Prominente Todesfälle 2019: Abschied von Visionären aus Wirtschaft, Politik, Sport und Gesellschaft
Foto: AFP, Carsten Behlerdpa, dpa-Bildfunk / J.Brauckmann
Sie haben die internationale Wirtschaft, Politik und Kultur geprägt. Ob Werner Müller oder Paul Volcker – die Liste der Persönlichkeiten, die der Welt fehlen werden, ist auch 2019 wieder einmal zu lang. Wir mussten von ihnen Abschied nehmen.
Ferdinand Piëch: Genialer Konstrukteur
Fast ein Vierteljahrhundert hat Ferdinand Piëch maßgeblich den Kurs des Volkswagen-Konzerns bestimmt. Erst als Vorstandschef, später als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Ruhm und Anerkennung sollten ihm damit eigentlich sicher sein. Doch nach dem überraschenden Tod Ende August mit 82 Jahren waren auch deutliche Worte der Distanz zu hören. Der geniale Autokonstrukteur hatte sich schon zuvor aus allen Konzern- und Unternehmensgremien zurückgezogen. Zu isoliert war er innerhalb der VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch.
Ferdinand Piëch stammt aus Wien. Seine Mutter Louise Piëch war eine Tochter des berühmten Ferdinand Porsche, des Begründers der Dynastie. Mit Anton Piëch heiratete sie zwar einen Rechtsanwalt, doch die Verbindungen zur Autowelt und die Traditionen der Porsches waren auch in dieser Familie immer spürbar. Ferdinand Piëch hatte schon früh sein Faible für Autos entwickelt. Als Student an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und später bei Porsche, Audi und Volkswagen.
Vieles, was in Wolfsburg und Ingolstadt heute eine Selbstverständlichkeit ist, geht auf die Arbeit von Piëch zurück. Unter seiner Führung wurden bei Audi etwa der Fünf-Zylinder-Motor, außerdem der Diesel mit Direkteinspritzung und der Quattro-Allradantrieb eingeführt. Dass Audi den Aufstieg zur Premiummarke und einen tief greifenden Imagewandel geschafft hat, dafür darf sich die Volkswagen-Tochter vor allem bei Piëch bedanken. Bei dem Mann, der als begnadeter Techniker galt.
Er sorgte dafür, dass der Autohersteller aus der niedersächsischen Provinz zum Weltkonzern aufstieg. Ein Unternehmen, das heute auf einen Jahresumsatz von 235 Milliarden Euro kommt und mehr als 650 000 Beschäftigte hat. Mit knapp elf Millionen produzierten Fahrzeugen im Jahr hat Volkswagen den japanischen Konkurrenten Toyota überholt und ist damit zum weltgrößten Automobilhersteller aufgestiegen.
Ferdinand Piëch war auch der Treiber, der den Aufstieg der tschechischen Tochter Skoda wesentlich angeschoben hat. Der VW-Familienpatriarch war es, der die prestigeträchtigen Marken Bentley und Bugatti in den Konzern holte. VW steht damit nicht mehr nur für Käfer und Golf, sondern wurde zu einem breit aufgestellten Unternehmen, das alle Fahrzeugsegmente abdeckt.
Piëch verankerte zudem das Lastwagengeschäft mit den Marken MAN und Scania fest im VW-Konzern. Zuvor pflegten die Lkws bei Volkswagen nur ein Schattendasein. Piëch sorgte mit seinen Zukäufen dafür, dass der Konzern heute auch bei Lastwagen zu den Großen in der Branche gehört. MAN und Scania wurden später unter dem Dach von Traton verschmolzen, erst vor wenigen Monaten ist die Lkw-Holding an die Börse gegangen.
Berühmt war Piëch für seine Detailversessenheit. Alles am Auto musste passen, korrekt montiert und verarbeitet sein. Besonderes Augenmerk legte er auf die Fugen im Autobau, die sogenannten Spaltmaße. Der Abstand von Tür und Motorhaube zum Karosserie-Rahmen musste immer gleich sein, für Piëch war das der Maßstab wahrer Qualität im Autobau.
An den herausragenden Fähigkeiten des Technikers Ferdinand Piëch gibt es keine Zweifel. Doch die menschliche Seite war sein Problem. Er habe „keine Freunde“ gehabt und im persönlichen Umgang „autistisches Verhalten“ gezeigt, sagte ein früheres Vorstandsmitglied von Volkswagen. Auch von anerkannten Kollegen aus dem eigenen Umfeld habe er sich abgewendet, wenn er dafür die Notwenigkeit gesehen habe. Piëch habe als „gewiefter Machtmensch“ agiert. „Für einen Ingenieur ist das erstaunlich“, meinte der ehemalige VW-Manager.
2015 wollte Piëch seinen langjährigen Weggefährten Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen ablösen. Dagegen rebellierte der Rest der Familie – und damit war der große Ingenieur im Kreise der Verwandten endgültig isoliert. Sein Rückzug aus allen Aufsichtsgremien nach diesem Familienstreit war letztlich konsequent.
Auch seine milliardenschweren Anteile an der Familienholding Porsche SE gab er zurück. In der Öffentlichkeit wurde er danach kaum noch gesehen. Mit seinen engsten Angehörigen lebte er zurückgezogen in seinem Anwesen am Stadtrand von Salzburg.
Autor: Stefan Menzel
Der frühere französische Staatspräsident Jacques Chirac war „ein ganz Großer“, sagte Ex-Bundeskanzler Gerd Schröder nach dessen Tod am 26. September dieses Jahres. Man könnte ergänzen: Er machte es nicht allen immer leicht, ihn auch so zu sehen.
Wenige französische Präsidenten waren so wichtig für Deutschland wie Chirac, dennoch ist das den meisten Bürgern weitgehend unbekannt geblieben. Mindestens drei bedeutende Entscheidungen sind mit dem im Alter von fast 87 Jahren verstorbenen Konservativen verbunden: Mit dem Nizza-Vertrag von 2000 erhielt Deutschland in der EU erstmals ein größeres Gewicht als die anderen großen Mitgliedstaaten, auch wenn Chirac sich lange dagegen gesperrt hatte.
2003 stützte er die rot-grüne Koalition und versuchte, den Irak-Krieg von US-Präsident George W. Bush zu verhindern. Der wurde nicht nur für den Mittleren Osten zu einer Katastrophe, zu den Spätwirkungen zählt die Terrormiliz des Islamischen Staats.
Und 2004 lud der damalige Präsident zum ersten Mal einen Bundeskanzler zu den Feierlichkeiten aus Anlass der Landung der Alliierten in der Normandie ein, nicht nur für Schröder „das wirkliche Ende der Nachkriegszeit“.
Chirac war lange Europaskeptiker, bevor er Europa zu einen und zu stärken versuchte. Er gab stets den standfesten Gaullisten, war aber der Erste, der sich zur bereitwilligen Mitwirkung des französischen Staates an der Judenverfolgung der Nazis bekannte und die von Charles de Gaulle begründete Legende vom kollektiven Widerstand beendete.
Chirac führte sich als kumpelhafter, volksnaher Politiker auf, der am liebsten Kühe tätschelte und kein größeres kulinarisches Vergnügen kannte als einen Braten vom Kalbskopf, Pendant zu Helmut Kohls berüchtigtem Saumagen. Der echte Chirac hatte mit diesem von ihm selbst verbreiteten Zerrbild nicht viel zu tun.
Er war eher ein Intellektueller, bewandert in Geschichte, der nicht nur Sachbücher, sondern auch Literatur verschlang. Der in Paris Geborene wurde an der Eliteschule ENA ausgebildet und heiratete die adlige Bernadette Chodron de Courcel.
Später wählte er die ländliche Corrèze in Zentralfrankreich als politischen Stammsitz, um das Image des Pariser Eliten-Sprösslings loszuwerden. Gerne ließ er sich als „le Bulldozer“ bezeichnen, um seinen Durchsetzungswillen zu illustrieren.
Zu seinen Lebzeiten wandten die Franzosen sich von ihm ab. Ein Grund war, dass das Land unter ihm wirtschaftlich stagnierte. Das von ihm angesetzte Referendum zur EU-Verfassung scheiterte 2005.
Wegen mehrerer Korruptionsaffären, in die er als Pariser Bürgermeister verstrickt war, wurde der aus dem Amt Geschiedene 2011 gar zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt: Das war in der Republik noch nie vorgekommen. Erst nach seinem Tod begann eine neue Chirac-Verehrung, die wohl nicht ganz unberechtigt ist.
Autor: Thomas Hanke
Karl Lagerfeld: Tod eines Unsterblichen
Das Einzige, was Karl Lagerfeld mit noch mehr Erfolg betrieb als das Pariser Modehaus Chanel, war die Markenpflege seines eigenes Ichs: Seine aschweißgepuderten Haare, die markante Sonnenbrille, der altertümliche Stehkragen sowie die politisch oft herrlich inkorrekten Kommentare vom Tierschutz bis zu Merkels Flüchtlingspolitik – Kaiser Karl wusste immer: Modemarken und -macher dürfen auch provozieren und pöbeln, nur eines dürfen sie nie: langweilen.
Lagerfeld war der Erste, der konsequent auf Supermodels setzte, die er teils selbst erschuf, wie Claudia Schiffer. Er ging ohne Skrupel Kooperationen ein mit dem H&M-Billig-Mainstream. Er machte für alles Reklame und selbst seine Katze Choupette zum Werbeträger mit eigenem Instagram-Account. Vor allem aber glaubte er an die Kraft gigantischer Modenschauen, als alle dachten, der E-Commerce würde doch eh alles überrollen.
Papperlapapp – das Geschäft macht Chanel immer noch und mehr denn je mit seinen eigenen, höchst analogen Hochpreis-Boutiquen, als sei das Internet nie erfunden worden. Warum? Weil Lagerfeld mehr als viele andere verstand, dass Mode nicht nur Textilwirtschaft ist, sondern Gefühl, Ereignis, Mythos, wenn man es gut macht. Und der gebürtige Hamburger, Sohn eines Dosenmilch-Fabrikanten, machte es sehr gut.
Lagerfeld war schon 50, als er nach diversen Stationen als Designer bei anderen Pariser Labels 1983 das arg schwindsüchtige Chanel übernahm. Selbst die Eigentümer, die im Gegensatz zu Lagerfeld höchst verschwiegenen Gebrüder Wertheimer, hätten damals wohl keine hohen Wetten mehr auf die Zukunft der Marke abgeschlossen.
Als Chanel im vergangenen Jahr überhaupt erstmals Zahlen kundtat, war die Branche überrascht bis neidisch: 8,3 Milliarden Euro Umsatz und ein Gewinn von 1,8 Milliarden zeigten, wie recht Kaiser Karl mit dem Satz hatte: „Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt.“ Am 19. Februar starb der Unsterbliche im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus am Rande von Paris.
Autor: Thomas Tuma
Elisabeth Werhahn: Die Tochter an Adenauers Seite
Sie war „nur“ die Tochter, und doch war sie die Frau an seiner Seite: Elisabeth Werhahn, genannt Libet, war die Frau, die ihren Vater Konrad Adenauer meist bei offiziellen Anlässen begleitete, als der Bundeskanzler wurde. Ihre Mutter Auguste war vor der Amtsübernahme Adenauers gestorben.
Libet war die jüngste Tochter der acht Kinder Adenauers aus zwei Ehen. Mit 22 Jahren heiratete sie 1950 den Industriellen Hermann Josef Werhahn, mit dem sie selbst fünf Kinder bekam. Doch er ließ Libet immer wieder mit dem Vater ziehen, um die Rolle der „Kanzlergattin“ auszufüllen.
Hier der alte Kanzler, dort die junge Frau neben ihm. Im Krieg hatte die Familie selbst Ausgrenzung durch die Nationalsozialisten erfahren müssen; wohl auch dadurch kam Libet zu ihrer politisch-sozialen Haltung.
Nun symbolisierte sie das neue, moderne Bild Westdeutschlands. Libet etwa soll es auch gewesen sein, die dafür sorgte, dass das Treffen zwischen Adenauer und John F. Kennedy 1961 harmonisch ablief.
Die Rolle der ehemaligen Kanzlerbegleiterin trug sie auch nach dem Tod des Vaters mit Hingabe, engagierte sich in der CDU, für die sie im Stadtrat der rheinischen Kleinstadt Neuss saß. Und 2009 etwa besuchte sie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel den Waldfriedhof in Rhöndorf, wo Konrad Adenauer begraben liegt.
Autorin: Claudia Panster
Niki Lauda: Immer auf der Überholspur
Foto: imago images / sepp spiegl
Selbst das Requiem für Niki Lauda im Wiener Stephansdom Ende Mai sprengte Grenzen. Den letzten Wünschen des dreimaligen Formel-1-Champions, Luftfahrtunternehmers und Aufsichtsratschefs des Formel-1-Teams von Mercedes entsprechend, ertönte der religionskritische Song „Imagine“ von John Lennon – im größten Gotteshaus des katholischen Österreich eine außergewöhnliche Liedwahl.
Als Lauda 2018 beim Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring fehlte, wusste jeder, dass etwas Schlimmes passiert war. Der Champion musste sich danach einer Lungentransplantation unterziehen, von der er sich nie mehr richtig erholt hat.
Der im Alter von 70 Jahren gestorbene Niki Lauda machte sein Leben lang, was er für richtig hielt, und was er für richtig hielt, sagte er auch. Mit seiner Haltung machte er sich als Rennfahrer und Unternehmer nicht immer Freunde. Doch sie verhalf ihm zu höchstem Respekt im Sport, in Wirtschaft und Politik weit über Österreichs Grenzen.
Das kam auch bei seinem Abschied zum Ausdruck. Unter den Gästen waren nicht nur Promis wie Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der kalifornische Ex-Gouverneur und Mime Arnold Schwarzenegger oder Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, sondern auch viele Bürger. Für sie war Lauda ein Vorbild für Sportlichkeit, Ehrlichkeit, Wagemut und Weltoffenheit.
Lauda fuhr in seinem Leben stets auf der Überholspur. Gegen den Willen seiner Familie startete er mit bereits 19 Jahren seine spektakuläre Karriere als Rennfahrer. Selbst sein fürchterlicher Feuerunfall 1976 auf dem Nürburgring, der ihm bis zum Lebensende größte gesundheitliche Probleme bereitete, hielt ihn nicht ab, weiter in der Formel 1 zu siegen.
Die Königsklasse des Rennsports ließ Lauda nie los. Seit 2013 war er Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams von Mercedes. Lauda hielt zehn Prozent der Anteile an dem Team und war maßgeblich an der Verpflichtung von Hamilton für den Silberpfeil beteiligt.
In der Formel 1 lernte Lauda, Risiken zu managen. Das nutzte ihm als Unternehmer. Gleich dreimal gründete der leidenschaftliche Pilot eine eigene Fluggesellschaft: erst Lauda Air, dann Niki. Diese verkaufte er an Air Berlin. Als die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft 2017 Insolvenz anmeldete, holte er sich Niki zurück und formte daraus Laudamotion, die heute zum Billigflieger Ryanair gehört.
Autor: Hans-Peter Siebenhaar
Werner Müller: Architekt des Kohleausstiegs
Als vor einem Jahr, kurz vor Weihnachten 2018, in Deutschland das letzte Stück Steinkohle gefördert wurde, saß Werner Müller im Publikum. Schon ein halbes Jahr zuvor hatte sich Müller zwar wegen seiner schweren Krebserkrankung von all seinen Ämtern zurückgezogen – aber diese Feierstunde wollte er sich nicht entgehen lassen.
Die Schließung der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop war schließlich eine Zäsur in der deutschen Geschichte. Nach Jahrhunderten endete die Förderung von Steinkohle in Deutschland, die noch in den 50er-Jahren eine halbe Million Menschen beschäftigt hatte und ohne die die Industrialisierung nicht möglich gewesen wäre. Müllers Lebenswerk wurde vollendet.
Der gebürtige Essener ist der Architekt des Steinkohleausstiegs. 2007 hatte Müller gegen viele Widerstände die Gründung der RAG-Stiftung durchgesetzt, die sich seither um die geordnete Abwicklung der hochsubventionierten Förderung kümmert – und endlich eine Lösung für die beteiligten Unternehmen, die Mitarbeiter und die Region gefunden.
Die Steinkohle aus Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg noch Treibstoff des deutschen Wirtschaftswunders, war schon seit Jahrzehnten im internationalen Wettbewerb nicht mehr konkurrenzfähig.
Die Förderung wurde zwar mit hohen Subventionen nach und nach heruntergefahren, eine grundsätzliche Frage blieb aber stets ungeklärt: Wie sollten die milliardenschweren Ewigkeitslasten des Bergbaus langfristig finanziert werden?
Über Jahrhunderte waren unzählige Stollen ins Ruhrgebiet und ins Saarland getrieben worden, immer wieder treten Bergschäden auf, und dauerhaft muss Grubenwasser abgepumpt werden.
Die Lösung dieses Problems glich einem gordischen Knoten. Die RAG-Eigentümer, darunter Thyssen-Krupp, RWE und Eon, waren nicht bereit, auf ihre Anteile zu verzichten, wenn sie nicht im Gegenzug von den unkalkulierbaren Ewigkeitslasten entbunden würden.
Die Politik wiederum war nicht bereit, die Unternehmen aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Gleichzeitig pochten Bundespolitik, die Bergbauländer Nordrhein-Westfalen und die Gewerkschaften auf ihre Interessen.
Müller aber nahm den Befreiungsschlag 2003 unmittelbar in Angriff, als er den Chefposten bei der RAG, der ehemaligen Ruhrkohle, antrat. Schon nach wenigen Wochen gab der zielstrebige und gewiefte Manager gegenüber den Mitarbeitern das kühne Ziel aus, aus der RAG ein „strotznormales“ Unternehmen zu machen, das vielleicht sogar mal an der Börse notiert sein würde. Damals wurde der Genussmensch, der seine Strategien gerne im Hinterzimmer bei Rotwein und Zigarillo entwarf, von den mächtigen Ruhrbaronen belächelt.
Aber mit Beharrlichkeit arbeitete Müller an seiner Vision und entwarf das Stiftungsmodell. Die RAG-Stiftung sollte den Ausstieg sozial verträglich abwickeln, was ihr gelang, und sich um die dauerhafte Finanzierung der Ewigkeitslasten kümmern, was sie in Zukunft beschäftigen wird.
Um die Stiftung mit dem nötigen Kapital auszustatten, wurden die anderen Bereiche der RAG – Chemie, Immobilien und Stromproduktion – in einem neuen, börsennotierten Konzern gebündelt: Evonik. Immobilien und Stromerzeugung sind inzwischen veräußert. Evonik hat Müller, der das Unternehmen in den Anfangsjahren selbst führte, als erfolgreichen Chemiekonzern an der Börse platziert. Die Dividenden und der Verkauf erster Pakete verschafften der RAG-Stiftung genügend finanziellen Spielraum, um die gesetzten Aufgaben erledigen zu können.
Um das Stiftungsmodell durchzusetzen, setzte der Diplom-Volkswirt und promovierte Sprachwissenschaftler sein ganzes politisches Geschick ein. Schließlich hatte Müller zu diesem Zeitpunkt bereits ein Vierteljahrhundert in der Energiewirtschaft gearbeitet, zuerst für RWE, dann für Eon. Von 1998 bis 2002 war er Bundeswirtschaftsminister der ersten rot-grünen Bundesregierung – ohne Parteibuch – und hatte schon den Ausstieg aus einem anderen Energieträger mit ausgehandelt: der Atomenergie.
Beim Steinkohleausstieg war die Lage nicht weniger komplex. Es galt, die Alteigentümer der RAG zu überzeugen, die letztlich für einen symbolischen Betrag von einem Euro auf ihre Rechte verzichteten, aber auch Politik und Gewerkschaften einzubinden. Müller pokerte hoch, gewann und schuf ein Modell, das so überzeugend ist, dass es schon mehrfach für andere Bereiche diskutiert wurde – den Ausstieg aus der Braunkohleförderung oder die Abwicklung der Kernkraftwerke.
Ende 2012 übernahm Müller selbst den Vorsitz der RAG-Stiftung. Eigentlich wäre sein Vertrag noch bis 2022 gelaufen. Anfang 2018 zog er sich jedoch wegen seines Krebsleidens zurück. Mitte Juli dieses Jahres erlag der erfolgreiche Manager und Politiker im Alter von 73 Jahren seinem Leiden.
Autor: Jürgen Flauger
Klaus Kinkel: Aufrecht und bescheiden
Zu den größeren Aufregern in der Amtszeit von Klaus Kinkel gehörte eine Begegnung in Bonn 1995 mit dem Dalai Lama. Der deutsche Außenminister fiel dem religiösen Oberhaupt der Tibeter in den Arm, als der ihm einen seiner weißen Seidenschals um den Hals legen wollte. Darüber, dass er der erste deutsche Außenminister war, der trotz des Widerstands aus China den Dalai Lama empfangen und den „kritischen Dialog“ mit Peking erfunden hatte, sprach im Nachhinein niemand mehr.
Eine politische Begebenheit, die gut in eine Zeit passt, in der die deutsche Politik um den richtigen Umgang mit China ringt. Der frühere Vizekanzler, der im März dieses Jahres im Alter von 82 Jahren verstorben ist, gehörte jedenfalls zu den Leuten, die direkt und oftmals ohne jeden Umweg sagten, wenn sie etwas zu sagen hatten. Von allen Außenministern war er wohl derjenige, der auf Diplomatie am ehesten verzichtete.
1936 im schwäbischen Metzingen geboren, wollte Kinkel eigentlich wie sein Vater Arzt werden. Dann schwenkte er auf Jura um, promovierte und wurde zuerst Spitzenbeamter in einer Unterbehörde des Bundesinnenministeriums. 1970 entdeckte der damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher sein Talent. Er war es, der Kinkel 1979 zum Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) machte.
Als Staatssekretär und schließlich als Justizminister saß Kinkel an einer der Schaltstellen der schwarz-gelben Koalition von Kanzler Helmut Kohl (CDU). 1992, nach Genschers Rücktritt, folgte der „Ziehsohn“ seinem Förderer im Auswärtigen Amt, das er über sechs Jahre lang führte. Genscher galt als Vielflieger, Kinkel stand ihm mit insgesamt 445 Auslandsreisen nicht viel nach. Auch wenn das Kanzleramt schon zu Kinkels Zeiten die Außenpolitik immer mehr an sich zog. Seine Amtszeit war prägend, auch für das Auswärtige Amt.
Die wohl schwierigste Zeit erlebte er als FDP-Vorsitzender von 1993 bis 1995. Wer ihn darauf ansprach, erntete eher missbilligende Blicke. Kinkel, der ungern dreimal über die politische Bande spielte, war für die Hinterzimmerabsprachen in der damaligen FDP nicht geschaffen. Er hätte dafür bei Kohl in die Lehre gehen können. Das wollte er aber nicht, obwohl er mit dem Kanzler ein fast freundschaftliches Verhältnis pflegte, soweit das in der Politik geht.
Die wohl größte private Tragödie war 1982 der tödliche Verkehrsunfall seiner ältesten Tochter, eines von vier Kindern, die mit 20 Jahren starb. Nach der Abwahl von Schwarz-Gelb saß er noch bis 2002 im Bundestag. Später arbeitete er als Anwalt und wurde Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung. Dort beschäftigte er sich lange mit der Bildungspolitik im Land. Ein Thema, das ihm als Liberalem immer am Herzen lag. Auch für die wirtschaftliche Bildung an Schulen und Hochschulen konnte er sich begeistern.
Bis ins hohe Alter spielte er Tennis, in früheren Zeiten gerne schon mal mit Boris Becker oder Steffi Graf. Kinkel fuhr auch begeistert Ski.
Es passt auch zu Kinkels Charakter, dass er Auszeichnungen aus dem In- und Ausland ablehnte. Zwei Ausnahmen machte er. Er nahm die Reinhold-Maier-Medaille an, die sich um Weiterbildung kümmert. Und von seinem Lieblingsfußballverein Karlsruher SC wurde er zum Ehrenmitglied ernannt – Mitglieds-Nr. 66 63 57. Mit Klaus Kinkel ist ein großer Liberaler gestorben.
Autor: Thomas Sigmund
Hergard Rohwedder: Vom Glück der Freiheit
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Politikerin des Jahres
Ursula von der Leyen -
Aufsteiger des Jahres
Jennifer Morgan und Christian Klein -
Umsteiger des Jahres
Christine Lagarde -
Ungehorsam des Jahres
Greta Thunberg -
Kämpferin des Jahres
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Familienunternehmerin des Jahres
Natalie Mekelburger -
Start-up des Jahres
Monja Mühling -
Kampagne des Jahres
Commerzbank zur Fußball-WM der Frauen -
Aussteigerin des Jahres
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Manager des Jahres
Allianz-Chef Oliver Bäte -
Dauerläufer des Jahres
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Nachfolger des Jahres
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Geldmanager des Jahres
Uwe Fröhlich und Cornelius Riese -
Stratege des Jahres
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Investoren des Jahres
Andreas und Thomas Strüngmann -
Verlierer des Jahres
Peter Fankhauser -
Prominente Todesfälle 2019
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Durch das Leben hat sie vieles getragen: Selbstbewusstsein, Individualität (man könnte sagen Unangepasstheit), Menschlichkeit, Ehrgeiz. Aber auch ein Satz des griechischen Staatsmanns Perikles: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“
Eine bedeutende Liberale also, geboren im ostpreußischen Königsberg, die an der angesehenen University of Chicago Law School studierte, dann im Wirtschaftswunderland Karriere machte und Richterin in Düsseldorf wurde – und die ihr privates Glück in der Ehe mit dem Manager Detlev Karsten Rohwedder fand. Sie die leidenschaftliche Freidemokratin, er der überzeugte Sozialdemokrat, man sei „30 Jahre interessant und gut verheiratet gewesen“.
Die Ermordung ihres damals bei der Treuhandanstalt ganz oben angestellten Mannes am 1. April 1991 hinterließ tiefe Spuren im Leben der Hergard Rohwedder. Die vielen Fahndungspannen ließen ihr bis zuletzt keine Ruhe. Sie befeuerten ihren Glauben, altgediente Stasikräfte hätten mitgewirkt.
Sie selbst wurde bei dem Attentat schwer verletzt und nahm erst nach zweijähriger Rekonvaleszenz wieder ihr intensives soziales Leben auf. Die Mutter zweier Kinder trieb von 1999 an ihr FDP-nahes „Liberales Netzwerk“ voran – halb Thinktank, halb Pressure Group –, zu dessen Veranstaltungen Prominente aus Politik und Wirtschaft kamen, Kanzlerin Angela Merkel inklusive.
Als Asylrichterin und später als Anwältin wirkte sie engagiert weiter. Eine, die sich einmischte, explizit für gute Beziehungen zu den USA und Israel. Ein Freigeist gegen Staatsansprüche und Gruppenzwang, stets mit einem Faible fürs Schöne in der Welt und die Kultur des Salons. Hergard Rohwedder, die Netzwerkerin, verstarb im Alter von 85 Jahren in Düsseldorf.
Autor: Hans-Jürgen Jakobs
Rudi Assauer: Der Mann mit der Zigarre
Plötzlich war da diese Unsicherheit. Rudi Assauer, der erfolgreiche, große, der laute, oft gar polternde Manager war verunsichert. Da war etwas, das er nicht wahrhaben wollte und doch nicht ändern konnte: die Krankheit. Die Krankheit, deren Namen er bis zuletzt nicht aussprechen wollte und dann nicht mehr konnte: Alzheimer. Die Krankheit, die ihn alles hat vergessen lassen, was er im Fußball erreicht hat. Und an der er letztlich gestorben ist.
Assauer spielte als Profi bei Borussia Dortmund und Werder Bremen. In Bremen wurde er im Jahr 1976 mit 32 Jahren der damals jüngste Manager der Fußball-Bundesliga. Seine großen Erfolge feierte Assauer mit Schalke 04. Mit ihm als Manager holte Schalke 1997 den Uefa-Cup und siegte zweimal im DFB-Pokal. Unvergessen ist, wie er mit Zigarre im Mundwinkel, die Trophäe stolz geschultert, in der Nacht seines größten Triumphs über den Rasen des Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadions läuft.
2001 und 2002 folgte der DFB-Pokal. 2001 verpasste Schalke die Meisterschaft buchstäblich in der letzten Minute – und wurde zum „Meister der Herzen“. Die Erfolge beflügelten Assauer, die Gelsenkirchener Veltins Arena bauen zu lassen – das erste Stadion in Deutschland, das komplett privatwirtschaftlich finanziert wurde.
Assauer blieb bis 2006. Er trat als Manager zurück, nachdem ihm der Aufsichtsrat das Vertrauen entzogen hatte. Selbstherrlichkeit lautete der Vorwurf. Später wusste man es besser. Es war die Unsicherheit, die ihn hatte immer lauter werden lassen: „Ihm war lieber, dass die Menschen denken, er sei betrunken, als dass sie merken, dass er krank ist“, sagte seine Tochter Bettina Michel, die ihn am Ende pflegte, in einem Interview mit dem Handelsblatt. Der laute Manager, der war er da schon lange nicht mehr.
Autorin: Claudia Panster
Paul Volcker: Seine Sturheit zahlte sich aus
Ein halbes Jahrhundert prägte Paul Volcker Amerikas Wirtschafts- und Finanzsystem. Er führte die US-Notenbank Federal Reserve von 1979 bis 1987 und steuerte die Wirtschaft durch eine besonders schwere Zeit. Amerika kämpfte mit Inflationsraten von bis zu 15 Prozent, während die Wirtschaft vor sich hin dümpelte.
Volcker trat an, um die Preissteigerung unter Kontrolle zu bringen. Das schaffte ihm viele Feinde, doch er hielt Kurs. Zwar stiegen die Zinsen auf bis zu 20 Prozent, was die Wirtschaft in die Rezession stürzte und vor allem die Baubranche und den Agrarsektor hart traf. Die Arbeitslosenquote stieg Ende 1982 auf fast elf Prozent.
Volckers Sturheit zahlte sich aus. Der mehr als zwei Meter große Mann stabilisierte die Lage. Ökonomen bewundern sein Engagement, das entscheidend zur stabilen Weltwirtschaft der 80er- und 90er-Jahre beitrug.
Bis zuletzt engagierte er sich für das Finanzsystem. In der Finanzkrise 2008 wurde er von Barack Obama zurück in den Dienst gerufen. Er wurde Berater des Präsidenten und Architekt der Volcker-Regel, die spekulative Investments von Banken begrenzte. Ein Freund der Finanzbranche war er nie.
Innovationen wie Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps, hielt er bis zum Schluss für gefährlich. Im Grunde, befand er 2009, sei der Geldautomat die „einzige nützliche Innovation“, die die Finanzbranche in Jahrzehnten zustande gebracht habe.
Autoren: Astrid Dörner, Thomas Jahn
Lee Iacocca: Autolegende mit Visionen
Mit seinem Tod ist in den USA eine Autolegende und ein Visionär gegangen. Lee Iacocca, der Sohn italienischer Einwanderer, war neben Henry Ford die schillerndste Persönlichkeit in der amerikanischen Autowelt.
Iacocca war neben Henry der Schöpfer der Sportwagen-Ikone Ford Mustang. 1946 als Praktikant bei dem Autobauer eingestiegen, wurde er mit nur 36 Jahren Vizepräsident, 1970 dann Präsident. Als sich der selbstbewusste Mann jedoch mit dem Gründersohn Henry Ford II anlegte, kostete ihn das den Job.
Es vergingen nur wenige Tage, da holte ihn der Konkurrent Chrysler ins Unternehmen. Den kriselnden Konzern versuchte er, in den 80er-Jahren wieder in den Markt zu bringen. Iacocca verzichtete so lange auf sein Gehalt, bis Chrysler wieder in der Gewinnzone war.
Vor allem aber sagte er schon früh das Ende der fossilen Brennstoffe voraus und versuchte 1999, ein eigenes E-Auto auf den Markt zu bringen. „Wir waren auf einer Spritztour mit einer Energie, die es fast gratis gab“, sagte er 2007. „Wir müssen weg von fossilen Brennstoffen.“
Auch war sich Iacocca nicht zu schade, den Autoverkäufer in einem Chrysler-Werbespot zu spielen: „Wenn Sie ein besseres Auto finden, kaufen Sie es!“ – Mit diesen Worten hatte er den Weg in die amerikanischen Wohnzimmer gefunden. Im Juli starb Iacocca im kalifornischen Bel Air an den Folgen eines Parkinson-Leidens.
Autorin: Katharina Kort
Jörg Schönbohm
2.9.1937 – 7.2.2019: Er galt als durchsetzungsfähiger Reformer. Zunächst beim Militär, wo er als Glanzleistung seiner Karriere nach der Wende die Nationale Volksarmee der DDR in die Bundeswehr integrierte. Danach in der Politik, ob als Berliner Innensenator, wo Jörg Schönbohm zwischen 1996 und 1998 die Landesverwaltung, die Polizeibehörde und die Bezirke umstrukturierte, oder als CDU-Chef in Brandenburg ab 1999.
Mohammed Mursi
20.8.1951 – 17.6.2019: Die letzten Jahre seines Lebens saß er in Haft, nachdem das Militär ihn nach tagelangen Massenprotesten aus dem Amt geputscht hatte. Dies wiederum löste gewaltsame Auseinandersetzungen aus und führte zu einer Staatskrise. Mohammed Mursi, erster demokratisch gewählter Präsident Ägyptens und Anhänger eines politischen Islams, starb, nachdem er vor Gericht zusammengebrochen war.
Hans Wall
17.3.1942 – 1.7.2019: Seine Geschäftsidee, Toilettenhäuschen mit Werbeflächen zu versehen und so zu finanzieren, brachte ihm den inoffiziellen Titel „Toiletten-König“ ein. Hans Wall hatte seine Karriere in den 1970ern damit begonnen, den Kommunen kostenlose Stadtmöblierung anzubieten – Werbeflächen inklusive. 2009 verkaufte er für geschätzte 80 Millionen Euro an den französischen Konzern JCDecaux und wirkte seither zunehmend als Mäzen in Berlin.
David Groenewold
26.3.1973 – 3.7.2019: Er war für eine Reihe von erfolgreichen deutschen Filmen verantwortlich, darunter „Kirschblüten – Hanami“, „Elementarteilchen“ oder „Die Welle“. Zu zweifelhaftem Ruhm gelang David Groenewold jedoch, als ihm im Zuge der Affäre um den 2012 zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff Bestechung vorgeworfen wurde. 2014 wurde er freigesprochen. Groenewold wurde nur 46 Jahre alt.
Michael Jürgs
4.5.1945 – 5.7.2019: Er war unbeugsam, streitbar, empathisch, frech. Vor allem aber war er ein großer Journalist. Bereits mit 23 Jahren wurde er Feuilletonchef bei der „Münchener Abendzeitung“. Er war Chefredakteur beim „Stern“, bei „Tempo“, schrieb Bücher. „Der Fall Romy Schneider“ wurde zum Bestseller. Im September, nach seinem Tod, erschien „Post mortem: Was ich nach meinem Tod erlebte und wen ich im Jenseits traf“.
Frieder Burda
29.4.1936 – 14.7.2019: Als Kind litt er darunter, dass seine Mutter Aenne so oft abwesend war, weil sie Burda Schnittmoden zu einem Weltkonzern ausbaute. Zwar absolvierte er dort eine Ausbildung, begann aber nebenbei, Kunst zu sammeln. Als der Vater starb, widmete er sich ganz der Kunst. Sein Vermächtnis ist das Museum Frieder Burda in Baden-Baden mit Bildern der wichtigsten Zeitgenossen des 20. und 21. Jahrhunderts.
Li Peng
20.10.1928 – 22.7.2019: Der ehemalige chinesische Ministerpräsident galt als einer der Verantwortlichen für das Tiananmen-Massaker vom 4. Juni 1989, das von Studenten initiierte Proteste niederschlug und bei dem Hunderte Menschen getötet wurden. 1987 war der Ingenieur zum vierten Ministerpräsidenten ernannt worden. Li war Förderer der Drei-Schluchten-Talsperre, deren Bau bis heute als ökologisch umstritten gilt.
David H. Koch
3.5.1940 – 23.8.2019: Er galt seit Jahren als einer der wichtigsten Financiers der konservativen Politik in den USA – und als einer der reichsten Menschen der Welt. Dem Milliardär und einflussreichen Unternehmer gehörte gemeinsam mit seinem Bruder Charles „Koch Industries“ – ein Imperium an Ölpipelines, Rinderfarmen, Papier- und Düngemittelherstellern sowie Technologiefirmen. Das US-Magazin „Forbes“ schätzte den Reichtum von David Koch auf rund 42 Milliarden Dollar.
Peter Lindbergh
23.11.1944 – 3.9.2019: Der deutsche Modefotograf war einer der berühmtesten seiner Zeit. Peter Lindbergh prägte eine ganze Model-Ära. Als er 1988 sechs Supermodels in Herrenhemden steckte, galt dies als Initialzündung für die Ära der Supermodels. Er fotografierte Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Kate Moss – am liebsten in Schwarz-Weiß. Seine Arbeiten erschienen in großen Zeitschriften, der „Vogue“, „Harper’s Bazaar“, „The New Yorker“, „Vanity Fair“ und „Stern“.
Robert Mugabe
21.2.1924 – 6.9.2019: Als die Menschen in Simbabwe vor knapp zwei Jahren zu Zehntausenden auf die Straße gingen, um dort den Rücktritt des Mannes zu fordern, der fast 40 Jahre lang brutal über sie geherrscht hatte, saß Robert Mugabe mit einem alten Freund daheim in seinem Büro und schwelgte in alten Zeiten. Bis zuletzt hatte sich Mugabe mit Jasagern und engen Freunden umgeben. Lange als Lichtgestalt gefeiert, erkannte der Westen erst spät, dass er rachsüchtig und machthungrig war, ein Tyrann.
Sigmund Jähn
13.2.1937 – 21.9.2019: Der Sachse war 1978 der erste Deutsche im All. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski war er sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im Raumschiff „Sojus 31“ unterwegs. Nach der Wende wurde Jähn arbeitslos. Später arbeitete er für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Europäische Weltraumorganisation. Er selbst sagte: „Im Rampenlicht zu stehen fand ich anstrengender als die Reise ins All.“
Monika Schoeller
15.9.1939 – 17.10.2019: Nach dem zwischenzeitlichen Rückzug ihres Bruders Dieter von Holtzbrinck hielt sie zeitweise 50 Prozent der Anteile der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der das Handelsblatt gehört. Monika Schoeller hatte als Tochter Georg von Holtzbrincks ihr Leben dem Verlagswesen gewidmet und war von 1974 bis 2002 Chefin des S. Fischer Verlags, verlegte unter anderem die Tagebücher von Thomas Mann.
Mark Hurd
1.1.1957 – 18.10.2019: Im September hatte Mark Hurd überraschend eine Auszeit aus gesundheitlichen Gründen angekündigt, wenige Wochen darauf verstarb er mit nur 62 Jahren. Der Co-Vorstandschef des US-Softwarekonzerns Oracle galt als eines der Verkaufstalente im Silicon Valley und als entscheidender Treiber des Wechsels vom Lizenzsoftwaremodell zum Cloud-Computing.
Erhard Eppler
9.12.1926 – 19.10.2019: Er ist ein Vorreiter des Nachhaltigkeitsgedankens. In den 1970er- und 1980er-Jahren hatte Erhard Eppler diverse Führungsämter in der SPD inne und war von 1968 bis 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Nach einer vom Nationalsozialismus geprägten Jugend mahnte er schon früh, sich mehr um die Entwicklung Afrikas zu kümmern, und warnte vor der Zerstörung der Natur.