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Weekend-Briefing Innovationscode, Preiskampf am Himmel, gebremster Bauboom: Der Wochenrückblick des Chefredakteurs

Deutschland verliert im weltweiten Wettstreit um Innovationen an Boden. Das Handelsblatt zeigt in einer großen Analyse, wie es anders gehen kann.
19.06.2021 - 08:32 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Welt steht vor einer Dekade großer technischer Disruptionen, die das Potenzial haben, Unternehmen, Branchen und das Leben von Milliarden Menschen zu verändern. Deutschland aber verliert im weltweiten Wettstreit um Innovationen an Boden: Die Bertelsmann-Stiftung hat beispielsweise die Verteilung besonders relevanter Patente in 58 Zukunftstechnologien untersucht. 2010 gehörte Deutschland noch in 47 Kategorien zu den Top drei weltweit, 2019 nur noch in 22. Tendenz fallend.

Grund dafür ist, so habe ich in der aktuellen Ausgabe des Handelsblatts kommentiert, eine seit Jahren vernachlässigte Innovationspolitik, die auf fünf Irrtümern aufbaut. Viele Leserinnen und Leser haben mir daraufhin gemailt. Und der Tenor der Reaktionen war immer gleich: Innovationen sind die Basis für die Zukunft unserer Wirtschaft, doch diese Basis bröckelt. Henry Ford wird das Zitat zugeschrieben: „Wer immer nur das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ Viele spüren, dass Deutschland gut darin ist, die Innovationen der Vergangenheit zu optimieren, dass sich das Land mit den Modellen der Zukunft aber mitunter schwertut.

Aber es reicht uns nicht, die Lage zu beklagen. In großen Reports, Analysen und Korrespondentenberichten analysieren wir die Lage und zeigen mit Best-Practice-Studien, wie es anders gehen kann. Zum Beispiel in der Wochenend-Ausgabe des Handelsblatts, in der mein Kollege Christian Rickens sehr lesenswert analysiert, welche Strategien bahnbrechenden Ideen zum Erfolg verhelfen. Die Kernbotschaft in einem Satz: Der Staat muss die gesellschaftlichen Ziele von Innovation vorgeben, aber er darf Wissenschaft und Wirtschaft nicht den richtigen technologischen Pfad diktieren wollen.

Was uns diese Woche noch beschäftigt hat:

1. Die Wirtschaft läuft, zeigen exklusive Zahlen unseres Unternehmensressorts: Viele für Deutschland entscheidende Branchen haben ihr Vorkrisenniveau übertroffen. Der Ausblick der Wirtschaftsforscher ist trotzdem durchwachsen. Längst bremsen fehlende Rohstoffe den Aufschwung. In vielen Bereichen ist die Marktwirtschaft bereits eine Mangelwirtschaft.

2. Fehlende Rohstoffe bremsen mittlerweile sogar den Bauboom, wie meine Kollegen Silke Kersting und Kevin Knitterscheid zeigen. Laut Umfragen aus dem Mai klagten 43,9 Prozent der Unternehmen, über Probleme bei der Baustoffbeschaffung. Im April waren es noch 23,9 und im März nur 5,6 Prozent der Befragten. Das hat unangenehme Folgen: Baufirmen müssen bei vollen Auftragsbüchern Kurzarbeit anmelden, weil sie kein Material haben.

3. Die Knappheit dürfte sich noch verschärfen. Denn ein Mega-Stau lähmt seit Tagen die Weltwirtschaft. Insgesamt 300 Frachter warten aktuell auf Einfahrt in völlig überfüllte Häfen. Nicht nur die Frachtraten steigen deutlich: Händler in Europa und den USA fürchten bei einigen Produkten leere Regale. Grund für den Stau sind die Exporte aus China – und der sprunghaft gestiegene Konsum in den USA.

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4. Bis zum Wochenende gingen die Mails zwischen den Parteizentralen hin und her, am Montag will die Union ihr Wahlprogramm präsentieren. Ein Entwurf lag unserem Berliner Büro schon diese Woche vor. Demnach verspricht die Union Steuersenkungen, einen attraktiveren späteren Renteneintritt und mehr Forschungsförderung. Wenn man so durch die Wahlprogramme blättert, fällt vor allem eins ins Auge: viele teure Versprechen. Was dort nicht steht, aber schon jetzt klar ist: Nach der Wahl gibt es höhere Steuern und noch mehr Schulden. Wahrscheinlich sogar beides.

5. Er galt als Hoffnungsträger im Kampf gegen das Coronavirus – der Covid-Impfstoff des Tübinger Pharmaunternehmens Curevac. Doch der Wirkstoff hat in einer Zwischenauswertung nur eine enttäuschende Wirksamkeit von 47 Prozent gezeigt. Anleger reagierten enttäuscht. Bei aller Enttäuschung dürfen wir nicht vergessen: Solche Niederlagen gehören zur Wissenschaft und auch zum Unternehmertum. Alles was Sie zu der Top-News sonst noch wissen müssen, hat mein Kollege Siegfried Hofmann analysiert.

Quelle: dpa
Für Curevac ergeben sich nun grundlegende Fragen zur verwendeten Technologie.

6. Am Wochenende treffen sich die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem Hotel in der Nähe von Frankfurt, um über die künftige geldpolitische Strategie zu beraten. Kernthema dürfte sein: Wann schaltet die EZB um – vom Krisenmodus zurück auf Normalbetrieb? Die US-Notenbank (Fed) hat diese Wende in ihrer jüngsten Sitzung am Mittwoch bereits angedeutet. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich schon vor dem Treffen positioniert: Er hält ein baldiges Ende des Notfallprogramms PEPP für geboten. „Wenn der Notfall vorüber ist, für den das PEPP geschaffen wurde, muss es beendet werden“, sagte er im Interview mit Kathrin Jones, Jan Mallien und Frank Wiebe. Damit dürfte Weidmann vielen aus der Seele sprechen.

7. Eine Geschichte hat mich diese Woche besonders überrascht: Eben standen die Maschinen der Airlines noch still. Nun erleben die Fluggesellschaften einen Nachfrageanstieg in nie dagewesenem Ausmaß. In einem ähnlich hohen Tempo reaktivieren sie ihre Maschinen, wie mein Kollege Jens Koenen berichtet. Die Folge: Ein neuer Preiskampf am Himmel. „Ich habe den Eindruck, dass viele nichts aus der Krise gelernt haben“, sagt Tuifly-Chef Oliver Lackmann. Viele Ziele sind diesen Juli – trotz Reiseboom – bis zu 24 Prozent günstiger als im gleichen Zeitraum des Vorkrisenjahrs 2019.

Quelle: Bloomberg
Der Wettbewerb auf den touristischen Strecken wird in den kommenden Monaten zunehmen.
(Foto: Bloomberg)

8. Gestern vor einem Jahr brach Wirecard zusammen. Investigativ- und Finanzreporter des Handelsblatts sind deshalb der Frage nachgegangen, was aus den Mitarbeitern wurde, aus den geprellten Gläubigern – und welche Köpfe bei Prüfern und Aufsehern gerollt sind. Es ist eine Bestandsaufnahme, die zeigt, dass hier nicht einfach nur eine Verbrecherbande am Werk war. Sie traf auch auf ein System, das betrogen werden wollte. Unser Unternehmensressort hat zudem analysiert, wie groß der Schaden für Wirecards Wirtschaftsprüfer EY ist: Es geht um eine Summer von mittlerweile 100 Millionen Euro.

9. Bei der Gelegenheit möchte ich Ihnen noch einmal den faszinierenden Handelsblatt-Report über die letzten 48 Stunden des einstigen Fintech-Stars Wirecard ans Herz legen. Detailliert hat das Handelsblatt nachgezeichnet, was sich in den Stunden vor dem Untergang in dem Unternehmen abgespielt hat. Und so viel sei verraten: Es waren unglaubliche Szenen, die viel darüber verraten, wie unterschiedlich sich Menschen in Extremsituationen verhalten.

Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlichst,
Ihr

Sebastian Matthes

Chefredakteur Handelsblatt

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