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Prominente Todesfälle 2019 Abschied von Visionären aus Wirtschaft, Politik, Sport und Gesellschaft

Ferdinand Piëch, Jacques Chirac, Niki Lauda, Karl Lagerfeld: Dieses Jahr gingen einige große Persönlichkeiten von uns. Wer 2019 starb.
19.12.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Quelle: AFP, Carsten Behlerdpa, dpa-Bildfunk / J.Brauckmann

(Foto: AFP, Carsten Behlerdpa, dpa-Bildfunk / J.Brauckmann)

Sie haben die internationale Wirtschaft, Politik und Kultur geprägt. Ob Werner Müller oder Paul Volcker – die Liste der Persönlichkeiten, die der Welt fehlen werden, ist auch 2019 wieder einmal zu lang. Wir mussten von ihnen Abschied nehmen.

Ferdinand Piëch: Genialer Konstrukteur

Quelle: dpa +++ dpa-Bildfunk +++
(Foto: dpa +++ dpa-Bildfunk +++)

Fast ein Vierteljahrhundert hat Ferdinand Piëch maßgeblich den Kurs des Volkswagen-Konzerns bestimmt. Erst als Vorstandschef, später als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Ruhm und Anerkennung sollten ihm damit eigentlich sicher sein. Doch nach dem überraschenden Tod Ende August mit 82 Jahren waren auch deutliche Worte der Distanz zu hören. Der geniale Autokonstrukteur hatte sich schon zuvor aus allen Konzern- und Unternehmensgremien zurückgezogen. Zu isoliert war er innerhalb der VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch.

Ferdinand Piëch stammt aus Wien. Seine Mutter Louise Piëch war eine Tochter des berühmten Ferdinand Porsche, des Begründers der Dynastie. Mit Anton Piëch heiratete sie zwar einen Rechtsanwalt, doch die Verbindungen zur Autowelt und die Traditionen der Porsches waren auch in dieser Familie immer spürbar. Ferdinand Piëch hatte schon früh sein Faible für Autos entwickelt. Als Student an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und später bei Porsche, Audi und Volkswagen.

Vieles, was in Wolfsburg und Ingolstadt heute eine Selbstverständlichkeit ist, geht auf die Arbeit von Piëch zurück. Unter seiner Führung wurden bei Audi etwa der Fünf-Zylinder-Motor, außerdem der Diesel mit Direkteinspritzung und der Quattro-Allradantrieb eingeführt. Dass Audi den Aufstieg zur Premiummarke und einen tief greifenden Imagewandel geschafft hat, dafür darf sich die Volkswagen-Tochter vor allem bei Piëch bedanken. Bei dem Mann, der als begnadeter Techniker galt.

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    Er sorgte dafür, dass der Autohersteller aus der niedersächsischen Provinz zum Weltkonzern aufstieg. Ein Unternehmen, das heute auf einen Jahresumsatz von 235 Milliarden Euro kommt und mehr als 650 000 Beschäftigte hat. Mit knapp elf Millionen produzierten Fahrzeugen im Jahr hat Volkswagen den japanischen Konkurrenten Toyota überholt und ist damit zum weltgrößten Automobilhersteller aufgestiegen.

    Ferdinand Piëch war auch der Treiber, der den Aufstieg der tschechischen Tochter Skoda wesentlich angeschoben hat. Der VW-Familienpatriarch war es, der die prestigeträchtigen Marken Bentley und Bugatti in den Konzern holte. VW steht damit nicht mehr nur für Käfer und Golf, sondern wurde zu einem breit aufgestellten Unternehmen, das alle Fahrzeugsegmente abdeckt.

    Piëch verankerte zudem das Lastwagengeschäft mit den Marken MAN und Scania fest im VW-Konzern. Zuvor pflegten die Lkws bei Volkswagen nur ein Schattendasein. Piëch sorgte mit seinen Zukäufen dafür, dass der Konzern heute auch bei Lastwagen zu den Großen in der Branche gehört. MAN und Scania wurden später unter dem Dach von Traton verschmolzen, erst vor wenigen Monaten ist die Lkw-Holding an die Börse gegangen.

    Berühmt war Piëch für seine Detailversessenheit. Alles am Auto musste passen, korrekt montiert und verarbeitet sein. Besonderes Augenmerk legte er auf die Fugen im Autobau, die sogenannten Spaltmaße. Der Abstand von Tür und Motorhaube zum Karosserie-Rahmen musste immer gleich sein, für Piëch war das der Maßstab wahrer Qualität im Autobau.

    An den herausragenden Fähigkeiten des Technikers Ferdinand Piëch gibt es keine Zweifel. Doch die menschliche Seite war sein Problem. Er habe „keine Freunde“ gehabt und im persönlichen Umgang „autistisches Verhalten“ gezeigt, sagte ein früheres Vorstandsmitglied von Volkswagen. Auch von anerkannten Kollegen aus dem eigenen Umfeld habe er sich abgewendet, wenn er dafür die Notwenigkeit gesehen habe. Piëch habe als „gewiefter Machtmensch“ agiert. „Für einen Ingenieur ist das erstaunlich“, meinte der ehemalige VW-Manager.

    2015 wollte Piëch seinen langjährigen Weggefährten Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen ablösen. Dagegen rebellierte der Rest der Familie – und damit war der große Ingenieur im Kreise der Verwandten endgültig isoliert. Sein Rückzug aus allen Aufsichtsgremien nach diesem Familienstreit war letztlich konsequent.

    Auch seine milliardenschweren Anteile an der Familienholding Porsche SE gab er zurück. In der Öffentlichkeit wurde er danach kaum noch gesehen. Mit seinen engsten Angehörigen lebte er zurückgezogen in seinem Anwesen am Stadtrand von Salzburg.
    Autor: Stefan Menzel

    Jacques Chirac: Erst nach dem Tod geschätzt
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