Verbandspräsident Helmut Schleweis: Sparkassen in der Coronakrise: „Wir müssen an jedem Schräubchen drehen“
Der Verbandschef hält Stand heute Schieflagen von Sparkassen wegen der Corona-Pandemie für „ausgeschlossen“.
Foto: Marko Priske für HandelsblattFrankfurt. Die Sparkassen müssen wegen der Coronakrise und der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank noch mehr sparen: „Die Sparkassen tun hier viel, müssen die Anstrengungen aber noch verstärken“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Helmut Schleweis im Handelsblatt-Interview. „Wir müssen an jedem Schräubchen drehen, um in diesen herausfordernden Zeiten zu bestehen.“
Generell sieht der Sparkassenpräsident die Finanzgruppe gut für die Folgen der Pandemie gerüstet: Die Institute hätten „die gute konjunkturelle Lage der vergangenen Jahre genutzt, um ihre Rücklagen sehr deutlich auszubauen. Mit dem Wissen von heute würde ich Schieflagen deshalb ebenfalls ausschließen.“
Im Interview plädiert Schleweis für eine möglichst rasche Wiederaufnahme der Fusionsgespräche zwischen dem Sparkassen-Fondsanbieter Deka und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Mein Zeitplan lautet: So früh wie möglich.“
Zähneknirschend abgefunden haben sich die Sparkassen mit der Forderung der Finanzaufsicht, in diesem Jahr wegen der Coronakrise keine Dividenden auszuschütten. „Wir haben uns entschieden, 2020 dieser Empfehlung zu entsprechen, auch wenn ich sie in ihrer Pauschalität schwierig finde“, sagte Schleweis. Auch die Deka, die den Sparkassen gehört, werde keine Dividende auszahlen. „Die Sparkassen müssen in diesem Jahr damit leben, dass sie in dieser schwierigen Situation keine Ausschüttungen von ihren Verbundunternehmen bekommen.“
Lesen Sie hier das gesamte Interview:
Herr Schleweis, wie hart wird die Coronakrise die deutschen Sparkassen treffen?
Diese Krise trifft alle Wirtschaftsbereiche spürbar, sie wird auch die Kreditwirtschaft treffen. Unsere Geschäftszahlen zeigen aber derzeit kräftige Zuwächse, zum Beispiel im Kreditgeschäft, wo wir so stark wachsen wie noch nie. Und auch bei den Einlagen und im Wertpapiergeschäft verzeichnen wir deutliche Steigerungen. Aber, die Pandemie hat zur tiefsten Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte geführt, und die Folgen lassen sich noch nicht wirklich absehen. Deshalb haben wir großen Respekt vor dem, was noch kommen könnte.
Was heißt das konkret? Haben Sie Angst, dass die für Herbst und Winter befürchtete Pleitewelle zur ernsten Gefahr für die Sparkassen wird?
Angst verspüre ich nur selten, das ist auch das falsche Wort. Wir kommen aus einer Zeit, in der es kaum Insolvenzen und kaum Kreditausfälle gab. Bereits vor der Pandemie sind wir aber davon ausgegangen, dass dies nicht ewig so weitergehen würde. Meine Sorge bezieht sich eher auf einige Branchen, die die Krise besonders hart trifft, wie Tourismus, Luftfahrt oder Gastronomie. Dort ist die Lage sehr schwierig. Die Sparkassen selbst sind ausreichend vorbereitet.
Die Volksbanken haben praktisch ausgeschlossen, dass es in ihrem Verbund durch die Coronakrise zu Schieflagen kommen wird. Können Sie eine ähnliche Aussage für die Sparkassen treffen?
Die Sparkassen haben die gute konjunkturelle Lage der vergangenen Jahre genutzt, um ihre Rücklagen sehr deutlich auszubauen. Mit dem Wissen von heute würde ich Schieflagen deshalb ebenfalls ausschließen. Aber in einer beispiellosen Krise, wie wir sie gerade erleben, habe ich großen Respekt vor absoluten Aussagen, schließlich haben wir das Ende der Pandemie noch lange nicht erreicht.
Könnte an diesem Ende eine neue Bankenkrise stehen?
In der Finanzkrise vor zehn Jahren waren Banken die Ursache der Verwerfungen, die dann auf die Realwirtschaft übergriffen. Dieses Mal ist es anders: Wir haben es mit einer Gesundheitskrise zu tun, die die Realwirtschaft trifft und erst am Ende der Wirkungskette stehen die Banken. Wenn die Unternehmen extrem leiden, dann kann niemand ausschließen, dass davon auch die Banken betroffen sein werden. Aber dafür habe ich bislang keinerlei Indikation – und wir tun alles, dass es nicht soweit kommt.
Sind Sie zufrieden damit, wie die Politik bislang mit der Krise umgegangen ist?
Im internationalen Vergleich hat Deutschland vieles sehr gut gemacht – bei der Eindämmung der Infektionen und auch bei der Unterstützung der Arbeitnehmer und der Wirtschaft. Teilweise gab es wegen eines angeblichen Flickenteppichs Kritik am föderalen System. Ich sehe das anders. Ich glaube, dass es wichtig ist, so viele Entscheidungen wie möglich vor Ort zu fällen, wo das Wissen um die konkrete Situation am größten ist. Das gilt für unser Gesundheitssystem, es gilt aber auch für die Sparkassen-Finanzgruppe. Es ist sehr vernünftig, Kompetenz vor Ort zu haben und sich nur die Probleme, die sich regional nicht lösen ließen, auf zentraler Ebene vorzunehmen.
Im Moment steigen die Corona-Infektionen wieder deutlich. Kann sich Deutschland einen zweiten Lockdown leisten?
Das wäre für viele Branchen sehr schwierig. Wir alle müssen deshalb alles dafür tun, um das zu vermeiden. Aber wir haben ja im Umgang mit der Pandemie viel gelernt. Die Achtsamkeit der allermeisten Menschen finde ich sehr beeindruckend. Diese Disziplin aller brauchen wir, wenn wir unsere Wirtschaft und damit die Arbeitsplätze sichern wollen – das muss jeder in Deutschland wissen.
Reichen die staatlichen Hilfen, um die deutsche Wirtschaft vor schwerwiegenden Langfristfolgen der Pandemie zu schützen?
Die erste Verteidigungslinie gegen die Krise waren die Hausbanken, die zu ihren Kunden standen. Danach haben die Hilfskredite der KfW und der Landesförderanstalten sehr geholfen. In einer Ausnahmesituation sind staatliche Eingriffe gut und richtig. Aber wir wissen alle, dass solche Maßnahmen endlich sein müssen, sonst werden die negativen Nebenwirkungen zu groß. Auf Dauer brauchen wir eine Rückkehr zur Normalität. Niemand wird nicht lebensfähige Unternehmen auf Dauer am Leben halten können. Irgendwann müssen wir uns darauf konzentrieren, stattdessen Neues zu schaffen.
Die Normalität scheint derzeit weit entfernt. Reichen Kredite aus, um die Durststrecke der Unternehmen zu überbrücken, wenn sich die Pandemie hinzieht? Oder brauchen wir deutlich mehr staatliche Eigenkapitalhilfen
Staatsbeteiligungen an privaten Unternehmen sollten die absolute Ausnahme bleiben. Aber ich sehe auch keinen Grund, schwarz zu malen. Die Unternehmen müssen sich teilweise neu erfinden und viele sind bereits dabei, genau das zu tun. Wir sollten die Stärke und die Innovationskraft des deutschen Mittelstands nicht unterschätzen.
Durch die Coronakrise wurde die Geldpolitik noch expansiver. Die Ära der Minuszinsen wird auf unabsehbare Zeit fortgeschrieben. Ist diese Entwicklung für die Sparkassen auf Dauer noch gefährlicher als die Pandemie?
Wir sind bereits vor Corona davon ausgegangen, dass wir es noch längere Zeit mit negativen Zinsen zu tun haben werden. An diese Situation passen wir unsere Strategie und unsere Geschäftsmodelle weiter an. Das heißt, wir treiben die Digitalisierung voran, senken die Kosten und überprüfen die Preispolitik.
Heißt das, dass Ihre Kunden mit höheren Gebühren für Girokonten und andere Dienstleistungen rechnen müssen?
Über Preise bestimmt jede Sparkasse selbst. Aber ich bin der Ansicht, dass Leistungen angemessen bepreist werden müssen. Die Sparkassen bieten im Rahmen des Girokontos immer mehr Leistungen, seit dieser Woche zum Beispiel Apple Pay mit der Girocard. Das ist seinen Preis absolut wert. Und ich finde es auch ehrlicher, einen klaren Preis zu kommunizieren, als die Kosten versteckt wieder hereinzuholen. Denn im Wortsinne „kostenlos“ war ein Girokonto doch noch nie – bei niemandem. Vor zu hohen Preisen schützt in Deutschland die Kunden der sehr harte Wettbewerb. Deshalb sind bei uns Bankdienstleistungen günstiger als in fast allen anderen europäischen Ländern.
Wenn Sie sich auf dauerhafte Minuszinsen einstellen. Müssen dann auch die Kunden der Sparkassen mit einer flächendeckenden Belastung ihrer Einlagen durch Negativzinsen rechnen?
Wir freuen uns über den großen Kundenzuspruch und die stark steigenden Einlagen. Aber in dieser Zinskulisse kostet die Sparkasse jeder Euro Einlage unter dem Strich Geld. Auch wenn Sparkassen das nicht wollen: Unter diesen Marktbedingungen kann ich nicht pauschal ausschließen, dass auch Privatkunden-Einlagen eines Tages Geld kosten könnten. Ich bin aber sehr sicher, dass dies erst ab vergleichsweise hohen Beträgen greifen wird.
Höhere Einnahmen sind die eine Seite der Gleichung. Wie ambitioniert müssen die Sparanstrengungen ausfallen?
Die Sparkassen tun hier viel, müssen die Anstrengungen aber noch verstärken. Wir müssen an jedem Schräubchen drehen, um in diesen herausfordernden Zeiten zu bestehen. Wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung noch stärker nutzen und Dienstleistungen kostengünstiger produzieren. Aktuell gibt es in unserer Gruppe noch zu viel Mehrfacharbeit.
Bedeutet mehr Digitalisierung nicht automatisch weniger Filialen?
Ich bin und bleibe ein Fan der Filiale. Das heißt aber nicht, dass jede Geschäftsstelle erhalten bleiben kann. Die Zahl der Filialen sinkt seit Jahren, weil sich das Nachfrageverhalten unserer Kunden ändert. Viele Menschen haben in der Krise gerade die Erfahrung gemacht, dass man sich bei Sparkassen für bestimmte Zwecke auch sehr gut am Telefon oder per Video-Chat beraten lassen kann.
Verlieren die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken nicht ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber Großbanken, wenn sie ihr Filialnetz ausdünnen?
Nein. Wir bleiben flächendeckend präsent – dichter als alle Wettbewerber. Ein Beispiel: In Schleswig-Holstein hatten die beiden privaten Großbanken Anfang des Jahres zusammen 62 Filialen, die Sparkassen 381 Geschäftsstellen. Eine Sparkassenfiliale ist für die Hälfte der deutschen Bevölkerung in weniger als drei Minuten erreichbar, 90 Prozent benötigen weniger als acht Minuten.
Wird die Zahl der Sparkassen weiter sinken?
Kleine Sparkassen sind sehr kundennah. Aber es wird weitere Zusammenschlüsse geben – nicht wegen der Krise, sondern in erster Linie wegen steigender Regulierungs- und Bürokratieanforderungen. Das zwingt kleine Sparkassen, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen. Ein zweiter Faktor ist die Entwicklung von Wirtschaftsräumen – die Sparkasse muss immer dazu passen. Eine große Fusionswelle sehe ich aber nicht.
Die von Ihnen vorangetriebene Verschmelzung der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute zu einem Zentralinstitut ist wegen Corona zum Erliegen kommen. Widerstand gab es bereits vorher. Wird das Projekt nun endgültig beerdigt?
Nein! Was vorher richtig war, ist durch die Krise nicht falsch geworden. Es gibt auch jetzt Vorbereitungen. Aber konkrete Schritte, also eine mögliche Fusion unseres zentralen Wertpapierdienstleisters Deka mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), kann man in der aktuellen Phase nicht seriös angehen. Deshalb war es richtig, die Pause-Taste zu drücken – aber Pause heißt nicht Stopp.
Wann drücken Sie denn wieder auf Play?
Wenn Deutschland die Pandemie so weit im Griff hat, dass es wieder möglich ist, vor Ort Gespräche zu führen, Bilanzen zu prüfen und gemischte Teams aufzusetzen. Das ist für komplexe Zusammenschlüsse unabdingbar. Erfolgreiche Fusionen kann man nicht ausschließlich am Telefon oder per Video-Konferenz organisieren.
Der baden-württembergische Sparkassen-Präsident Peter Schneider sagte kürzlich, man solle sich mit dem Thema Deka/Helaba frühestens 2022 wieder beschäftigen. Sehen Sie das genauso entspannt?
Mein Zeitplan lautet: So früh wie möglich. Alles hängt davon ab, wie sich die Corona-Lage entwickelt.
Ihre Amtszeit als DSGV-Präsident läuft noch bis Ende 2023. Wird es bis dahin konkrete Fortschritte auf dem Weg zu einem Zentralinstitut geben?
Wir machen jeden Tag Fortschritte. Wer so lange wie ich im Geschäft ist, weiß: Solche Vorhaben sind kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Vor allem ist es ein Staffellauf. So lange ich den Stab in der Hand habe, werde ich so schnell wie möglich laufen und so viel Strecke wie möglich machen. Aber niemand sollte sich selbst zu wichtig nehmen. Ich leiste meinen Beitrag und eines Tages werde ich den Staffelstab weiterreichen.
Würden Sie denn eine zweite Amtszeit dranhängen, wenn Sie Ihre Ziele noch nicht erreicht haben?
Es spricht für Sie, dass Sie sich für mich so langfristige Gedanken machen. Aber wir haben August 2020 – ich habe noch viel vor und viel zu tun. Lassen Sie uns darüber sprechen, wenn dieses Datum näher rückt.
Die Finanzaufsicht hat Banken empfohlen, wegen der Coronakrise bis Ende des Jahres keine Dividenden auszuschütten. Wird sich der öffentlich-rechtliche Sektor daran halten?
Wir haben uns entschieden, 2020 dieser Empfehlung zu entsprechen, auch wenn ich sie in ihrer Pauschalität schwierig finde. Dennoch muss das Ganze eine einmalige Ausnahme bleiben.
Wird auch der Fondsanbieter Deka auf eine Ausschüttung an die Sparkassen verzichten?
Ja, das haben wir so entschieden. Die Sparkassen müssen in diesem Jahr damit leben, dass sie in dieser schwierigen Situation keine Ausschüttungen von ihren Verbundunternehmen bekommen. Natürlich gefällt das den Instituten nicht. Und natürlich fehlt Geld, das die Sparkassen nicht bekommen, auch der Realwirtschaft vor Ort. Manchmal muss man aber Realitäten einfach akzeptieren – ob sie schön sind oder nicht.
Sie sprachen eingangs von neuen Rekorden im Kreditgeschäft. Müssten die Sparkassen in ihrer Kreditpolitik nicht vorsichtiger werden angesichts der Krise?
Die Sparkassen brauchen keine strengeren Kreditstandards, weil sie schon immer sehr vorsichtig waren. Das Thema trifft eher Banken, bei denen es in der Kreditpolitik in den guten Zeiten Auswüchse gab, die jetzt korrigiert werden müssen.
Dann profitieren Sie sogar von der Coronakrise?
Unsere Kunden profitieren davon, dass die Sparkassen auch in Krisenzeiten leistungsfähig sind. Wir gehen zwar von einem Rekordjahr im Kreditneugeschäft aus. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass die auslaufenden Kredite höher verzinst waren als die neu vergebenen. Deshalb wird es sicher kein Rekordjahr bei den Erträgen geben.
Wie sieht es bei den Verbrauchern aus? Wagen die sich noch in Baufinanzierungen?
Das Geschäft brummt. Da beobachten wir in diesem Jahr bislang zweistellige Zuwachsraten und rechnen auch auf Jahressicht mit einem solchen Zuwachs. Man sieht ja auch, dass das Baugewerbe als eine der wenigen Branchen noch immer wächst. Der Bedarf an Wohnraum besteht weiter, deshalb ist das Interesse an Eigentum absolut intakt.
Ist diese Entwicklung mit Blick auf den drohenden Anstieg der Arbeitslosigkeit aus Ihrer Sicht gesund?
Die Finanzierung selbstgenutzten Eigentums erfolgt sehr solide. Und die Ausfallraten sind in diesem Bereich sehr niedrig. Die Sparkassen agieren auch hier sehr risikobewusst und raten auch ihren Kunden dazu. Deshalb ist der Eigenheimsektor über die Konjunkturphasen hinweg in Deutschland sehr stabil.
Wie viele Kunden nutzen denn eigentlich die Möglichkeit, Darlehen zu stunden?
Die Sparkassen haben in der Corona-Phase 390.000 privaten und gewerblichen Kunden Kredite gestundet. Die gestundete Summe beträgt mittlerweile fünf Milliarden Euro. Der Anteil der Stundungsanträge aus dem Unternehmensbereich macht dabei etwas mehr als die Hälfte aus. In vielen Fällen haben Sparkassen ihren Kunden private Moratorien angeboten, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgingen. Denn die im Gesetz verankerte Dauer von höchstens drei Monaten reichte in vielen Fällen nicht aus. Deshalb haben Sparkassen häufig sechs bis neun Monate angeboten.
Wie schnell steigt die Zahl neuer Stundungswünsche?
Kaum noch, die erste Welle ist durch. Derzeit kommen eher noch Einzelfälle dazu.
Gerade erst hat die Ratingagentur Moody’s vor Risiken für die deutschen Banken aus der Finanzierung von Gewerbeimmobilien gewarnt. Wie gefährlich ist das für die Sparkassen?
Natürlich sind wir ein wichtiger Finanzierer von Gewerbeimmobilien. Signifikante Gefahren, etwa durch bedenklich hohe Klumpenrisiken, beobachte ich in unserer Gruppe aber bisher nicht. Die meisten Institute haben ihre unterschiedlichen Engagements in diesem Segment sehr gut diversifiziert. Hotel-Finanzierungen, die besonders stark betroffen sind, sind in unseren Portfolien eher untergewichtet. Was wir noch nicht genau abschätzen können, ist natürlich, wie sich die Büromärkte künftig entwickeln.
Wie stark schadet die Wirecard-Pleite eigentlich den Sparkassen und Landesbanken?
Insgesamt sind die Schäden für die Gruppe sehr überschaubar.
Materiell mag das stimmen, aber was bedeutet der Skandal für die Aktienkultur in Deutschland?
Der Fall nützt der Aktienkultur sicher nicht. Die jüngsten Absatzzahlen unseres Wertpapierdienstleisters Deka-Bank zeigen aber deutlich, dass das Interesse an Wertpapieren wächst. Das ist sehr gut, weil Kunden heute fast nur mit Wertpapieren angemessene Wertzuwächse erreichen können.
Die Europäische Zentralbank und die deutsche Finanzaufsicht Bafin haben gravierende Mängel beim Sicherungssystem von Sparkassen und Landesbanken identifiziert und einen grundlegenden Umbau gefordert. Wie reagieren Sie darauf?
Wir sind in Kontakt mit der EZB, ob und wo wir das Sicherungssystem noch besser machen können. Ich bin sicher, dass wir am Ende gemeinsam eine gute Lösung finden werden. Bei den Gesprächen ist absolute Vertraulichkeit vereinbart, daran halte ich mich.
Manche in Ihrer Gruppe sind da weniger optimistisch. Einige halten es sogar für denkbar, dass der Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken zerbricht.
Das wird nicht passieren. Wichtige Änderungen werden innerhalb unserer Gruppe immer sehr intensiv diskutiert. Damit rechne ich auch in diesem Fall. Aber letztlich kommen wir immer zu einer gemeinsamen Entscheidung, die dann sehr stabil ist.
Herr Schleweis vielen Dank für das Gespräch.