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Morning Briefing Wie moralisch müssen Firmen sein?

13.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

für Investoren in aller Welt sind ESG-Kriterien inzwischen wichtig: Sie beachten Themen von Environment (Umwelt), Social und Government (Unternehmensführung). Doch nach einer Befragung deutscher Firmen ergibt sich, dass weniger als 50 Prozent die mit der Politik verabredeten Sozial- und Umweltmindeststandards einhalten. Das referieren wir in unserem Titelkomplex. Für diesen Fall sieht der Vertrag der Großen Koalition verbindliche Vorschriften vor – worüber das Kabinett von Angela Merkel am morgigen Dienstag berät. Die Spitzenverbände der Wirtschaft sind alarmiert: „Sollte in Deutschland ein Lieferkettengesetz verabschiedet werden, würden hiesige Unternehmen im internationalen Wettbewerb benachteiligt“, warnen BDA, BDI, DIHK und ZDH in einem Brief an Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Dahinter steht eine ganz andere Frage: Welche Rolle in Krisenzeiten wie Corona die Moral noch spielt.

Quelle: AP
Bei der Präsidenten-Stichwahl in Polen liegt der konservative Amtsinhaber Andrzej Duda vor seinem liberalen Herausforderer Rafal Trzaskowski.
(Foto: AP)

Polen fällt mit einem politischen Foto-Finish auf: Bei der Präsidenten-Stichwahl lag gestern Abend zunächst der konservative Amtsinhaber Andrzej Duda mit 51 Prozent vorn. Der liberale Herausforderer Rafal Trzaskowski, der die zuletzt arg strapazierten Beziehungen zur EU verbessern will, kam demnach auf 49 Prozent. Das offizielle Ergebnis wird frühestens für heute Abend erwartet.

Obwohl die Fehlermarge bei zwei Prozentpunkten liegt, sprach Duda bereits von einem „Sieg, momentan noch nach Prognosen“. Sein Rivale, der in Warschau als Bürgermeister wirkt, zeigte sich ebenfalls vom Triumph überzeugt: Es müssten nur noch die Stimmen genau ausgezählt werden. „Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr“, hat Schriftsteller Martin Walser einmal so schön formuliert.

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    Zeitungslesern ist der Problemfall Wirecard schon seit geraumer Zeit bekannt. Doch Felix Hufeld, Chef der Finanzaufsichtsbehörde Bafin, telefonierte erst Mitte Juni, wenige Tage vor der Insolvenz, mit den Managern der sklerotischen Finanzfirma. Der einstige Großaktionär und CEO Markus Braun war da schon nicht mehr im Amt. Auch Bafin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele und Aufseher Raimund Röseler hielten es mit der Drei-Affen-Theorie – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – und schalteten sich nicht ein.

    Kontaktfreudiger war da Finanzstaatssekretär Jörg Kukies: Er redete zweimal mit Braun, unter anderem an dessen 50. Geburtstag am 5. November 2019. Das alles ergibt sich aus der Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen und der Linken. Der genaue Inhalt der Kukies-Konversation bleibt aber mit Blick auf „Geheimschutzinteressen“ im Verborgenen. Damit ist man beim Thema, denn laut „Financial Times“ hatte der flüchtige Ex-Vorstand Jan Marsalek Kontakt zu russischen Geheimdienstkreisen.

    Quelle: Reuters
    Der künftige Siemens-CEO Roland Busch hat sein Küchenkabinett zusammengestellt.

    Heute tritt bei Siemens der Zauberer mit dem großen Hut auf und präsentiert, wer auf die landauf, landab gut bekannte Personalchefin Janina Kugel folgt. Es soll sich um eine deutsche Managerin handeln, die derzeit noch im Ausland arbeitet. Sicher ist, dass Cedrik Neike neuer Industrievorstand wird, erforschte unser Münchener Korrespondent Axel Höpner. Der einstige Cisco-Manager, der bisher bei Siemens die Sparte Smart Infrastructure leitete, verantwortet den Kernbereich „Digitale Industrien“. Die Aussage, dass hier der künftige CEO Roland Busch sein Küchenkabinett zusammenstellt, ist alles andere als dementierfähig.

    Beim munteren Auswechseln von Spitzenkräften bei Volkswagen hat es jetzt einen Manager erwischt, der das ehrgeizigste Projekt im Konzern aufbaute und seit 1. Juli auch leitete: Christian Senger von der Softwareschmiede „Car.Software.Org“. Die Einheit mit dem New-Speak-Namen aus dem digitalen Fantasialand sollte mit künftig 10.000 Mitarbeitern ein eigenes Betriebssystem für alle VW-Modelle entwickeln. Führungskräfte und Betriebsräte der einzelnen Marken fürchteten bei so viel Zentralismus aber um ihre Pfründe. So wird der freundlos gebliebene Ex-BMW-Mann nach unseren Informationen von CEO Herbert Diess geopfert, der sich selbst nach einem internen Machtkampf gerade noch halten konnte. Für die Entwicklung der digitalen Einheiten ist künftig Audi-Chef Markus Duesmann zuständig.

    Quelle: dpa
    Guido Kerkhoff wird ab Mai 2021 den Stahlhändler Klöckner führen.

    Zum großen Handelsblatt-Doppelinterview trafen sich Guido Kerkhoff, einst Chef von Thyssen-Krupp, und Klöckner-Chef Gisbert Rühl. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatten sie Fusionsgespräche geführt, nun aber ist klar, dass Kerkhoff ab Mai 2021 den Stahlhändler Klöckner führen wird.

    • Der 61-jährige Rühl will nach elf CEO-Jahren noch einmal etwas anderes machen. Ihn interessierten Plattformgeschäfte, Digitalisierung und die Start-up-Welt, sagt er: „Damit darf man aber auch nicht zu spät anfangen.“
    • Der designierte Vorstandschef Kerkhoff wiederum findet, sein neuer Handlungsspielraum sei jetzt größer: „Die Restrukturierung ist bald abgeschlossen, die Bilanz deutlich gesünder als die von Thyssen-Krupp zu meiner Zeit dort.“
    • Für die deutsche Managementgilde hat Rühl, der im weiteren Klöckner-Reich künftig nur im Kontrollgremium der digitalen Handelsplattform XOM Materials sitzt, im Übrigen eine sehr klare Botschaft: „Ich bin der Meinung, dass ein CEO nicht unbedingt in den Aufsichtsrat wechseln sollte – auch damit der Nachfolger freier handeln kann.“

    Und dann ist da noch die Ferieninsel Mallorca, die im Zentrum von Diskussionen über einen neuen „Ischgl“-Effekt steht. Am Wochenende feierten dort – wie gehabt – Deutsche an der Playa de Palma und Briten in Magaluf, ohne dass Abstand und Masken ein Thema waren. Als „Corona“ versteht man in diesen Kreisen nur eine Biersorte. Nun haben Restaurant- und Barbesitzer die Regeln verschärft. Die Außenbereiche ihrer Etablissements sind mit Ketten und Zäunen von der Straße getrennt. Entscheidend aber wird sein, ob eine von heute an auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln geltende verschärfte Maskenpflicht auch kontrolliert wird.

    Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in die Woche.

    Es grüßt Sie herzlich
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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