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Familienunternehmerin des Jahres Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger bringt die Politik in die Firmenwelt

Die Chefin des Automobilzulieferers Coroplast fordert mehr Klarheit in der Klimapolitik. Damit hat sich die Unternehmerin Respekt und Gehör verschafft.
19.12.2019 - 16:00 Uhr 1 Kommentar
Quelle: Porsche Consulting

(Foto: Porsche Consulting)

Natalie Mekelburger – der Name dieser Unternehmerin ist seit Sommer weit über die Automobilbranche hinaus bekannt. Mit einem Gastbeitrag in der Zeitung „Die Welt“ schaltete sie sich mutig in eine aktuelle Debatte ein. Ihr Kommentar trug den programmatischen Titel: „Der neue Klimaabsolutismus“.

In nüchterner Art beschreibt sie, wie die deutsche Wirtschaft alle Anstrengungen unternimmt, den immer neuen Auflagen der Politik hinterherzuhecheln und trotzdem öffentlich nur gescholten wird. Autokonzerne werden so ihres Erachtens in absehbarer Zeit Strafzahlungen für zu hohe Flottenverbräuche leisten müssen, statt dieses Geld in Forschung und Entwicklung stecken zu können.

Mit ihrem Beitrag traut Mekelburger sich etwas, was Unternehmer nur selten wagen. Sie wird politisch, sie schreibt gegen den Mainstream in Medien und Politik an. Sie wendet sich damit auch gegen die anbiedernde Haltung mancher Wirtschaftsgröße.

Natalie Mekelburger kritisiert auch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Es ist ihres Erachtens für Deutschland der teuerste Weg zur CO2-Vermeidung. Sie weist zudem darauf hin, dass es unmöglich ist, Kernkraft und Kohle abzuschaffen, gleichzeitig aber Millionen von Autobatterien bei Dunkelheit und Flaute zu laden. Es sei denn, wir kaufen Atom- und Kohlestrom aus Frankreich oder Polen oder verlassen uns darüber hinaus noch auf russisches Gas.

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    Dass diese alltäglichen Widersprüchlichkeiten in der deutschen Öffentlichkeit keine Rolle spielen, geht ihr nicht in den Kopf.

    Patrick Adenauer ist Chef der auf Bauprojekte spezialisierten Unternehmensgruppe Bauwens in Köln. Von 2005 bis 2011 war der promovierte Betriebswirt zudem Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“. Der 57-Jährige ist ein Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers. Quelle: imago/Mauersberger
    Über den Autoren Patrick Adenauer

    Patrick Adenauer ist Chef der auf Bauprojekte spezialisierten Unternehmensgruppe Bauwens in Köln. Von 2005 bis 2011 war der promovierte Betriebswirt zudem Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“. Der 57-Jährige ist ein Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers.

    (Foto: imago/Mauersberger)

    Auch weist sie darauf hin, dass die Forderungen der Klimabewegung längst nicht mehr auf die Rettung des Klimas allein abzielen. Mit der Klimaklage würden noch viele andere Forderungen und Verbote – und seien sie noch so abstrus – begründet. Für sie ist das eine Form sozialistischen Ökologismus.

    Ich kann Natalie Mekelburger in ihrer Kritik nur zustimmen. Egal, was die deutsche Wirtschaft tun wird, es wird nie genug sein, um das Klima zu retten – schon allein, weil der Rest der Welt sich nicht drum schert. Im Gegenteil, wir werden belächelt. Der Ausstieg aus der Kernkraft ist da beispielhaft. Kein anderer Staat ist gefolgt, stattdessen sind zurzeit weltweit 55 Kernkraftwerke im Bau. Dieselfahrverbote gibt es auch nur in Deutschland.

    Trotzdem wird hierzulande gefordert, ohne Rücksicht auf Verluste an Arbeitsplätzen und volkswirtschaftlichem Vermögen den CO2-Ausstoß zu senken. Dem Erdklima wird das bei einem Anteil von unter drei Prozent am weltweiten anthropogenen CO2-Ausstoß nicht helfen, eher unseren Wettbewerbern in China und andernorts.

    Doch wie kommt es, dass ausgerechnet eine erfolgreiche und im Auftreten charmante Familienunternehmerin, Mutter von zwei Töchtern, bei einem solch heiklen Thema den Mund aufmacht?

    Es liegt wohl in ihrem Naturell: Sie redet als Unternehmerin Klartext und lässt sich den Mund nicht verbieten.

    Unter Mekelburgers Führung ist das Wuppertaler Unternehmen Coroplast vom regionalen Mittelständler zum Global Player mit 500 Millionen Euro Umsatz und mehr als 6.000 Mitarbeitern gewachsen. 1928 vom erst 25-jährigen Fritz Müller als „Fritz Müller Elektroisoliermaterial“ gegründet, fertigt das Unternehmen schon damals Autoschläuche. Später in Coroplast umbenannt, übernimmt nach Kurt Müller, dem Neffen des Gründers, dessen Tochter Natalie Mekelburger. 1999 wird sie eines von drei Mitgliedern in der Geschäftsführung.

    Eine Frau an der Spitze eines Zulieferers in der männerdominierten Autoindustrie? Selbst Mekelburgers Vater tat sich mit diesem Gedanken anfangs schwer. Dabei hatte sie schon als Abiturientin Klebebänder verpackt und den Vater auf Geschäftsreise begleitet. 1994 war sie als Vertriebs- und Marketingleiterin bei Coroplast eingestiegen.

    Mekelburger zeigt Haltung

    Heute zweifelt keiner mehr an ihr und ihrer Qualifikation. Nein, der Respekt vor Natalie Mekelburger steigt stetig – erst recht nach ihrem couragierten Appell.

    Wenn sie den Klimawahn geißelt, kämpft Mekelburger nicht parteiisch um das Überleben ihres eigenen Unternehmens oder ihrer Branche. Denn selbst von der Elektromobilität wird ihr Unternehmen, das weltweit elektrische Kabelbäume produziert, profitieren, werden diese doch auch im E-Mobil benötigt.

    Vielmehr sieht sie, wie wir voller Überdruss den in harter Arbeit erarbeiteten Wohlstand in Deutschland in Gefahr bringen. Verteilungskämpfe und Armut stehen dann ins Haus. Die Vorreiterrolle der deutschen Wirtschaft in der Welt wird aus ihrer Sicht voreilig aufs Spiel gesetzt – und alle, die es besser wüssten, schauen dabei zu.

    Entsetzt über den Mangel an Mut von Unternehmern und Verbänden, die aus Angst vor der öffentlichen Meinung – „Hambi“, der Hambacher Forst lässt grüßen – schweigen, hat sie selbst in die Tastatur gegriffen.

    Mit einer unpopulären Meinung in die Öffentlichkeit zu gehen ist unbequem, schafft Angriffsfläche und Ärger, auch für das eigene Unternehmen. Aber Natalie Mekelburger zeigt Haltung und will einen Diskurs eröffnen.

    Den Diskurs darüber, was der richtige Weg für unsere Gesellschaft ist: dass möglicherweise nur Forschung und Entwicklung die Probleme einer Weltbevölkerung von bald zehn Milliarden Menschen lösen können. Eine weltweite Energieversorgung über leistungsfähige Solarkraftwerke kann gelingen, wenn wir die richtige Speichertechnologie zur Verfügung haben. Und Flugzeuge können dann CO2-neutral fliegen, wenn wir E-Fuels aus Wasserstoff herstellen können.

    Das geht nicht mit Sozialismus, ist Mekelburgers Credo, nicht mit einer Verbotspolitik, sondern nur durch unternehmerisches Engagement im Wettbewerb um die beste Lösung. Minimaler Ressourcenverbrauch bei maximalem Output, das gibt es nur in einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Das hat Deutschland im Wirtschaftswunder und auch wieder in den letzten 20 Jahren gezeigt.

    Warum nicht auf diesem Wege in die Zukunft?

    Natalie Mekelburger hat auf all dies öffentlich zu Recht hingewiesen; sie verdient Unterstützung und ist sowohl als erfolgreiche Familienunternehmerin wie auch als „vernunftbegabte Marktwirtschaftsaktivistin“ zu Recht eine Person des zu Ende gehenden Jahres.

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    1 Kommentar zu "Familienunternehmerin des Jahres: Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger bringt die Politik in die Firmenwelt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Frau Mekelburger spricht mir aus dem Herzen!
      Ökologisch handeln? Natürlich, sollten wir alle und die Mehrheit richtet sich vermutlich, spätestens seit Greta, daran.
      Aber unseren deutschen Politikern fehlt einfach alles, was einen mutigen und nachhaltig, wirtschaftlich sinnvoll handelnden Politiker ausmacht.
      Herrn Merz mal ausgenommen.
      Anstatt nachhaltig u. a. in Zukunftsenergien und Speichermedien forschen zu lassen und die Wirtschaft dabei zu unterstützen, betreibt unsere Politik mit aller Macht eine Regulierung der Wirtschaft. EEG Gesetz soll es richten....Kohlekraftwerke und Atomkraft werden schnell mal eben ausgeschaltet.....Der Rest der Welt lacht uns aus und profitiert von unserem zwar ökologisch, aber wirtschaftlich fragwürdigen Handelns....
      Den fehlenden Strom kaufen wir anschließend bei unseren grinsenden Nachbarn....
      Schön, dass sich immer wieder mal Führungspersönlichkeiten trauen, unpopuläre Meinungen zu äußern.
      Ich wünsche allen Lesern ein paar schöne Weihnachtstage

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