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Versicherung Talanx steht vor großen Veränderungen

Der Versicherer hat die stärksten Belastungen der Coronakrise überwunden. Nun ist sogar der Dax-Aufstieg der Tochter Hannover Rück möglich. Probleme drohen jetzt von anderer Seite.
16.07.2021 - 15:17 Uhr Kommentieren
Der Versicherungskonzern hat seine lange defizitäre Industriesparte saniert. Quelle: dpa
Versicherungskonzern Talanx

Der Versicherungskonzern hat seine lange defizitäre Industriesparte saniert.

(Foto: dpa)

Frankfurt, München Es könnte der Doppel-Aufstieg von Hannover werden. Wenn die Deutsche Börse im September die Zusammensetzung ihrer Indizes überprüft und dabei erstmals den Dax von 30 auf 40 Werte erweitert, gehört die Hannover Rück zum Kandidatenkreis potenzieller Aufsteiger. Gleichzeitig könnte deren Muttergesellschaft Talanx vom Kleinwertesegment SDax in den MDax aufsteigen.

Noch ist beides fraglich. Jan Wicke, Finanzvorstand der Talanx, versucht, die Erwartungen zu dämpfen. „Unser Wohl und Wehe hängt nicht an der Mitgliedschaft in den Indizes“, sagt er. „Wichtig ist es, dass sich die Talanx-Gruppe operativ so gut weiterentwickelt wie bisher.“ Dann steige der Aktienkurs automatisch.

Wie knapp das Rennen ist, zeigt eine aktuelle Studie der DZ Bank. Künftig ist für Aufnahme in einen Index nur noch die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien der letzten 20 Handelstage entscheidend. Dort steht Hannover Rück auf Rang 43 mit einem Börsenwert von 8,7 Milliarden Euro. Die davor platzierten LEG Immobilien, der Sportartikelhersteller Puma und das Biotechunternehmen Qiagen sind knapp höher bewertet.

Auch für Talanx reicht es derzeit noch nicht für den MDax, dazu ist der Anteil an frei handelbaren Aktien mit 21 Prozent zu gering. Der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) könnte als Großaktionär aber Aktien abgeben, sagt Wicke, um das Wachstum weiter zu finanzieren.

Dazu müsste sich aber eine große Übernahmechance ergeben, die derzeit nicht auf dem Tisch liegt, so der Finanzchef. Sollte es so kommen, könnte ein höherer Börsenwert Talanx zum Aufstieg in die nächsthöhere Börsenliga verhelfen.

Guter Jahresanfang

Noch entscheidender ist allerdings, dass sich die Geschäfte in beiden Gesellschaften im zweiten Jahr der Coronakrise deutlich nach oben entwickeln. „Das Jahr hat für uns gut angefangen, beim Ergebnis und bei den Prämien“, sagt Wicke. Dieser Trend habe sich fortgesetzt. Im zweiten Quartal, über das der Konzern am 11. August die Öffentlichkeit informieren will, hätten die Schäden jedoch gerade wegen vermehrter heftiger Unwetter zugenommen. Eine endgültige Bewertung stehe noch aus.

Der Branchenverband GDV hatte vor wenigen Tagen einen Gesamtschaden von 1,7 Milliarden Euro errechnet, den eine Unwetterserie mit Starkregen und Hagel in den Tagen von 18. bis zum 30. Juni über Deutschland brachte. Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Verbands, sprach vom zweitgrößten Starkregen- und Hagelereignis seit dem Jahr 2002. Ein Teil der Belastungen dürfte auch Talanx treffen.

Gleiches gilt im dritten Quartal für die katastrophalen Auswirkungen des aktuellen Unwetters, die vor allem den Westen der Republik betreffen. Laut Wicke laufen im Industriekundengeschäft und im Privatkundengeschäft aktuell ständig neue Schadenmeldungen ein: „Es ist deshalb zu früh, über die Anzahl und die Höhe etwas zu sagen oder die Schäden zu bewerten.“ Dem GDV zufolge zeichnet sich bereits ab, dass sich dieses Jahr mit Stürmen, Überschwemmung, Starkregen und Hagel zu einem der schadenträchtigsten seit 2013 entwickeln könnte.

Auf die Tochter Hannover Rück, den viertgrößten Rückversicherer der Welt, könnten durch die in diesem Jahr sehr früh und heftig gestartete Hurrikan-Saison bald an anderer Stelle Schadenforderungen zukommen. Der Tropensturm „Elsa“ traf mit 120 Stundenkilometern auf die Küste von Florida. Hinzu kommen die aktuellen Waldbrände durch die Hitzewelle in Kanada, die sich Wicke zufolge voraussichtlich im dritten Quartal in den Zahlen des Konzerns niederschlagen werden.

Weniger Belastungen durch Coronakrise

Sehr viel optimistischer zeigt sich Wicke, was die weiteren Belastungen aus der Corona-Pandemie angeht: „Die stärksten Auswirkungen der Coronakrise auf unser Konzernergebnis haben wir überwunden.“

Als Versicherer war der Konzern an mehreren Stellen involviert. Über Lebensversicherungen war Hannover Rück von der Sterblichkeit in den USA betroffen. Die guten Fortschritte bei der dortigen Impfkampagne haben aber inzwischen zu einer Rückkehr in den Normalbereich geführt. Derzeit sterben noch überdurchschnittlich viele Menschen in Südafrika und Südamerika an den Folgen der Pandemie, in Europa war die Talanx in Polen besonders betroffen.

Der Finanzvorstand versucht die Erwartungen zu dämpfen. Quelle: Daniel Möller Fotografie/ Talanx AG
Jan Wicke

Der Finanzvorstand versucht die Erwartungen zu dämpfen.

(Foto: Daniel Möller Fotografie/ Talanx AG)

Etwas entspannter ist auch die Lage in der Betriebsschließungsversicherung, einem Aufregerthema des vergangenen Jahres. Vor allem Gastwirte und Hoteliers, die von den Lockdown-Maßnahmen besonders betroffen waren, hatten in zahlreichen Prozessen auf Entschädigungszahlungen geklagt. Die Talanx galt in dieser Phase als tendenziell kulanter Anbieter, der in vielen Fällen Entschädigungen zahlte. Mittlerweile sind die Vertragsbedingungen mit den Kunden angepasst, sodass Unklarheiten weitgehend im Vorfeld geklärt sind.

„Die Schäden in Deutschland fallen inzwischen deutlich kleiner aus als im vergangenen Jahr“, sagt Wicke. Lediglich im Ausland könne es noch zu höheren Schadenaufwänden in der Rückversicherung kommen, da dort noch Gerichtsentscheidungen für Kunden aus der Erstversicherung ausstehen.

Bei der Talanx haben sie im vergangenen Jahr sogar das Angebot in dieser Nische des Versicherungsmarkts erweitert. Waren Betriebsschließungsversicherungen bislang vor allem ein Thema für Gastronomie und die Lebensmittelbranche, so wurde das Spektrum auf Freiberufler erweitert. Besonders Ärzte sind seither als Neukunden hinzugekommen. Für sie besteht die Gefahr, dass sie wegen eines möglichen Corona-Falls ihre Praxis schließen müssen.

Gespannter Blick auf Olympia

Deutlich verändert zeigt sich die Lage auch bei Großveranstaltungen, bei denen die Hannover Rück einer der maßgeblichen Versicherer ist. Die Olympischen Spiele, die in wenigen Tagen in Tokio starten sollen, finden nun unter der Voraussetzung des Corona-Notstands statt. Die Zuschauer sind bereits ausgeschlossen. Sollte sich die Lage verschlechtern, könnten die Spiele aber noch abgesagt oder nach dem Start abgebrochen werden.

„Im Bereich der Absicherung von Großevents sind wir nun gespannt, wie die Olympischen Spiele verlaufen“, sagt Wicke. Erfreulich sei aber, dass eine steigende Nachfrage zur Absicherung von Veranstaltungsausfällen bereits zu beobachten sei, ebenso erste Abschlüsse. Auch Filmproduktionen laufen wieder an.

Mittel- bis langfristig könnte dem Talanx-Konzern jedoch größeres Ungemach bei einer möglichen Insolvenzwelle drohen, sollten noch viele Unternehmen im weiteren Verlauf die Pandemie nicht überleben. Die Hannoveraner versichern Kreditausfälle und haben hier bereits Rückstellungen gebildet. Ausgezahlt wurde jedoch fast noch nichts. „Das käme zeitlich versetzt, falls es noch zu einer größeren Zahl an Insolvenzen kommt“, sagt Wicke.

Generell geht man im Talanx-Konzern davon aus, in der lange Jahre defizitären Industrieversicherung den Turnaround geschafft zu haben. Auch wenn in der Firmenversicherung viele Verträge vom Umsatz der Kunden abhängig sind und es wegen der Einbrüche in der Pandemie zwangsläufig zu geringeren Beitragseinnahmen kam. Der Veränderungsprozess müsse aber weitergehen, fordert Wicke.

So gilt beispielsweise der Bereich Managerhaftpflicht seit Langem als problematisch. Zuletzt musste die Branche hohe Schadenzahlungen bei Volkswagen und Wirecard stemmen. Als anfällig gilt auch der Bereich Cyberversicherung. In ihn setzten viele Anbieter vor wenigen Jahren noch große Hoffnungen. Nun häufen sich die Hackerangriffe und damit die Schäden. Wicke fordert: „Wir brauchen in beiden Bereichen auskömmliche Prämienniveaus.“

Mehr: Talanx verliert nach Rechtsstreit Mehrheit an Versicherungskonzern in Vietnam.

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