Familienunternehmerin des Jahres: Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger bringt die Politik in die Firmenwelt
Foto: Porsche Consulting
Natalie Mekelburger – der Name dieser Unternehmerin ist seit Sommer weit über die Automobilbranche hinaus bekannt. Mit einem Gastbeitrag in der Zeitung „Die Welt“ schaltete sie sich mutig in eine aktuelle Debatte ein. Ihr Kommentar trug den programmatischen Titel: „Der neue Klimaabsolutismus“.
In nüchterner Art beschreibt sie, wie die deutsche Wirtschaft alle Anstrengungen unternimmt, den immer neuen Auflagen der Politik hinterherzuhecheln und trotzdem öffentlich nur gescholten wird. Autokonzerne werden so ihres Erachtens in absehbarer Zeit Strafzahlungen für zu hohe Flottenverbräuche leisten müssen, statt dieses Geld in Forschung und Entwicklung stecken zu können.
Mit ihrem Beitrag traut Mekelburger sich etwas, was Unternehmer nur selten wagen. Sie wird politisch, sie schreibt gegen den Mainstream in Medien und Politik an. Sie wendet sich damit auch gegen die anbiedernde Haltung mancher Wirtschaftsgröße.
Natalie Mekelburger kritisiert auch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Es ist ihres Erachtens für Deutschland der teuerste Weg zur CO2-Vermeidung. Sie weist zudem darauf hin, dass es unmöglich ist, Kernkraft und Kohle abzuschaffen, gleichzeitig aber Millionen von Autobatterien bei Dunkelheit und Flaute zu laden. Es sei denn, wir kaufen Atom- und Kohlestrom aus Frankreich oder Polen oder verlassen uns darüber hinaus noch auf russisches Gas.
Dass diese alltäglichen Widersprüchlichkeiten in der deutschen Öffentlichkeit keine Rolle spielen, geht ihr nicht in den Kopf.
Patrick Adenauer ist Chef der auf Bauprojekte spezialisierten Unternehmensgruppe Bauwens in Köln. Von 2005 bis 2011 war der promovierte Betriebswirt zudem Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“. Der 57-Jährige ist ein Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers.
Foto: imago/MauersbergerAuch weist sie darauf hin, dass die Forderungen der Klimabewegung längst nicht mehr auf die Rettung des Klimas allein abzielen. Mit der Klimaklage würden noch viele andere Forderungen und Verbote – und seien sie noch so abstrus – begründet. Für sie ist das eine Form sozialistischen Ökologismus.
Ich kann Natalie Mekelburger in ihrer Kritik nur zustimmen. Egal, was die deutsche Wirtschaft tun wird, es wird nie genug sein, um das Klima zu retten – schon allein, weil der Rest der Welt sich nicht drum schert. Im Gegenteil, wir werden belächelt. Der Ausstieg aus der Kernkraft ist da beispielhaft. Kein anderer Staat ist gefolgt, stattdessen sind zurzeit weltweit 55 Kernkraftwerke im Bau. Dieselfahrverbote gibt es auch nur in Deutschland.
Trotzdem wird hierzulande gefordert, ohne Rücksicht auf Verluste an Arbeitsplätzen und volkswirtschaftlichem Vermögen den CO2-Ausstoß zu senken. Dem Erdklima wird das bei einem Anteil von unter drei Prozent am weltweiten anthropogenen CO2-Ausstoß nicht helfen, eher unseren Wettbewerbern in China und andernorts.
Doch wie kommt es, dass ausgerechnet eine erfolgreiche und im Auftreten charmante Familienunternehmerin, Mutter von zwei Töchtern, bei einem solch heiklen Thema den Mund aufmacht?
Es liegt wohl in ihrem Naturell: Sie redet als Unternehmerin Klartext und lässt sich den Mund nicht verbieten.
Unter Mekelburgers Führung ist das Wuppertaler Unternehmen Coroplast vom regionalen Mittelständler zum Global Player mit 500 Millionen Euro Umsatz und mehr als 6.000 Mitarbeitern gewachsen. 1928 vom erst 25-jährigen Fritz Müller als „Fritz Müller Elektroisoliermaterial“ gegründet, fertigt das Unternehmen schon damals Autoschläuche. Später in Coroplast umbenannt, übernimmt nach Kurt Müller, dem Neffen des Gründers, dessen Tochter Natalie Mekelburger. 1999 wird sie eines von drei Mitgliedern in der Geschäftsführung.
Eine Frau an der Spitze eines Zulieferers in der männerdominierten Autoindustrie? Selbst Mekelburgers Vater tat sich mit diesem Gedanken anfangs schwer. Dabei hatte sie schon als Abiturientin Klebebänder verpackt und den Vater auf Geschäftsreise begleitet. 1994 war sie als Vertriebs- und Marketingleiterin bei Coroplast eingestiegen.
Mekelburger zeigt Haltung
Heute zweifelt keiner mehr an ihr und ihrer Qualifikation. Nein, der Respekt vor Natalie Mekelburger steigt stetig – erst recht nach ihrem couragierten Appell.
Wenn sie den Klimawahn geißelt, kämpft Mekelburger nicht parteiisch um das Überleben ihres eigenen Unternehmens oder ihrer Branche. Denn selbst von der Elektromobilität wird ihr Unternehmen, das weltweit elektrische Kabelbäume produziert, profitieren, werden diese doch auch im E-Mobil benötigt.
Vielmehr sieht sie, wie wir voller Überdruss den in harter Arbeit erarbeiteten Wohlstand in Deutschland in Gefahr bringen. Verteilungskämpfe und Armut stehen dann ins Haus. Die Vorreiterrolle der deutschen Wirtschaft in der Welt wird aus ihrer Sicht voreilig aufs Spiel gesetzt – und alle, die es besser wüssten, schauen dabei zu.
Entsetzt über den Mangel an Mut von Unternehmern und Verbänden, die aus Angst vor der öffentlichen Meinung – „Hambi“, der Hambacher Forst lässt grüßen – schweigen, hat sie selbst in die Tastatur gegriffen.
Mit einer unpopulären Meinung in die Öffentlichkeit zu gehen ist unbequem, schafft Angriffsfläche und Ärger, auch für das eigene Unternehmen. Aber Natalie Mekelburger zeigt Haltung und will einen Diskurs eröffnen.
Den Diskurs darüber, was der richtige Weg für unsere Gesellschaft ist: dass möglicherweise nur Forschung und Entwicklung die Probleme einer Weltbevölkerung von bald zehn Milliarden Menschen lösen können. Eine weltweite Energieversorgung über leistungsfähige Solarkraftwerke kann gelingen, wenn wir die richtige Speichertechnologie zur Verfügung haben. Und Flugzeuge können dann CO2-neutral fliegen, wenn wir E-Fuels aus Wasserstoff herstellen können.
Das geht nicht mit Sozialismus, ist Mekelburgers Credo, nicht mit einer Verbotspolitik, sondern nur durch unternehmerisches Engagement im Wettbewerb um die beste Lösung. Minimaler Ressourcenverbrauch bei maximalem Output, das gibt es nur in einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Das hat Deutschland im Wirtschaftswunder und auch wieder in den letzten 20 Jahren gezeigt.
Warum nicht auf diesem Wege in die Zukunft?
Natalie Mekelburger hat auf all dies öffentlich zu Recht hingewiesen; sie verdient Unterstützung und ist sowohl als erfolgreiche Familienunternehmerin wie auch als „vernunftbegabte Marktwirtschaftsaktivistin“ zu Recht eine Person des zu Ende gehenden Jahres.
Jan-Hendrik (r.) und Jörg-Uwe Goldbeck (l.)
Dass das Handwerk trotz der Konjunkturdelle goldenen Boden hat, hat in diesem Jahr wohl niemand so eindrucksvoll bewiesen wie Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck: In zweiter Generation führen die beiden Brüder den gleichnamigen Gewerbebau-Spezialisten aus Bielefeld. Und dessen Geschäft läuft im Jubiläumsjahr mit einem Rekord-Auftragseingang von 3,4 Milliarden Euro so gut wie nie zuvor.
Als Sieben-Mann-Betrieb von Vater Ortwin Goldbeck 1969 gegründet, zählt das Familienunternehmen 50 Jahre später zu den größten Baukonzernen des Landes – und gilt in der Branche mit seinen modular vorgefertigten Parkhäusern, Logistik- und Produktionshallen weltweit als Technologieführer in der Branche.
Als „Lego für Erwachsene“ beschrieb der 37-jährige Jan-Hendrik Goldbeck das Baukastensystem einmal. Das wollen die Brüder zunehmend digitalisieren – und damit fit machen für die nächsten 50 Jahre.
Autor: Kevin Knitterscheidt
Ralph Dommermuth
Mit 1,07 Milliarden Euro will der Unternehmer in die Zukunft aufbrechen. Diese Summe gab Ralph Dommermuth über seine Firma Drillisch Netz AG in diesem Jahr bei der Auktion der Frequenzen für den 5G-Mobilfunk aus, um sich den Zugang zu der Zukunftstechnik zu sichern. Der neue Mobilfunkstandard soll Datenübertragungen nahezu in Echtzeit ermöglichen.
„Mit 5G wird ein neues Kapitel des Mobilfunks aufgeschlagen. Das verspricht, ein gutes Geschäft zu werden. Da wollen wir dabei sein“, hatte der 56-Jährige dem Handelsblatt gesagt. Doch die Ersteigerung der Frequenzen war nur der erste Schritt. Jetzt muss der Unternehmer – der hinter Marken wie 1&1, GMX oder Web.de steht – auch Milliarden Euro in den Aufbau eines Netzes investieren.
Das ist komplex und könnte Jahre dauern. Die etablierten Spieler Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica schauen skeptisch auf den Herausforderer.
Autor: Stephan Scheuer
Claudia Gugger-Bessinger, Günther Bessinger
Wie viel Mut die Unternehmer Claudia Gugger-Bessinger und ihr Mann Günther Bessinger aufgebracht haben, wurde ihnen erst später klar. Bessinger hatte vor zwölf Jahren das Unternehmen MN Maschinenbau im sächsischen Niederwürschnitz übernommen. Ein Lebenstraum habe sich damit erfüllt, sagt der 52-jährige Unternehmer, der früher für die Autozulieferer ZF und Flender arbeitete. Doch der Fachkräftemangel wächst. Ein entscheidendes Hindernis: die Berichte über den stetig anschwellenden Rechtspopulismus.
Als „nicht hilfreich“ bezeichnet Bessinger das. Er und seine Frau positionieren sich klar dagegen, werben für ein weltoffenes Deutschland. Dafür gab es Lob von der Politik, Ministerpräsident Michael Kretschmer kam und diskutierte mit den Mitarbeitern. Dennoch kommt es immer wieder zu Anfeindungen. Und die Bessingers halten dagegen.
Autorin: Anja Müller
Friedhelm Loh
-
Politikerin des Jahres
Ursula von der Leyen -
Aufsteiger des Jahres
Jennifer Morgan und Christian Klein -
Umsteiger des Jahres
Christine Lagarde -
Ungehorsam des Jahres
Greta Thunberg -
Kämpferin des Jahres
Alexandria Ocasio-Cortez -
Familienunternehmerin des Jahres
Natalie Mekelburger -
Start-up des Jahres
Monja Mühling -
Kampagne des Jahres
Commerzbank zur Fußball-WM der Frauen -
Aussteigerin des Jahres
Sahra Wagenknecht -
Manager des Jahres
Allianz-Chef Oliver Bäte -
Dauerläufer des Jahres
Theodor Weimer -
Nachfolger des Jahres
Alexander und Konstantin Sixt -
Geldmanager des Jahres
Uwe Fröhlich und Cornelius Riese -
Stratege des Jahres
Elon Musk -
Investoren des Jahres
Andreas und Thomas Strüngmann -
Verlierer des Jahres
Peter Fankhauser -
Prominente Todesfälle 2019
-
Dossier zum Download
Auch mit 72 Jahren beweist Friedhelm Loh noch, was agiles Unternehmertum bedeutet. Das Geld, das er für den Verkauf seiner Anteile am Roboterspezialisten Kuka bekam, hat er in die modernste Schaltschrankfabrik investiert. Loh weiß nicht nur genau, was für seine Unternehmensgruppe gut ist, sondern auch, was die deutschen Mittelständler umtreibt. Sie wollen sich genauso wenig von ausländischen Cloudanbietern abhängig machen wie von heimischen Banken.
Deshalb interessierte Loh sich schon früh für das Thema europäische Cloud und beteiligte sich maßgeblich an dem unterirdischen Rechenzentrum Lefdal Mine, das klimafreundlich mit Meerwasser gekühlt wird. Außerdem kaufte er ein Start-up, das mit Edge-Computing Lösungen schafft, damit Firmendaten auch auf dem Firmengelände bleiben.
Schon früh hatte er sich zudem an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt und ihm die Möglichkeiten, eine europäische Cloud zu errichten, nahegebracht: Gaia X. Loh tut viel dafür, dass sie auch Wirklichkeit wird. Im Oktober preschte er mit einem ersten Produkt vor.
Autorin: Anja Müller
Mehr: Lesen Sie in unserem Dossier „Menschen des Jahres 2019“, wer in diesem Jahr Großes geleistet hat, wer überrascht oder enttäuscht hat.