Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dauerläufer des Jahres Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer: Fünfte Karriere in vierter Profession

Von McKinsey über HVB und Unicredit zum Chef der Deutschen Börse: Theodor Weimer hat es in vielen Branchen weit gebracht. Was bleibt, ist der Erfolg.
19.12.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Quelle: Bloomberg Julius Brauckmann Illustration


(Foto: Bloomberg Julius Brauckmann Illustration)

Er ist zukunftsgerichtet, drängt immer mit überbordender Energie voran. Deswegen wird Theodor Weimer wohl am 21. Dezember, wenn er seinen 60. Geburtstag begeht, eher eine To-do-Liste für die kommenden Jahre anlegen und überlegen, was ihm wichtig sein wird, als einen Rückblick zu halten. Dabei könnte er das in beruflicher (ebenso wie privater) Hinsicht mit einer tiefen Zufriedenheit tun.

Gerade wurde er das dritte Quartal in Folge zum deutschen Manager mit dem besten Medienimage gewählt. Dabei standen die guten Unternehmenszahlen, die er mit der Deutschen Börse in einem nicht einfachen Marktumfeld lieferte, im Vordergrund.

Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse wurde Theodor Weimer 2018. Anfang nächsten Jahres soll sein Vertrag für weitere Jahre verlängert werden. Dabei hat er diese Position in turbulenten, das Unternehmen auch verunsichernden Zeiten übernommen.

Nur wenige Monate zuvor war die Fusion mit der London Stock Exchange am Brexit und den daraus resultierenden Fragen gescheitert. Hinzu kamen Untersuchungen unter anderem im Zusammenhang mit Insidervorwürfen. Theodor Weimer kam, baute in der Mitarbeiterschaft Vertrauen auf und den Vorstand um, etablierte eine neue Dynamik und stabilisierte so das Unternehmen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Hört man sich innerhalb des Unternehmens um, so kommt einem der Respekt entgegen, den er dort heute genießt. Anders als seine starke Persönlichkeit, sein immenses Aktivitätslevel und sein klares Auftreten vermuten lassen, bindet er dabei seine Vorstandskollegen eng ein und hat sie zu einem Team zusammengeschweißt. Er hört zu, sucht ihr Feedback und arbeitet am Konsens.

    Die 53-Jährige ist eine der wenigen deutschen Multiaufsichtsrätinnen. Sie sitzt in den Gremien der Dax-Konzerne Linde und Munich Re. Die Mutter dreier Söhne ist zudem Professorin für Unternehmensfinanzierung an der TU München. Theodor Weimer kennt sie seit gemeinsamen Lehrjahren bei der Strategieberatung McKinsey.
    Ann-Kristin Achleitner

    Die 53-Jährige ist eine der wenigen deutschen Multiaufsichtsrätinnen. Sie sitzt in den Gremien der Dax-Konzerne Linde und Munich Re. Die Mutter dreier Söhne ist zudem Professorin für Unternehmensfinanzierung an der TU München. Theodor Weimer kennt sie seit gemeinsamen Lehrjahren bei der Strategieberatung McKinsey.

    Der heutige Theodor Weimer ist ein Hybrid zweier sehr unterschiedlicher beruflicher Erfahrungswelten, jene der Berater und jene der Entscheider, die er sehr harmonisch zu verbinden vermag. Seine Tätigkeit bei der Deutschen Börse ist sozusagen sein fünftes Berufsleben in der vierten Profession. Und dabei hatte er doch eigentlich mit einer Karriere als Musiker geliebäugelt – was bis heute mitschwingt, wenn er sich an das Klavier setzt, wie vor ein paar Jahren bei einer Veranstaltung in Passau.

    Aber er studierte dann doch Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre sowie Geografie in Tübingen und Sankt Gallen und promovierte bei Prof. Dr. Horst Albach. Es folgte der für exzellente Abgänger typische Einstieg in die Unternehmensberatung, in der er relativ lang, 13 Jahre, blieb. Die ersten sieben Jahre arbeitete er bei McKinsey.

    Schon damals fiel auf, wie er, noch Junior, aufgrund einer starken, aber auch breit ausgeprägten Persönlichkeit ungewöhnlich gute, auf der Karrierestufe damals nicht vorgesehene, eigenständige Kundenkontakte aufbauen konnte.

    Danach wechselte Theodor Weimer zum Konkurrenten Bain. Dort wurde er Director und Mitglied des weltweiten Management Committee. 2001 erfand er sich dann beruflich neu als Investmentbanker bei Goldman Sachs. Nach drei Jahren machte man ihn dort zum Partner mit der Zuständigkeit für den deutschsprachigen Finanzdienstleistungsbereich.

    Diese Jahre bei führenden Dienstleistungsorganisationen mit ihrer ganz besonderen Kultur haben ihn sicherlich nicht nur intellektuell angeregt und sein strategisches Denken geschärft, sondern ihn auch in partnerschaftlichem Miteinander geschult. Aber er war auch früh recht selbstbewusst oder bewusst selbstbestimmt: So wird der Anruf eines neuen weltweiten Chefs überliefert, der mit ihm regelmäßige Abstimmungstermine vereinbaren wollte.

    Die Bank ganz gut überstanden

    Weimer wiegelte dies ab mit dem Hinweis, er würde sich dann schon melden, wenn es etwas zu besprechen gäbe. Da er nicht arrogant, sondern unkompliziert, ja häufig charmant wirken kann, wenn er derart forsch ist, kommt er sicherlich mit sehr viel mehr durch, als dies landläufig der Fall ist.

    2007 macht er dann einen auf den ersten Blick erstaunlichen Schwenk – er wechselte die Besprechungstischseite und ging ins operative Finanzdienstleistungsgeschäft, das er so lange als Dienstleister betreut hatte. Zuerst als Leiter des Investmentbankings der Unicredit geholt, wurde er schon zwei Jahre später Vorstandssprecher der Bayerischen Hypo-Vereinsbank und Executive Chairman des globalen Investmentbankings der Unicredit-Gruppe.

    Es folgten Jahre, die zum einen durch die positive geschäftliche Entwicklung der Einheit unter seiner Führung gekennzeichnet waren, andererseits vor allem als Folge der Finanzmarktkrise erhebliche Herausforderungen für den Unicredit-Konzern mit sich brachten. Es waren umfangreiche Rationalisierungen und Restrukturierungen nötig.

    Unter Weimer hat die Bank diese ganz gut überstanden, lautet das Urteil der Fachwelt. Er habe die HVB für die Zukunft aufgestellt, ohne die notwendigen Einschnitte zu scheuen. Aber schon hier kümmerte er sich nicht nur um überzeugende Zahlen, sondern auch um die Unternehmenskultur.

    Authentizität und Haltung

    Die Jahre als Chef einer der größeren deutschen Banken haben ihn aus dem Elfenbeinturm der Berater geholt, und mit erstaunlichem Naturtalent hat er die beeindruckende Anzahl von über 20 000 Mitarbeitern geführt. Dabei hat er auch früh und nachhaltig Frauen gefördert. 2010 stieß er die Gründung des HVB-Frauenbeirats an. Ziel war die Beratung des Vorstands bei wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen und Empfehlungen zur besseren Förderung von Frauen.

    Herausragend war hierbei auch das vom Frauenbeirat angestoßene Gründerinnen-Mentoring, in dem Gründerinnen nach einem Auswahlverfahren in einem sechs Monate dauernden Programm von erfahrenen Unternehmerinnen und Gründungsexperten des Hauses unterstützt wurden. Vater zweier Töchter zu sein hat hier sicherlich den Blick für den Wert derartiger Maßnahmen geschärft.

    Theo Weimer bekommt heute die Auszeichnung als „Dauerläufer“ – auch wenn er in seiner sportlichen Freizeit begeistert Rennrad fährt. Dauerläufer heißt, dass er seit vielen Jahren ohne großes Aufsehen seine Aufgabe schlichtweg gut macht ... es sei erlaubt, heute auch mal von „sehr gut“ zu sprechen.

    Für mich ist der beste Beweis für den Dauerläufer-Erfolg allerdings, dass Weggefährten aus allen fünf prägenden Stationen seines beruflichen Lebens sich ausgesprochen positiv zu Theo Weimer, seiner Persönlichkeit und seinem Führungsstil äußern – obwohl dies absolut nicht selbstverständlich ist. Wenn „Meckies“ etwas Gutes über einen sagen, der „Bainie“ wurde, oder wenn Goldmänner den Investmentbanking-Chef der Unicredit loben, dann muss das schon jemand Besonderes sein.

    Auch wenn man hört, dass der Betriebsrat der HVB es – trotz der Umstrukturierung und des breiten Stellenabbaus unter seiner Ägide – bedauerte, als Theo Weimer zur Börse wechselte, so zeigt dies seine „Dauerläufer-Qualitäten“.

    Wenn man über die Fähigkeiten Theo Weimers hört, Menschen zusammenzubringen, Mitarbeiter zu akquirieren, Teams zu schmieden, aber auch wenn man ihn in öffentlichen Diskussionsrunden erlebt, so drängt sich einem das Wort „Menschenfänger“ auf – allerdings „Menschenfänger“ im besten Sinne, denn er verbindet dies mit einer Eigenschaft, die dieser Tage oft gepredigt, aber selten gelebt wird: Authentizität und Haltung. Er ist nicht nur Berater, Banker oder Börsenchef. Er ist Teil der Gesellschaft, einer, der sich nicht nur für Bilanzen interessiert, sondern auch für das (politische) Leben und die Menschen um ihn herum.

    Wer noch auffiel: Mit immer neuen Ideen
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Dauerläufer des Jahres - Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer: Fünfte Karriere in vierter Profession
    0 Kommentare zu "Dauerläufer des Jahres: Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer: Fünfte Karriere in vierter Profession"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%