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Investoren des Jahres Geht nicht gibt's bei Andreas und Thomas Strüngmann nicht

Gründer, Verkäufer, Start-up-Investoren: Die Brüder zeigen, wie Familienunternehmen nachhaltige Innovationen vorantreiben. Bitte mehr davon. 
19.12.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Quelle: Armin Brosch

(Foto: Armin Brosch)

Einen Marathon zu laufen lehrt viele Dinge. Er zeigt dem Menschen seine Grenzen auf und zwingt gleichzeitig dazu, dranzubleiben und nicht nachzugeben. Geht nicht gibt’s nicht, und ein langer Atem zählt – das Motto wird jedem Marathonläufer mit jedem Schritt und Atemzug einverleibt. Auch mir. Einen Marathon zu laufen und zu gründen hat viel gemeinsam.

Das Prinzip des langen Atems ist essenziell für Erfolg, Fortschritt und vor allem Innovation. Nur Gründer, die nachdrücklich, beharrlich und unbeirrbar ihre Vision vorantreiben, setzen sich durch. Kaum jemand verkörpert dieses Prinzip für mich so wie Thomas und Andreas Strüngmann. Als Gründer, Verkäufer und Investoren sind sie für mich die Marathonläufer der Gründerszene.

Die Brüder vom Tegernsee folgten stets hartnäckig ihrer Idee und prägen seit vielen Jahren die wichtigsten Innovationen in der Biotechnologie. Zuerst bewiesen sie sich als Gründer des Unternehmens Hexal, das sie innerhalb von 15 Jahren zum größten deutschen Hersteller von Nachahmermedikamenten, sogenannten Generika, neben Ratiopharm aufbauten.

2005 reüssierten die Zwillinge dann mit dem Verkauf ihrer Firma für 5,6 Milliarden Euro an den Schweizer Pharmariesen Novartis. Damals erwirtschaftete Hexal mit knapp 8.000 Mitarbeitern gut eine Milliarde Euro Umsatz. Und auch nach dem Exit wollten Thomas und Andreas nicht an ein ruhiges Leben denken.

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    Erst Mitte Oktober brachten sie das Mainzer Unternehmen Biontech, das personalisierte Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten entwickelt, an die US-Technologiebörse Nasdaq. Mit dem bis dato größten Börsengang eines deutschen Biotechunternehmens und einem Volumen von 150 Millionen Euro stärken sie die Erfolgsbilanz eines ganzen Sektors.

    Andreas Bruckschlögl ist Mitbegründer des Gründer-Events Bits & Pretzels in München. Mit zwölf Jahren hatte er seine erste Geschäftsidee, mit 17 gründete er seinen zweiten Onlineshop. 2012 gründete er mit drei Mitstreitern das Unternehmen Ryte, das eine Analysesoftware für Websites vertreibt. Quelle:  Ryte
    Andreas Bruckschlögl

    Andreas Bruckschlögl ist Mitbegründer des Gründer-Events Bits & Pretzels in München. Mit zwölf Jahren hatte er seine erste Geschäftsidee, mit 17 gründete er seinen zweiten Onlineshop. 2012 gründete er mit drei Mitstreitern das Unternehmen Ryte, das eine Analysesoftware für Websites vertreibt.

    (Foto:  Ryte)

    Auch wenn die Ausschüttung aufgrund eines schwierigen Börsenumfelds unter den Erwartungen blieb, ist die Firma nun in einer starken Position. Wir brauchen mehr solcher Gründer-Marathonläufer, die Entrepreneurship mit dem Gespür für richtige Deals und Investitionen vereinen, gerade in den Biotechnologien und bei der Entwicklung neuartiger medizinischer Therapieverfahren.

    Wir brauchen Köpfe, die einen langen Atem und Durchhaltevermögen beweisen, dort, wo es wie in der Medizin letztlich um die Gesundheit, die Lebensdauer, um nicht weniger als das Glück von uns allen geht. Schwere Krankheiten werden wir nur mit neuen Erfindungen aus Biotech und Big Data heilen.

    Gewinn nur mit langem Atem

    Doch es bedarf des langen Atems eines Hochleistungssportlers, um die Zielgerade zu erreichen. Die Sparte erfordert hohe Investitionen und jahrelange wissenschaftliche Forschung nebst komplizierter klinischer Studien, bis ein Biotechprodukt marktreif wird und Gewinne einbringt. Schneller Exit? Fehlanzeige.

    Doch die Strüngmanns scheinen dies fast schon als Herausforderung zu betrachten. Sie halten nach wie vor um die 50 Prozent an Biontech. Ihre Einstellung erinnert an das Ethos vieler Familienunternehmer, die vor allem nachhaltiger Erfolg interessiert, der bis in die nächste Generation überdauert.

    Schon Vater Ernst Strüngmann, von Beruf Augenarzt, besaß eine kleine Firma für Arzneimittelkopien namens Durachemie. 1979 stiegen die damals 29-jährigen Söhne ein. Die beiden hatten zuvor in New York und Kapstadt gearbeitet, kamen auf Bitte des Vaters zurück in die Heimat am Tegernsee.

    Schon früh stellten Thomas und Andreas Strüngmann ihr Gespür für die richtigen Deals unter Beweis. Sieben Jahre nach ihrem Einstieg verkauften sie Durachemie für 100 Millionen D-Mark. Ihre eigene Firma Hexal hatten sie zuvor bereits gestartet und den Erfolg des Vaters klug gemehrt.

    Das Beispiel Strüngmann zeigt, dass sich nachhaltiger Gründergeist langfristig auszahlt. Denn Familienunternehmen erwirtschaften mehr Gewinn und zeigen „eine höhere operative Performance“ als Aktiengesellschaften, die von anonymen Fondsgesellschaften kontrolliert werden, wie eine Untersuchung des Center for Entrepreneurial and Financial Studies der Technischen Universität München herausfand.

    Zwischen 2009 und 2018 steigerten Familienunternehmen ihren Umsatz um 122 Prozent, Nicht-Familienfirmen kamen nur auf 50 Prozent. Und die Familienunternehmer investieren auch mehr in Forschung und Entwicklung. Deutschland sollte stolz auf seine Gründer sein. Dennoch gibt es dringenden Nachholbedarf in der deutschen Wirtschaft.

    Nach wie vor fehlt es an finanziellen Mitteln für große Gründerideen, gerade angesichts kapitalintensiver langfristiger Investitionen in Biotechnologie. Auch hapert es nach wie vor an Risikobewusstsein, man ist noch zu zögerlich, setzt eher auf Etappensiege als auf den ganz großen Lauf. Kein Wunder, dass jeder vierte deutsche Gründer über einen Umzug ins Ausland nachdenkt!

    Wir haben in Deutschland eine exzellente Forschung, die wir nicht ausreichend mit Kapital fördern, um sie auch effektiv in der Wirtschaft einzusetzen. Wir sind immer noch zu stark abhängig von ausländischen Investoren. Ganz anders in den USA, wo neben Pharmakonzernen wie Genentech auch die Tech-Giganten Microsoft, Amazon oder Alphabet in Biotech investieren. Deutschland droht bei einer Schlüsseltechnologie abgehängt zu werden.

    Die Einstellung zu neuen Technologien muss sich dringend ändern, wir brauchen mehr optimistischen, positiven Gründergeist wie den der Strüngmanns, wenn wir gemeinsam eine bessere Zukunft für uns alle aufbauen wollen. Das ständige Lamento davon, was alles nicht geht, muss positivem Fortschrittsdenken weichen.

    Schließlich gibt es durchaus Anlass zu Optimismus. Gerade in Deutschland haben wir eine sehr leistungsfähige Forschung. Mit rund 70 Haupt- und Nebenstandorten von Forschungseinrichtungen weist etwa die Region München eine der höchsten Forschungsdichten des Landes auf. Und 36 der 50 innovativsten Unternehmen der Welt haben laut einer Studie der Beratungsfirma BCG von 2018 einen Sitz in Bayern.

    An Expertise, Gründergeist, Talenten und potenziellen Partnern mangelt es also nicht. Wirtschaft und Politik sollten sich an Unternehmern wie Thomas und Andreas Strüngmann orientieren und auf Saeed Amidi, CEO des Accelerators Plug & Play, hören, der kürzlich formulierte: „Schreit eure Qualitäten raus, ihr Deutschen!“ Und vor allem: Stellt Kapital zur Verfügung!

    Geht nicht gibt’s nicht. Ein langer Atem zählt – das gilt beim Marathonlauf und beim Gründen. Wie wir in Bayern sagen: Pack mer’s!

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