Schutz geistigen Eigentums – Ziel sei aber, „so viele sichere und wirksame Impfungen so schnell wie möglich zu so vielen Menschen wie möglich zu bringen“, erklärt die Handelsbeauftragte Katherine Tai. Human Rights Watch kann es gar nicht fassen und schreibt von „riesigen und unglaublich willkommenen Nachrichten“, die in manchen Pharma-Firmen für Entsetzen sorgen.

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    Bargeld ist zwar durch Inflation gefährdet, ansonsten aber handelt es sich um ein ausfallsicheres Zahlungsmittel, da es an den Notenbanken hängt. „Sogar Regierungen können pleitegehen, aber Zentralbanken nicht“, sagt Benoît Cœuré, Leiter des Innovationszentrums der Bank für Internationalen Zahlungsausleich (BIZ) und früher im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). In seinen Kreisen ist man über den Boom der 2008 entstandenen Kryptowährungen beunruhigt, die fern der Geldpolitiker immer mehr spekulativ angehauchte Investoren begeistern.

    Und so soll künftig elektronisches Zentralbankgeld das Cash ergänzen – die staatskapitalistische Ordnungsmacht China hat einen „E-Yuan“ bereits am Start. Die EZB will 2026 mit einem E-Euro gegen das entstandene Schattengeldsystem loslegen, in dem – ganz nebenbei – die Klimasünde quasi institutionalisiert ist. Unsere Titelstory rechnet vor: Computer verbrauchen für Bitcoin-Transaktionen jährlich rund 134 Terawattstunden Strom, das ist ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs.

    Ein bisschen peinlich für VW-Chef Herbert Diess ist es schon, dass er seine Favoritin Katrin Suder nicht als neue IT-Vorstandsfrau durchsetzen konnte. Morgen sollte sie eigentlich vom Aufsichtsrat bestätigt werden, doch die Stimmung ist gekippt. Nach den ganzen Skandalen im eigenen Haus – mit „Dieselgate“ als jüngsten, großen Höhepunkt – wollte man in Wolfsburg offenkundig plötzlich keine Managerin, die als Staatssekretärin im Verteidigungsministerium einst in eine groß dimensionierte „Berateraffäre“ geraten war.

    Suder hielt eben gute Verbindungen zu ihrem alten Arbeitgeber McKinsey, der im VW-Betriebsrat die Beliebtheit eines roten Tuchs hat. Dort ist erst jüngst Daniela Cavallo an die Spitze gerückt, eine neue Machtfigur in den VW-Verhältnissen, die mindestens so kompliziert sind wie die ARD oder die Bund-Länder-Corona-Werktruppe. „Ja, es ist korrekt, ich werde nicht Konzernvorstand bei VW“, bestätigte uns gestern Suder. Einerseits sei es „schade“, die „dringend notwendige digitale Transformation von VW“ nicht mitzugestalten, andererseits könne sie sich ihre „innere und äußere Unabhängigkeit bewahren“.

    Fazit: Die Suche nach der Frau, die sich traut, läuft bei Diess & Co. in verschärftem Tempo weiter.

    Quelle: Marco Urban für Handelsblatt
    Katrin Suder: Ihre Rolle in der Berateraffäre des Verteidigungsministeriums sorgte für Kritik.
    (Foto: Marco Urban für Handelsblatt)

    Gefragt sind hierbei natürlich die Künste des VW-Aufsichtsratschefs Hans Dieter Pötsch, der für solche kniffligen Aufgaben so viel Geld erhält wie sonst keiner seiner Kollegen in Deutschland. Bedingt auch durch andere Konzernmandate füllte sich sein Konto im abgelaufenen Geschäftsjahr um 900.000 Euro, wie eine Auswertung der Beratungsfirma HKP ergibt.

    Damit verdrängt Pötsch die bisherige Nummer eins, Paul Achleitner. Der Chefkontrolleur der Deutschen Bank erhielt mit 802.000 Euro knapp 100.000 weniger als im Jahr zuvor. Viele Firmen haben den Vergütungsmodus inzwischen von variablen auf fixe Anteile umgestellt. Davon hat Wolfgang Reitzle, bei Linde und Continental aktiv, besonders profitiert. Er ist nun mit insgesamt 679.000 Euro die Nummer drei in der Hitparade pekuniärer Wichtigkeit.
    Wann immer Großkonzerne Aufträge an Wirtschaftsprüfer zu vergeben hatten, schienen vier Firmen gesetzt zu sein: EY, KPMG, PwC und Deloitte. Der Dax war ihr exklusives Revier. Doch nun hat der Softwareriese SAP den Machtmythos der „Big Four“ durchbrochen – und überraschend BDO angeheuert. Vorstandschef Holger Otte ist in Siegeslaune: „Natürlich streben wir an, ein weiteres Mandat innerhalb des Dax-30 zu erreichen.“
    Offenbar scheint die Lage günstig, weil EY durch die unrühmliche Rolle im Wirecard-Skandal jede Menge Kredit verspielt hat. So entzog die Deutsche Telekom den Stuttgartern wieder das zuvor erteilte Mandat. Trost spendet Winston Churchill: „Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren.“

    Quelle: Reuters
    Amazon-Gründer Jeff Bezos vor der Astronauten-Kapsel seiner Firma Blue Origin, die am 20. Juli ins All starten soll.

    Und dann ist da noch Jeff Bezos, mit Amazon ein Oligopolist der globalen Online-Güterversorgung – und mit Blue Origin auch noch Raumfahrtpionier. Für den 20. Juli plant der Milliardär nun für Hinz und Kunz, wenn sie vermögend sind, eine kleine Reise ins All – in zehn Minuten 105 Kilometer hoch und zurück. Zur Verzückung der luftigen Gemeinde lässt Bezos bis zum 12. Juni einen Platz in der Crew online versteigern; Erzrivale Elon Musk hätte das nicht schöner inszenieren können.

    „Dieser Sitz wird verändern, wie du die Welt siehst“, verkündet Blue Origin. Man kann auch sagen: Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für Jeff Bezos.

    Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Tag mit hochfliegenden Plänen.
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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