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Ausblick 2020: Unternehmen Für die Hersteller beginnt das Zeitalter des Elektroautos

Mit den neuen CO2-Grenzwerten drohen den Herstellern ab 2020 Geldbußen in Milliardenhöhe. Deswegen stehen bei Branchengrößen die Zeichen auf Strom.
02.01.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Der „Modulare Elektrobaukasten“ als Basisplattform bringt dem Volkswagen-Konzern Vorteil bei der Entwicklung von neuen E-Modellen. Quelle: dpa
VW-Werk in Zwickau

Der „Modulare Elektrobaukasten“ als Basisplattform bringt dem Volkswagen-Konzern Vorteil bei der Entwicklung von neuen E-Modellen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Warnung konnte nicht deutlicher sein. „Wenn wir die Flottengrenzen nicht erreichen, kommen auf den Konzern im Jahr 2021 Strafzahlungen von 3,5 Milliarden Euro zu“, sagte Vorstandschef Herbert Diess bei einem Besuch im Volkswagen-Transporterwerk in Hannover. Mit dem aktuellen Modellprogramm ließen sich künftige Kohlendioxid-Grenzwerte nicht erreichen. „Der einzige Weg ist elektrisch“, folgerte Diess.

Mit dem Jahreswechsel hat eine neue Zeit für die europäische Automobilindustrie begonnen. So wie Volkswagen müssen sich auch BMW, Daimler und Co. aufgrund neuer EU-Grenzwerte anders aufstellen. Im Durchschnitt darf jeder in Europa verkaufte Neuwagen jetzt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenen Kilometer an die Atmosphäre abgeben („Flottenverbrauch“). Und nicht nur in Europa, sondern auch in China und in Nordamerika werden die Emissionsgrenzen weiter verschärft.

„Der Januar 2020 markiert einen Wendepunkt für die Automobilindustrie. Mit dem Wechsel auf den Elektroantrieb beginnt eine fundamentale Transformation der Wertschöpfungskette“, fasst Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst beim Investmenthaus Evercore ISI in London, die Veränderungen zusammen. Der Anteil der elektrifizierten Autos müsse in den kommenden Jahren deutlich steigen, um die verschärften Emissionsgrenzen einhalten zu können.

Allein die neuen E-Autos zu produzieren wird nicht ausreichen. „Der Kunde muss letztlich mitspielen“, sagt Deutsche-Bank-Analyst Eric Heymann. Am Automarkt in China zeigt sich, dass die Kundenakzeptanz nicht garantiert ist. In der Volksrepublik sollten die E-Verkaufszahlen eigentlich gesteigert werden. Doch 2019 blieb der große Durchbruch aus.

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    Es wird ernst für Elektroautos. Eine Schlüsselrolle spielt die deutsche Autoindustrie. Mit Volkswagen hat der größte Fahrzeughersteller der Welt seinen Sitz in Deutschland. Daimler und BMW sind die beiden global führenden Anbieter von Premiummodellen; ein Segment, das in den vergangenen zehn Jahren immer stärker an Bedeutung gewonnen hat. Wenn die deutschen Autohersteller den Wechsel zur Elektromobilität einleiten, dann müssen andere Hersteller folgen. „Grundsätzlich erwarten wir im neuen Jahr in Deutschland und Europa eine sehr hohe Dynamik, die außer der Regulatorik vor allem von den massiven Produktanstrengungen vieler Hersteller getrieben sein wird“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

    Volkswagen geht voran

    Volkswagen will im neuen Jahr bei Elektroautos so etwas wie der Trendsetter werden. Mit viel Marketing und hohem Werbeaufwand machen die Wolfsburger schon seit Monaten auf ihre neue ID-Modellfamilie aufmerksam. Der ID.3 soll so etwas wie das elektrische Gegenstück zum VW-Dauerläufer Golf werden. Aber es ist nur das erste Modell einer später viel umfassenderen ID-Fahrzeugfamilie.

    Im Volkswagen-Werk in Zwickau, das als erste Produktionsstätte des Konzerns komplett auf die E-Fertigung umgebaut wird, sollen später noch etliche andere Modelle von den Bändern laufen. Vom ID.3 sind für 2020 rund 100 000 Exemplare geplant. In der zweiten Jahreshälfte kommt voraussichtlich der ID.4 dazu, das erste SUV aus der neuen E-Familie.

    Im Unterschied zu anderen Autoherstellern hat sich der VW-Konzern entschieden, eine komplett eigenständige Plattform für die neuen Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Der Wolfsburger Automobilhersteller nutzt dabei seine Größenvorteile: Der sogenannte „Modulare Elektrobaukasten“ (MEB) kann in den kommenden Jahren millionenfach verwendet werden. Auch die Marken Audi, Skoda und Seat werden neue E-Autos auf Basis dieser Plattform entwickeln.

    Das senkt Entwicklungs- und spätere Produktionskosten deutlich. Vor einer Woche hat der Wolfsburger Konzern seine Absatzziele noch einmal hochgesetzt: Statt einer Million E-Autos im Jahr 2025 will die Kernmarke VW nun davon weltweit 1,5 Millionen Exemplare verkaufen.

    Alternative Antriebsformen: „Die E-Mobilität wird kommen, da gibt es keine Alternative“

    Kleinere Autohersteller, die weniger Fahrzeuge als der Wolfsburger Marktführer produzieren, müssen hingegen mit Kompromisslösungen leben. Dort gibt es Mischplattformen, für die die verschiedenen Antriebsarten jeweils passend gemacht werden. Die Vorteile eines reinen E-Konzeptes bleiben dann aus. Die Elektroantriebe samt Motor sind deutlich kleiner als konventionelle Benzin- oder Dieselaggregate. Damit gibt es mehr Platz für die Fahrgäste – wie in den ID-Modellen von VW.

    BMW etwa nutzt Mischplattformen. Auch beim Münchener Hersteller wird es 2020 eine Elektrooffensive geben. „Der Trend zur Elektromobilität ist unumkehrbar“, sagt Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. Bis 2025 will BMW 25 elektrifizierte Fahrzeuge anbieten, davon zwölf Elektroautos und 13 neue Plug-in-Hybride. Im Frühjahr wird voraussichtlich der neue Elektro-Mini auf den Markt kommen, außerdem soll der BMW iX3 zu den Händlern rollen, das erste reine E-SUV aus München.

    Der Daimler-Konzern steht genauso in den Startlöchern und will sein Elektroangebot deutlich vergrößern. So wird es vom Kleinstwagen Smart künftig nur noch die Elektrovariante geben, Benzin- und Dieselmotor sind gestrichen. Geplant sind außerdem der Mercedes EQA als kompaktes SUV und der Transporter EQV.

    Opel bringt 2020 den Elektro-Corsa auf den Markt, die Schwestermarke Peugeot den elektrifizierten Kleinwagen 208. Auch bei den japanischen Herstellern tut sich etwas: So planen etwa Honda und Mazda ihre ersten rein batteriegetriebenen Modelle.

    Branchenbeobachter bleiben skeptisch, ob wirklich alle Autohersteller Geldbußen aufgrund von Verstößen gegen Umweltauflagen vermeiden können. Ende 2019 lag der Elektroanteil bei allen in Europa verkauften Neuwagen bei knapp vier Prozent. „Um künftige Strafgelder zu vermeiden, müsste der Anteil etwa doppelt so hoch sein“, rechnet Evercore-Analyst Ellinghorst vor.

    Gegen den Veränderungswillen der Branche spreche, dass sich der Durchschnittswert bei den Kohlendioxid-Emissionen im vergangenen Jahr kaum verändert habe. „Einige Hersteller werden die Strafen nicht verhindern können“, glaubt Ellinghorst.

    Fragezeichen in China

    China verzeichnete als weltweit größter Markt für Elektroautos bis Ende November einen Absatzrückgang bei Plug-in-Hybriden und reinen E-Fahrzeugen von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Elektromobilität in China war auch wegen der Rücknahme der staatlichen Förderung gesunken. Nach Hochrechnungen des Center of Automotive Management hat es im Jahr 2019 in der Volksrepublik einen Rückgang der E-Verkäufe von 1,26 Millionen auf etwa 1,1 Millionen gegeben.

    Volkswagen, mit knapp 20 Prozent Anteil Marktführer in China, sieht trotzdem keine Abkehr vom Kurs der chinesischen Regierung, die Elektromobilität weiter auszubauen. Dass die Verkaufszahlen für E-Modelle 2019 in der Volksrepublik zurückgegangen seien, hänge auch mit dem insgesamt schwächeren Automarkt in China zusammen. Elektrofahrzeuge würden dann eben auch seltener verkauft, heißt es bei VW.

    Außerdem habe die Regierung die Förderung für einen wachsenden Elektromarkt eingrenzen müssen. Angesichts steigender Zulassungszahlen bleibe dann im Durchschnitt für jeden einzelnen Autokäufer weniger staatliche Förderung übrig. Volkswagen halte an seinen geplanten Investitionen fest: Vier Milliarden Euro wollen die Wolfsburger im neuen Jahr in China investieren, 40 Prozent gehen davon in die Elektromobilität.

    Nach einem jüngst veröffentlichten Planungsentwurf des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie soll der Verkauf von E-Autos weiter gesteigert werden – auf jährlich fünf Millionen bis zum Jahr 2025.

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